Die Schätze der Strahler

Innertkirchen

Nächsten Sonntag laden die «Haslistrahler» zur Mineralienbörse.

Kristalle wie der Rauchquarz (Bild) faszinieren nicht nur Strahler.

Kristalle wie der Rauchquarz (Bild) faszinieren nicht nur Strahler.

(Bild: Heidy Mumenthaler)

«In früheren Jahrhunderten wurden aus grossen prächtigen Bergkristallen in Mailand Kronleuchter und andere Luxusgüter geschliffen», sagt Beat Teige, Präsident der Haslistrahler. Heute interessierten sich Strahler und Sammler für die ganze Mineralienvielfalt.

Besonders wertvoll sind zum Beispiel schön gewachsene Gwindel. «Ablagerungen vom Wasser aus eisenhaltigen Nachbargesteinen putze ich nicht immer weg», sagt Teige und zeigt auf eine Kristallgruppe mit ockerfarbenem, in Regenbogenfarben irisierendem Limonit. Daneben liegen Rauchquarze und Kristalle mit «Phantomen» unter der Oberfläche. Sie alle sind nicht nur schön anzusehen, sondern erzählen auch, wie die Kristalle vor zehn bis zwanzig Millionen Jahren unter grossem Druck in der Hitze des Erdinnern gewachsen sind.

Der Reiz des Suchens

«Wie gestrahlt wird, ist sehr individuell», sagt Beat Teige. «Meist ist man im gleichen Gebiet unterwegs und lernt es so immer besser kennen.» Dass sie die Umwelt im Auge behalten, keinen Müll liegen lassen und die örtlichen Bestimmungen einhalten, gehört ebenso zum Ehrenkodex der Strahler wie das Respektieren von Klüften, die bereits von Kollegen belegt und entsprechend markiert wurden.

In der Schweiz wird das Strahlen fast von allen als Hobby betrieben. Dabei ist das Suchen praktisch ebenso wichtig wie das Finden. Wenn Beat und Sohn Dres Teige erzählen, wie sie mit Kollegen im Grimselgebiet tagelang neues Gelände erkunden, wie sie im Biwak fern von Kunstlicht den Sternenhimmel in seiner vollen Pracht erleben und sich in steilen Lawinenzügen aufeinander und auf das eigene Wissen und Können verlassen müssen, dann spüren auch Laien, dass Strahlen weit mehr ist als Kristalle aus dem Berg holen.

Familientradition

Die Gründe für die Faszination des Strahlens seien aber wohl zugleich auch Gründe für das Nachwuchsproblem, mit dem Strahlervereine in der ganzen Schweiz zu kämpfen haben, vermutet Dres Teige. Das Hobby sei nicht jedermanns Sache. «Möchte doch mal jemand gegen Entgelt zum Schnuppern mitkommen, ist heutzutage das Risiko gross, bei einem Unfall von der Versicherung belangt zu werden.» So wird das Strahlen sehr oft in der Familie vererbt. Wie bei Teiges, wo schon Beats Vater strahlte und nun auch die Kinder seiner Söhne erste Kiesel sammeln – auch wenn sie die Frösche und Molche im Garten derzeit noch spannender finden.

Offen für Neues

Der Mitgliederschwund der Vereinigung SVSMF gefährdet das Erscheinen des «Schweizer Strahlers». «Neu kann man die Fachzeitschrift abonnieren, ohne dem SVSMF beizutreten», sagt Beat Teige. «Die Fundberichte und wissenschaftlichen Beiträge packen vielleicht den einen oder anderen Neuen.»

Zwischen Mineralienbörsen im Kanton Bern laufen Gespräche. «Wie sieht die Börsenlandschaft im Kanton in fünf oder zehn Jahren aus? Kann man zusammenspannen, um für den organisatorischen Aufwand breiter abgestützt zu sein – und damit vielleicht Kräfte freispielen, um wieder einmal einen Ferienpass zu organisieren? Die waren früher, als wir noch genug Helferinnen und Helfer dafür hatten, ein Renner», sagt Beat Teige.

Als nächstes steht die Mineralienbörse im Grimseltor direkt am Kreuzungspunkt von Grimsel- und Sustenstrasse auf dem Programm. Angeboten werden ausschliesslich Eigenfunde aus der Schweiz. «Und allen, die mehr wissen wollen, geben wir gerne Auskunft.»

25. Mineralienbörse der Haslistrahler: Sonntag, 7. Juli, 10 bis 17 Uhr, Grimseltor Innertkirchen, mit Sonderschau, Kaffee und Kuchen, Eintritt frei.

Berner Oberländer

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