Das Hermelin des Lokführers

Meiringen

«Hermelin – wieselflinker Jäger» heisst die Sonderausstellung im Naturmuseum Oberhasli in Meiringen dieses Jahr. Für seine Ausstellungen kann das Museum auf eine ungewöhnliche Sammlung zurückgreifen.

Stiftungsratspräsident Mathias Kohler mit Leihgaben für die Hermelin-Sonderausstellung im Naturmuseum Oberhasli.

Stiftungsratspräsident Mathias Kohler mit Leihgaben für die Hermelin-Sonderausstellung im Naturmuseum Oberhasli.

(Bild: Sibylle Hunziker)

In alter Zeit jagten die Menschen die Hermeline und nähten aus ihrem Pelz Mäntel für Könige und Kaiser. Das Hermelin in der Naturkundlichen Sammlung Oberhasli ist keine Jagdtrophäe, und es gehörte ursprünglich dem Lokführer Hans Lanz.

«Mein Vater hatte in Meiringen eine Pflegestation für Vögel», berichtet Vreni Lanz, die sich um das Naturmuseum und seine Sammlung kümmert. «Und weil die Leute wussten, dass er Tiere präparieren konnte, brachten sie ihm auch tote Tiere.» So entstand in über sechzig Jahren eine riesige Tiersammlung.

Ein Lebenswerk

Die Naturkundliche Sammlung Oberhasli umfasst heute gegen 500 einheimische Tiere. Einige – etwa die Gämsen oder eine Schmetterlingssammlung – sind Legate. Den Grossteil hat aber Hans Lanz selber präpariert und sie so lebendig dargestellt, wie er auch in seinen naturkundlichen Schriften von seinen Begegnungen mit Tieren in der Natur zu erzählen wusste.

«Er wäre gerne Tierarzt geworden. Aber er kam aus einer Taglöhner- und Kleinbauernfamilie, die sich ein Studium nicht leisten konnte.»Mathias Kohler über seinen Grossvater Hans Lanz

Schon als kleiner Bub interessierte sich Hans Lanz für die ­Natur. «Er wäre gerne Tierarzt geworden», erzählt sein Enkel Ma­thias Kohler, der seit diesem Frühling Stiftungsratspräsident der Naturkundlichen Sammlung ist.

«Aber er kam aus einer Taglöhner- und Kleinbauernfamilie, die sich ein Studium nicht leisten konnte.» So wurde Hans Lanz Mechaniker und später Lokführer auf der Brünig-Bahn. Aber in seiner freien Zeit erforschte er die Natur.

«Er liebte Blumen und Tiere und hatte ein enormes Wissen», erinnert sich Vreni Lanz. «Und wenn er einmal einen Vogel oder einen Schmetterling gesehen hatte, den er noch nicht kannte, ruhte er nicht, bis er ihn bestimmt hatte – und wenn er darob aufs Mittagessen verzichten musste.»

Seine besondere Liebe galt dem Kuckuck und dessen vielfältigen Anpassungen an seine Wirtsvögel. Für seine Forschungsarbeiten baute der Mechaniker selber ein Mikroskop. «Das brauchte er auch, um Flöhe und andere Parasiten der Vögel zu bestimmen», erzählt Mathias Kohler schmunzelnd.

«Das 1983 eröffnete Naturmuseum war ein Herzenswunsch meines Vaters», sagt Vreni Lanz. Getragen werden Sammlung und Museum heute von einer Stiftung, welche die Familie und die Gemeinden des Oberhasli nach Hans Lanz’ Tod 1992 gründeten.

Regelmässig kommen Schulklassen und Jungjäger zum Lernen, im Sommer auch Touristen und andere interessierte Besucherinnen und Besucher. Jedes Jahr gibt es eine neue Sonderausstellung, die nicht nur die Tiere zeigt, sondern auch ihren Bezug zur vielfältigen Oberländer Landschaft.

Für die Ausstellungsgestaltung ist der Meiringer Lehrer Johannes Würgler zuständig, der dabei je nach Thema auch schon mit Imkern, Fischern, Jägern und anderen Spezialisten zusammengearbeitet hat.

Rund ums Hermelin

Diesen Sommer geht es ums Hermelin, das «Tier des Jahres 2018». Das Hermelin im weissen Winterpelz, das zusammen mit seinen Verwandten Marder, Iltis und Mauswiesel in der Sonderausstellung gezeigt wird, kommt aus der Sammlung der Schule Meiringen.

Das Tierchen, das Hans Lanz seinerzeit präpariert hat, bleibt in der Grossvitrine «Feld und Wald». So führt es die Besucher auch zu den anderen Bewohnern der traditionellen Kulturlandschaft wie etwa dem Fuchs – einem weiteren guten Jäger, vor dem sich aber nicht nur Mäuse, sondern auch Wiesel in Acht nehmen müssen.

Sonderausstellung «Hermelin – wieselflinker Jäger»: 18. Juni bis 12. Oktober. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 16.30–18 Uhr, Freitag, 19–21, Sonntag, 16–18. Auf Anfrage sind auch Führungen ausserhalb der Öffnungszeiten möglich. www.naturmuseum.org

Berner Oberländer

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