Direkt in die Ohren auf 2970 Meter über Meer

Mürren

Konzertzukunft mit Häni und seiner Band Halunke? Auf dem Schilthorn kam der Halunke-Sound über Kopfhörer direkt rüber zu jedem einzelnen Zuhörer.

Ziemlich viel Liebe: Christian Häni und sein Frau Anja singen vor dem Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn.

Ziemlich viel Liebe: Christian Häni und sein Frau Anja singen vor dem Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Die jungen Eventmanagerinnen Janine Arnold und Sibylle Meier hats gestört: An Livemusik-Events hört man manchmal kaum die Band, sondern von rechts, links, vorne und hinten Klatsch und Tratsch von Mit-Konzertbesuchern. So entwickelten die beiden das Projekt Sounds of Silence: Livemusik von der Bühne direkt auf die Ohren. Wie es geht, zeigte die Band Halunke am Mittwoch auf dem Schilthorn.

Mit dem 2970 Meter hohen Gipfel hat der ehemalige Lauterbrunner Bandchef Christian Häni wahrscheinlich einen der grössten Hausberge in der Szene. Hier war er bei seinem ersten Besuch als 12-Jähriger vom visuellen Gipfelkonzert beeindruckt, hier hat er Songs für sein aktuellstes Minialbum «Ponyhof» aufgenommen, und hier gab er jetzt mithilfe von Sponsoren sein erstes Sounds-of-Silence-Konzert.

Grosse Herausforderung

«Huere kompliziert» sei die Technik, sagte Häni, zwei Tonnen Material habe man, unter immer hoffnungsvolleren Blicken auf die Wetterradare, auf das Schilthorn gebracht. An die Musiker stelle die Kopfhörertechnik grosse Herausforderungen. Vielleicht nicht ganz exakt gespielte Töne verstecken sich normalerweise an einem Livekonzert im Gesamtsound, bei der Kopfhörermethode landen sie direkt im Ohr des Publikums. Dieses konnte den Halunke-Sound in der Lautstärke seinen eigenen Bedürfnissen anpassen, ein klarer Vorteil für das System.

Tratschen und Klatschen konnte man übrigens immer noch, sofern man den Kopfhörer zumindest von einem Ohr wegnahm, und es störte niemanden. Der Sound, der nicht über die Kopfhörer von der Bühne kam, war allerdings mager und drumlastig. Schlagzeuger auf dem Schilthorn war Alexander «Bali» Bajajew, der Drummer der ehemaligen Band Plüsch. Häni und Bali begannen beide mit dem Musikmachen im Polo-Hofer-und Hanery-Amman-Land jung: Häni mit seiner Band Scream, Bali mit V.I.P.

Manchmal geht Text voran

Häni lebt inzwischen von der Musik. Er schreibt Songs für sich, aber auch Songs für Leute wie Trauffer oder Baschi. Wie? Nicht Ruhe unter dem Apfelbaum, Hasch oder Rotwein, wie Musikerkollegen es rieten, helfen Häni. Es sind Wörter und Tunes, die zu einem Ganzen werden, manchmal geht der Text, manchmal die Musik voran. Und – so wenigstens der Eindruck beim Schilthorn-Konzert – ist für ihn seine Frau Anja Inspiration. Sie singt in der Band und organisiert das Musikerleben.

Hänis Lovesongs sind stimmig. Zwar war der «rote Teppich», den er für seine Liebe ausrollt, auf dem Schilthorn purpurn, aber dafür gabs eine Kulisse für grosse ­Gefühle: Eiger, Mönch und ­Jungfrau, Dammastock und Blümlis­alp spielten Verstecken mit weichweissen Nebelwolken, und die Sonne ging in Nebelschleiern über dem Mittelland unter.

Das Meeresrauschen, das in einem Intro zu hören war, kam dann allerdings aus dem Kopfhörer, auch das macht das Sounds-of-Silence-System möglich.

Weil es so neu war, wurde es auf der grossen Aussichtsplattform von unzähligen Kameraobjektiven eingefangen, samt jenem einer Drohne. Einen entsprechenden Film realisierte der ehemalige Scream-Band-Kollege Simon von Allmen. Nicht ganz auf die Kosten dürften jene Gäste gekommen sein, die Videos mit Ton drehen wollten. Einziges Cover am Konzert war der Song «Paradise» von Coldplay, Berndeutsch wird das Lied zum Paradies.

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