Die Neugierde auf eine 800 Meter lange Geschichte

Grindelwald

Die Gemeinde liess ihre Archivbestände so aufräumen, dass Ordnung und Lagerung dem Gesetz entsprechen. Ein Vortrag über diese Arbeit und einzelne spezielle Archivalien lockte rund hundert Interessierte an.

Die historischen Dokumente aus 500 Jahren Geschichte stiessen bei der Grindelwalder Bevölkerung auf grosses Interesse.

Die historischen Dokumente aus 500 Jahren Geschichte stiessen bei der Grindelwalder Bevölkerung auf grosses Interesse.

(Bild: Sibylle Hunziker)

In den Archiven von Gemeinde und Schwellenkorporation, der sieben Bergschaften und der alten Talschaft von Grindelwald haben sich in den vergangenen 500 Jahren Urkunden, Protokolle, Gerichtsurteile, Rechnungen, Bauprojekte, Pläne und überhaupt Archivalien aller Art angesammelt.

Manche waren zu Büchern gebunden worden, manche lagen in Mappen, Ordnern, Schachteln oder Couverts; bisweilen frassen Mäuse und Schimmel an den Urkunden; und von vielen wusste kein Mensch, dass es sie gab.

Bestände aufgeräumt

«Dass eine Gemeinde die Akten so versorgt, wie sie anfallen, und die Archive über die Jahrhunderte unübersichtlich werden, ist normal», sagte der Historiker Manuel Kehrli, der im Kongresssaal berichtete, wie er diese Bestände zusammen mit seinem Kollegen Christian Hebeisen im Auftrag der Gemeinde aufgeräumt hat.

Kulturgut und Rechtsquelle

«Ungewöhnlich ist die Grösse des Archivs von Grindelwald mit seinen 800 Laufmetern Akten», stellte Kehrli fest. Allein 200 Laufmeter gehören zum Langzeitarchiv. Gut ein Jahr brauchten Kehrli und Hebeisen fürs Ordnen und Inventarisieren. Jetzt wird alles in alterungsbeständigen Kartonschachteln in einem klimatisierten Raum aufbewahrt, sodass auch künftige Generationen in Grindelwald jederzeit Zugang zu diesem Teil ihrer Geschichte und Kultur haben. Das verlangt zum einen der Kulturgüterschutz – gleich wie er den Handel mit solchen für die Gemeinschaft wichtigen Archivalien verbietet. «Zum andern gibt es auch hin und wieder Rechtsfälle, in denen alte Urkunden helfen», sagte Kehrli und erinnerte an einen Grenzstreit zwischen den Kantonen Bern und Wallis, der in den letzten Jahren auf diesem Weg geregelt werden konnte.

Alte Grenzen, grosse Pläne

Gerade die Beschreibung von Grenzen gehört zu den ältesten schriftlichen Tätigkeiten der Menschen überhaupt. Und auch in Grindelwald ist das älteste Dokument ein Marchbrief aus dem Archiv der Bergschaft Bussalp von 1507. Dieses und weitere Beispiele, die in einer kleinen Ausstellung im Saal gezeigt wurden, stiessen beim Publikum auf grosses Interesse. Bewundert wurde die reich verzierte Schrift auf einem alten Gültbrief ebenso wie die in einem ganz speziellen Massstab gezeichneten Pläne für eine Verbesserung der Strasse über die Grosse Scheidegg nach Meiringen von 1891 oder ein Gerichtsurteil von 1736 über einen Weidgangstreit zwischen Bussalp und Hintisberg, das wie ein eidgenössischer Bündnisbrief mit farbigen Schnüren gesiegelt wurde.

Gemeinderat Christian Egger, der den Abend moderierte, war vom Interesse der rund hundert Besucher überwältigt. Und so, wie sich die historisch interessierten Grindelwalder nach dem Zugang zu ihrem Archiv erkundigten, dürfte es nicht lange dauern, bis die ersten Termine mit dem Gemeindeschreiber vereinbart werden.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt