Digitalisierung: Chance oder Gefahr?

Spiez

Chancen und Gefahren der Digitalisierung, Steuern, Verkehr: Acht Grossrats­kandidaten von acht Parteien nahmen am Podium der Spiezer Agenda 21 Stellung zu aktuellen Themen.

<b>Das Männerpodium am Tag der Frauen (v.l.):</b> Daniel Brügger (Grüne), Benjamin Carisch (EDU), Urs Graf (SP), Simon Schneeberger (FS/GLP), Mathias Siegenthaler (FDP), Stephan Weber (BDP), Markus Wenger (EVP) und Ueli Zimmermann (SVP).

Das Männerpodium am Tag der Frauen (v.l.): Daniel Brügger (Grüne), Benjamin Carisch (EDU), Urs Graf (SP), Simon Schneeberger (FS/GLP), Mathias Siegenthaler (FDP), Stephan Weber (BDP), Markus Wenger (EVP) und Ueli Zimmermann (SVP).

(Bild: Anne-Marie Günter)

«Am Tag der Frau vermisse ich die Frauen», sagte der Spiezer Vizegemeindepräsident Heinz Egli (BDP). Und er hatte eine Bitte an die acht Grossratskandidaten, die auf Einladung der Spiezer Agenda 21 zum Podiumsgespräch ins Kirchgemeindehaus gekommen waren.

«Lasst euch für einmal in die Karten schauen. Das macht man ja meist nicht so gern.» Moderator Bernhard Hauck hatte sieben Themenkreise gewählt, zu denen je ein Kandidat Stellung nehmen konnte.

Ein Wunschprogramm war es nicht: Die Themen wurden per Los zugeteilt. «Lotteriefee» spielte Heinz Egli. In einer zweiten Runde konnten dann die andern Kandidaten je ein Wunschthema – manchmal wurden es dann mehrere – aufnehmen.

Die Podiumsteilnehmer Daniel Brügger (Grüne), Benjamin Carisch (EDU), Mathias Siegenthaler (FDP), Simon Schneeberger (FS/GLP), Stephan Weber (BDP), Grossrat Markus Wenger (EVP) und Urs Zimmermann (SVP) wohnen in der Region. Die SP vertrat der Interlakner Grossrat und Gemeindepräsident Urs Graf.

Vor grossen Umwälzungen

Den Start machte Ueli Zimmermann mit dem Thema Digitalisierung. «Die kommenden Umwälzungen kann ich nur erahnen, das Wirtschaftssystem wird umgebaut werden müssen. Eine Chance sehe ich darin, dass im Oberland Arbeitsplätze, auch aus der Verwaltung, geschaffen werden.» Digitalisierung und Automatisierung bis hin zu Robotern wurde in der zweiten Runde weiterdiskutiert.

«Am Tag der Frau vermisse ich die Frauen.»Heinz Egli, Spiezer Vizegemeindepräsident

Auch für den Bereich Gesundheit. Dort ortete Benjamin Carisch Sparmöglichkeiten mit einer schlanken Verwaltung und verbesserter Vernetzung der Dossiers. Mathias Siegenthaler sieht die Digitalisierung als Chance, damit die Pflegenden wieder mehr Zeit für die Betreuten haben. Simon Schneeberger stellt im Gesundheitswesen Selbstbedienungsmentalität fest; die Digitalisierung könnte effektivere Überprüfungen ermöglichen.

Stephan Weber plädierte dafür, dass die Menschlichkeit nicht vergessen werde. Urs Graf befürchtet, dass alles, was sich wirtschaftlich rechne, auch gemacht werde. Im Bereich Bildung befürchtete Daniel Brügger, dass an der nötigen und unersetzbaren Manpower gespart werde.

Stephan Weber schliesst mehr Digitalisierung im Bildungsangebot nicht aus, und Simon Schneeberger findet die Bildung ausserordentlich wichtig, auch eine ­Informatikschulung auf allen Stufen.

Konkret zum Veloweg

Beim Verkehr würde Mathias Siegenthaler jetzt keine Rieseninvestitionen machen, da er sich mit der Digitalisierung verändern werde; Benjamin Carisch plädierte für einen Ausbau sowohl beim ÖV als auch bei der Strasse, wenns nötig sei. Ein ganz konkretes Statement kam von Markus Wenger: Er setzt arbeitswegtechnisch und touristisch aufs Velo und fand, die Radweglücke zwischen Spiez und Interlaken müsse rasch geschlossen werden.

Schlagabtausch zu Steuern

Ein Fast-Schlagabtausch gabs in Sachen Steuern: Urs Graf plädierte für ein gerechteres Steuersystem; und er wies darauf hin, dass der Kanton genug Einnahmen hätte, wenn nicht massiv Steuern hinterzogen würden. Die SVP aber mache den Sozialhilfebetrug zum Wahlkampfthema, der zwar sicher nicht gut sei, aber extrem weniger Schaden verursache als die Steuerhinterziehung.

Ueli Zimmermann betonte, dass in Sachen Steuern vor allem gute Bedingungen und ­weniger Regulierungen für die Wirtschaft nötig seien, eine blühende Wirtschaft sorge für Steuereinnahmen. Sowohl Markus Wenger als auch Mathias Siegenthaler setzten sich dafür ein, dass bei Vergaben der ökologische Fussabdruck mehr gewichtet wird, damit Schweizer Produkte eine Chance haben.

In Sachen Energie hielt Wenger die KWO-Projekte für wichtig, Weber fand, bei der Entnahme aus dem Thunersee dürfte diese dann nicht im System fehlen, und Brügger kritisierte die tiefe Einspeisevergütung für lokal produzierte Energie.

Bei Züpfe, Nussbrot, Apfelpunch und Mineralwasser standen die Kandidaten zur vertieften Diskussion zur Verfügung.

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