Ein Geschenk aus heiterem Himmel

Die Frutiger AG macht der Gemeinde Oberhofen ein nicht alltägliches Geschenk. Zum 150-Jahr-Jubiläum will die Firma eine rund 180 Meter lange Hängebrücke bauen.

Die Hängebrücke über den Riderbach scheint wieder möglich – dank eines Geschenks aus der Wirtschaft. Bild: Patric Spahni

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Hängebrücken sind für viele Oberhofner ein rotes Tuch. Der Verein Panorama-Rundweg Thunersee plant seit Jahren eine Verbindung über den Riderbach. Bisher ohne Erfolg. Im Dezember 2012 lehnten die Burger ein Projekt wuchtig ab.

260 Meter lang und in bis zu 87 Meter Höhe: Das waren die Dimensionen der geplanten Hängebrücke. «Sie war viel zu gross», sagt Burgerpräsident Rudolf Ritschard. Zudem hätte sie wirtschaftlich und touristisch nichts gebracht. Dem neuen Projekt stehen die Burger nun aber offener gegenüber.

Konkret plant die Frutiger AG, anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums im nächsten Jahr eine Hängebrücke über den Riderbach zu bauen und sie dann der Heimatgemeinde Oberhofen zu schenken. Die Burgergemeinde, welche dort Land besitzt, wo einer der Brückenköpfe gebaut wird, hat dem Vorhaben bereits zugestimmt.

«Ohne Diskussionen ging es aber nicht», sagt Ritschard. Die Mehrheit der Burger habe aber schliesslich die Vorteile gesehen. So verbindet die Hängebrücke die Dorfteile Rinderstall und Bloch. «Zudem können Wanderer, die von Sigriswil herkommen, nun den Riderbach komfortabel passieren», sagt Ritschard.

Eine Brücke als Sinnbild

Die neue Hängebrücke wird rund 180 Meter lang. Sie beginnt 50 Meter unterhalb des Forsthauses Blochbuche und endet in der ­Nähe der Neuenackerstrasse. Die Spaziergänger werden in etwa 50 Meter Höhe den Riderbach überqueren.

Initiator des Vorhabens ist die Frutiger-Gruppe. Luc Frutiger, Mitinhaber und Delegierter des Verwaltungsrates der Frutiger-Gruppe, sagt: «Das Unternehmen hat seine Wurzeln in Oberhofen. Und dieser Fakt stand am Ursprung der Idee. Wir wollten anlässlich unseres 150-Jahr-Jubiläums im nächsten Jahr etwas Besonderes machen.» Und was stehe einer Firma im Bauwesen näher als ein Bauprojekt? «Einfach ein grosses Fest machen wollten wir nicht», sagt Frutiger. Es gehe der Firmenleitung darum, den Menschen etwas zurückzugeben. Und da sei die Idee mit der Hänge­brücke entstanden.

Frutiger ist sich bewusst, dass es Oberhofner geben wird, welche sich am Bau stören. Das gehöre dazu. «Wir haben aber bisher sehr viele positive Rückmeldungen bekommen. Das hat uns motiviert, das Projekt voranzutreiben.» Die Hängebrücke werde nicht von weitem sichtbar sein wie jene in Sigriswil, verspricht Frutiger. «Sie ist versteckt.»

Frutiger hofft, dass die Brücke, welche vornehmlich von der Frutiger AG gebaut wird, nächstes Jahr ­erstellt werden kann. Das Baugesuch wurde bereits eingereicht. Die Oberhofner werden dann an der Gemeindeversammlung vom 3. September detailliert über das Projekt informiert. «Ich rechne mit vier Monaten Bauzeit», sagt Frutiger. Über die Kosten will er kein Wort verlieren. «Das gehört sich nicht bei einem Geschenk.»

«Eine sehr schöne Geste»

Erfreut über das ungewöhnliche Geschenk zeigt sich der Gemeinderat. «Es ist eine sehr schöne Geste», sagt die interimistische Gemeindepräsidentin Beatrice Frey. Die Brücke füge sich gut in die Landschaft ein und stelle einen Mehrwert für die Oberhofner dar, sagt sie weiter.

Vonseiten der Gemeinde seien noch einige Punkte zu bereinigen, wozu die Anpassung des Sachplans Wanderroutennetz gehört, welche die Zustimmung des Tiefbauamtes des Kantons Bern beinhaltet. Der Gemeinderat stehe jedoch hinter dem Konzept. «Aber natürlich wird die Brücke zu reden geben», sagt Frey auch. Sie geht trotzdem davon aus, dass der Bau realisiert werden kann. «Das Ja der Burger ist ein deutliches ­Signal.»

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 29.05.2018, 21:38 Uhr

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Vereinspräsident Peter Dütsch­ler zeigte sich gestern «hoch ­erfreut» über die Schenkung der Frutiger AG und sprach von einem «unglaublich grosszügigen Akt». Der Verein und Frutiger seien für das neue Brückenprojekt bereits regelmässig in Kontakt gestanden. «Dass wir die Brücke jedoch gratis erhalten, damit hätten wir nie gerechnet», so der Vereinspräsident. Auch bei den anderen Teilprojekten des Rundwegs tue sich etwas, verrät Dütschler. Spruchreif werde dies indes erst 2019.gbs

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