Grindelwald beruhigt 850 Einsprecher

Grindelwald

Gegen eine neue Vorschrift in Grindelwald liefen Grundstückeigner Sturm. Nun klärt die Gemeinde auf und hat Infoveranstaltungen und neue Schreiben angekündigt. Auslöser war jedoch der Kanton.

Das Tal von Grindelwald mit seiner Streusiedlung.

Das Tal von Grindelwald mit seiner Streusiedlung.

(Bild: Fritz Lehmann)

Von einer wahren Flut an Einsprachen sprach der Gemeindepräsident Christian Anderegg bei der Medienorientierung vom Donnerstag. Ganze 850 Einsprachen ­waren auf der Gemeinde ein­gegangen. Grund für die Beschwerdeflut: Im Tal sollen alle Grundstücke den Vermerk «Rutschgebiet» erhalten. «Das ganze Talgebiet rutscht, an gewissen Stellen ein bisschen mehr, an anderen Orten weniger», sagte Anderegg. Dabei handle es sich oft nur um Zentimeter pro Jahr, ein Vorgang, der bei der heutigen Gebäudebauweise zu keinen Schäden führe, weil sich das ganze Objekt bewege.

Wie Anderegg weiter ausführte, bewirken Bodenverschiebungen aber keine Änderung von Grenzen. Aber es sei möglich, dass sich ein Gebäude über die Grenzen zur Nachbarparzelle hin bewege. Das könne rechtliche Probleme nach sich ziehen, weil dann etwa Grenzabstände nicht mehr stimmten. Anderegg erklärte, laut dem kantonalen Amt für Geoinformation haben nicht die Koordinaten Gültigkeit, sondern die Grundstücksgrenzen im Gelände.

Einsprachen aus Sorge

Viele Leute hätten aus Angst vor Wertverlust des Landes oder Auswirkungen auf Versicherungen gehandelt und deshalb eine Einsprache eingereicht. Zudem habe man auf Anraten des Kantons ­gehandelt und so das Baureglement anpassen wollen. Punkto Wertverlust verwies der abtretende Gemeindeschreiber Herbert Zurbrügg auf das Beispiel aus St. Moritz, wo sich ein ähnlicher Vermerk nicht wertmindernd ausgewirkt habe. Anderegg führt weiter aus, auch in der Lenk kenne man eine ähnliche Bestimmung, dort habe es keine negativen Erfahrungen gegeben: «Auch die Prämien für die Gebäudeversicherung bleiben gleich.»

Infoanlässe geplant

Punkto Einsprachen erklärte ­Anderegg, dass viele Einsprecher Einsicht hätten, wenn man die Situation genauer erörtere: «Man konnte ihnen aufzeigen, dass ein Unterschied zwischen Grundstücksplan und Orthofotografie besteht.» Auch sei der Begriff «Rutschgebiet» vielleicht etwas unglücklich gewählt worden, man wolle künftig von Terrain mit dauernder Bodenverschiebung reden. Um den Einsprechern den Sachverhalt nochmals genauer darzulegen, will man erneut ein Schreiben versenden. Und im Frühjahr sind mehrere Infoveranstaltungen mit Fachleuten des Kantons geplant.

Berner Oberländer

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