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Der Endspurt auf den Alpenpässen

Der nächste Wintereinbruch auf dem Grimsel- und dem Sustenpass dürfte wohl für das Saisonende sorgen. Die Gastrobetriebe bereiten sich auf die Schliessung vor.

Noch nie so viel Geschirr abzuwaschen wie im zu Ende gehenden Sommer: Adolf Kündig.
Noch nie so viel Geschirr abzuwaschen wie im zu Ende gehenden Sommer: Adolf Kündig.
Bruno Petroni

Sonntag frühmorgens um 7 Uhr, 2164 Meter über Meer, knapp über null Grad: Auf der Sonnenterrasse des Bergrestaurants Alpenrösli auf der Grimselpasshöhe ist die in eine warme Winterjacke gekleidete Lisette Santos dabei, die Tische und Stühle für den neuen Tag parat zu machen. Es wird der allerletzte Tag des Jahres da oben.

Nicht nur für Lisette Santos. Die von der Atlantikinsel Madeira stammende Portugiesin arbeitete nun bereits die zwölfte Sommersaison da oben, im Alpenrösli. Ihre Chefin Manuela Imhof, landläufig bekannt als die «Prinzessin vom Grimselpass», machte den Betrieb Sonntagabend winterdicht. «Wer gschliesse ds Alperösli und schickes inne Winterschlaf, und iisch gad mit», sagt Imhof in ihrem angeborenen, herrlich breiten Walliser Dialekt. Es sei ein Wahnsinnssommer gewesen, und irgendeinmal sei einfach genug.

Tellerwäscher Walter Brog

Hundert Meter weiter östlich, direkt am Ufer des Totensees, ist Walter Brog einfach nur überwältigt vom Erfolg des ersten Betriebshalbjahres. Der während der Woche als Geschäftsführer der Esotec GmbH und Gemeindepräsident von Innertkirchen seine Agenda voll hat, verbrachte die Wochenenden der zu Ende gehenden Sommersaison als Tellerwäscher des Hotels Passhöhe.

Der 50-jährige Unternehmer, der das vor 62 Jahren erbaute, seit 2010 leer stehende Berghaus letztes Jahr gekauft und für drei Millionen Franken totalsaniert hatte: «Sicher hat uns das Wetter in die Karten gespielt. Und so hatten wir das Haus während der ganzen Hauptsaison voll; die 15 Zimmer waren praktisch immer ausgebucht. Die Sanierung hat sich auf jeden Fall gelohnt, und die Reaktionen der Gäste bestätigen unseren Mut.»

So lange offen wie der Pass

Das Hotel ist noch so lange offen, wie der Pass offen ist. Will heissen, dass möglicherweise am kommenden Wochenende Schluss sein könnte, sind doch Schneefälle bis in mittlere Höhenlagen hinunter angesagt. Das Hotel Passhöhe wird übrigens von Silvester bis Ende März jeweils von Donnerstag bis Sonntag auch über den Winter offen sein. Zustieg von Handegg mit der Luftseilbahn bis Gerstenegg, von da aus bis auf den Pass über die Spur des Pistenfahrzeugs bis zur Passhöhe. Alternativer Aufstieg von Oberwald aus ebenfalls über die Pistenfahrzeugspur.

21 Kilometer weiter nördlich am Sustenpass, frohlockt Adolf Kündig, der in seinen 18 Jahren das knapp 40 Meter über der Passhöhe stehende Berghotel Hospiz führt. «Schon 2015 hatte ich den mit Abstand besten Sommer, doch diese zu Ende gehende Saison übertrifft alles nochmals.» So hätten auch Reisecars auf dem kleinen Parkplatz vor dem Berghaus einen Halt eingelegt.

Und erstmals sind gar zwei doppelstöckige Reisebusse das enge und ausgesprochen steile Bergsträsschen zum Hospiz hinaufgefahren, «jedoch rückwärts, da die Chauffeure befürchteten, sie müssten sonst eventuell wieder rückwärts runter», sagt Kündig. Der in drei Monaten seinen 70. Geburtstag feiernde Schwyzer Metzgereiunternehmer hat neben der Sonnenterrasse «den höchstgelegenen Kinderspielplatz weit und breit» stehen und hält sich im nahe gelegenen Weiher Kaninchen, ein halbes Dutzend Enten und eine Gans. Alle Tiere werden in diesen Tagen für den Winter ins Tal umgesiedelt.

Thomas Michel, Betreiber des Alpin Centers am Steingletscher, ist ebenfalls dabei, den Winter vorzubereiten. Das Selbstbedienungsbistro auf der Passhöhe ist schon seit Mitte Monat geschlossen. Wann das Berghotel Steingletscher schliesst, wird vom Wetter abhängig sein. «Aber das Lodge-Restaurant bleibt auf jeden Fall noch offen, solange der Pass nicht Wintersperre hat», so Michel, der in seinem 18. Jahr am Steingletscher «einen bombastischen Sommer mit einem absoluten Topseptember» erlebte.

Pässe: Wie lange noch?

Heinrich Bürgi, der Werkhofchef des kantonalen Tiefbauamtes in Innertkirchen, sieht dem für das Wochenende erwarteten Wintereinbruch gelassen entgegen: «Bei Schneefall werden wir die Pässe sicher mal vorübergehend schliessen. Eine Wintersperre kommt aber erst wenige Tage später infrage, wenn feststeht, dass eine Wiedereröffnung keinen Sinn mehr macht.»

Immerhin hat der Kanton vorsorglich schon mal die halbe Bretterwand am Scheiteltunnel des Sustenpasses installiert, sodass der Durchgangsverkehr nur noch einspurig passieren kann. Ein klares Indiz dafür, dass es bis zur Wintersperre nicht mehr allzu lange dauern wird.

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