Drei Landesverweise und ein Freispruch

Das Urteil über die vier Beschuldigten, die im Oktober 2016 an einem Raubüberfall in Ringgenberg beteiligt waren, ist gefällt. Drei werden des Landes verwiesen; einer von ihnen kommt schon heute in Ausschaffungshaft.

Das Gebäude des Regionalgerichts in Thun.

Das Gebäude des Regionalgerichts in Thun.

Es war ein Raubüberfall am helllichten Tag: Mitte Oktober 2016 um die Mittagszeit drangen zwei Männer in Ringgenberg in eine Wohnung ein, bedrohten den Besitzer mit einem Messer und erbeuteten rund 600 Franken.

Nachdem der Wohnungsbesitzer ins Freie hatte flüchten können, machten sich die Räuber ihrerseits aus dem Staub: Sie rannten zu ihren zwei Komplizen, die in einem Auto warteten. Zu viert fuhren sie zurück nach Bern, ­woher sie auch gekommen waren.

Diese Woche wurde dem Quartett in Thun der Prozess gemacht. Die Hauptverhandlung fand am Montag statt (siehe Ausgabe vom Dienstag). Am Freitag verkündete Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig-von Allmen das Urteil: Drei Beschuldigte – zwei Syrer und ein Türke – wurden zu Freiheits­strafen verurteilt und tragen die Kosten des Verfahrens. Überdies erhalten sie einen Landesverweis für 5 Jahre aufgebrummt. Für den vierten, einen Kosovaren, endete der Prozess mit einem Freispruch.

«Grenze sowieso überschritten»

Die beiden Syrer im Alter von heute 25 und 20 Jahren waren die Eindringlinge. Sie erhielten nun die härteren Strafen als ihr türkischer Komplize, der bei der Planung ­beteiligt und offenbar als Einziger mit dem Opfer bekannt, ja sogar befreundet gewesen war. Daher kannte dieser auch die Wohnung des Überfallenen.

Eine wesentliche Rolle in der Strafverhandlung spielte ein Messer, das der ältere der beiden Syrer dem Ringgenberger beim Überfall an den Hals und an den Bauch gehalten hatte. «Ob die schneidende oder die stumpfe Seite des Messers dabei am Hals lag, spielt keine Rolle: Die Grenze des einfachen Raubes ist sowieso überschritten», so die Gerichtspräsidentin.

Somit wurden die ­Syrer nicht des einfachen Raubes, sondern des qualifizierten Raubes unter Offenbarung von besonderer Gefährlichkeit schuldig gesprochen. Ebenfalls wird ihnen Sachbeschädigung (sie schlugen das Fenster des Badezimmers ein) und Hausfriedensbruch zur Last gelegt.

Auch in Bern geraubt

Der 25-jährige Syrer wird vom ­Gericht als Haupttäter angesehen und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 7 ­Monaten verurteilt, wovon er knapp 10 Monate bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat. Eingeschlossen in dieses Urteil ist auch die Strafe für einen Raub, den der Mann im August 2016 in Bern verübt hatte.

Sein 20-jähriger Landsmann sei in diesem Fall eher ein Mit­läufer, aber keineswegs ein Unschuldslamm – denn im Gegensatz zum 25-Jährigen ist dieser vorbestraft. Seine Freiheitsstrafe hat die Dauer von 2 Jahren und 10 Monaten, wovon er sicher 8 Monate absitzen muss. Der Rest wird zur Bewährung ausgesetzt. Der junge Mann hat sich in psychiatrische Behandlung begeben und kann diese auch während der Haft fortsetzen.

Inwiefern der jeweilige Landesverweis von 5 Jahren greift, ist im Fall der zwei Syrer noch nicht ­geklärt; man könne die Männer nicht einfach so in ein Land ­ausschaffen, in dem Bürgerkrieg herrsche, so die Richterin.

Türke in Ausschaffungshaft

Hingegen wird der 42-jährige Türke, der bei der Planung des Raubüberfalls mitgeholfen hatte, bereits heute Samstag aus dem Regionalgefängnis Bern entlassen und kommt in Ausschaffungshaft. Seine gestern ausgesprochene Freiheitsstrafe von 9 Monaten ­wegen Einbruchdiebstahl, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz – ihm wurde auch der Handel mit Kokain ­nachgewiesen – hat er bereits in Untersuchungshaft abgesessen.

Der Vierte im Bunde, ein heute 38-jähriger Kosovare, wurde freigesprochen. Er sei am Überfall nicht direkt beteiligt, sondern lediglich der Fahrer gewesen, befand das Gericht.

Berner Oberländer

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