Ein Dorf im Zeichen der Armbrust

Ringgenberg

Viele Fahnen prägten den Umzug und den offiziellen Festakt des 24. Eidgenössischen Armbrustschützenfests.

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Es ist zwar eine Gürtelschnalle, die das Wappen von Ringgenberg ziert, mit etwas Fantasie könnte es aber auch eine Armbrust sein. Jedenfalls steht dieser Tage die Gemeinde am Brienzersee ganz im Zeichen der Armbrust, 350 Helferinnen und Helfer empfangen Armbrustschützinnen und -schützen aus der ganzen Schweiz zum 24. Eidgenössischen Armbrustschützenfest.

Am 14. Juli war der offizielle Tag. Ein erstes Merkmal: Auf dem Goldswilviadukt stellte die Feuerwehr Rigoni morgens um 10 Uhr dreieckige Gefahrenhinweistafeln auf.

Der Einzige mit Armbrust

Die Gefahr entpuppte sich dann als Umzug auf einem Stück Kantonsstrasse in Ringgenberg, das lang genug war, dass die Musikgesellschaft Ringgenberg den Marsch «San Carlo» von Oscar Tschuor intonieren konnte. Hinter ihr kam eine Kutsche mit dem winkenden Regierungsratspräsidenten Christoph Ammann. Ständerat Hans Stöckli ging mit vielen andern Ehrengästen zu Fuss.

Es folgte ein Fahnenmeer mit den Emblemen der Ringgenberger Vereine und der teilnehmenden Armbrustschützenvereine. Hoch zu Ross kam der österreichische Landvogt Gessler, Wilhelm Tell trug als Einziger im Umzug eine Armbrust auf den Schultern, und auf einem Heuschlitten mit Rädern wurde der übergrosse Tellspiel-Werbeapfel mitgeführt. Den Schlusspunkt setzten die Trychler aus Goldswil.

Die Zeit der Fahnen

Fahnen prägten auch den Festakt. Die der Armbrustschützenvereine hingen von der Zuschauertribüne in die Burgseeli-Mehrzweckhalle. Die Fahnen von Goldswil, Ringgenberg, Bern und der Schweiz (von links nach rechts) bildeten das Bühnenbild, und davor standen sieben Fähnriche, welche die Fahnen der fünf regionalen Armbrustschützenverbände, des Veteranenverbands und des Eidgenössischen Armbrustschützenverbands trugen.

Auf der Letzteren stand auf der Rückseite «Association Fédérale de Tir à l’Arbalète», womit geklärt ist, was Armbrust auf Französisch heisst. Diese Fahne war ein tragender Teil im Festakt: Sie wurde nämlich unter den feierlich-monotonen Klängen des Fahnenmarsches von Fähnrich Werner Frischknecht an EASV-Präsident Martin Schneider übergeben, der sie an den Ringgenberger OK-Präsidenten Ernst Schiess weiterreichte.

Dieser übergab sie an OK-Mitglied Ueli Frutiger, und dann berührte die Fahne zum Gruss kurz die andern Fahnen auf der Bühne und einmal auch ein bisschen die Bühnendecke.

Ungeschickter Ammann

Der Berner Regierungspräsident Christoph Ammann berichtete kurz von seinem nicht so ganz gelungenen Test mit der Armbrust am vergangenen Mittwoch und lobte insbesondere die Kooperation der Ringgenberger Armbrustschützen mit den Tellspielen. «Bern ist ein Sport- und Kulturkanton, und ihr tragt dazu bei», sagte er.

Anders als bei Tell ist die Armbrust heute in der Schweiz weder Jagd- noch Kampfwaffe, sondern ein Sportgerät. Der Sport sei anspruchsvoll, betonte der Regierungspräsident. EASV-Präsident Martin Schneider tönte die Probleme der Armbrustsportler an: schwindende Mitgliederzahlen und fehlender Nachwuchs.

«Tells Geschoss»

Apropos Wilhelm Tell: Die Musikgesellschaft Ringgenberg spielte den von Ueli Zurbuchen für das Fest komponierten Marsch «Tells Geschoss». Und Friedrich Schiller lässt in seinem Drama den Schweizer Freiheitshelden sagen: «Mein ganzes Leben lang hab’ ich den Bogen gehandhabt, mich geübt nach Schützenregel. Ich habe oft geschossen in das Schwarze. Und manchen schönen Preis mir heimgebracht vom Freudenschiessen.»

So stimmts auch 2019 in Ringgenberg: «Das Freudenschiessen» ist in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht bestens organisiert, wozu Arbeitseinsätze der Helfer von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts nötig sind. Und es gibt einen gut ausgestatteten Gabentempel.

Berner Oberländer

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