Ein Sieg der Menschlichkeit

Redaktor Jürg Spielmann über die Wende im Fall der von der Ausschaffung bedrohten syrischen Familie aus Hondrich.

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Für ein endgültiges Hurra sei es noch zu früh, deutet Schulleiter Kurt Mühle­thaler die jüngste Entwicklung zur syrischen Kleinfamilie in Hondrich richtig. Er war mit deren misslichen Lage an diese Zeitung gelangt. Wir begannen zu rechechieren, blieben dran.

Nun können die Betroffenen nach Monaten des Bangens etwas aufatmen. Mehr noch: Sie – und mit ihnen eine Grosszahl Engagierter – haben Grund zur Freude. Das Staatssekretariatfür Migration (SEM) hat seinen eigenen Entscheid revidiert, das Bundesverwaltungsgerichtsurteil umgestossen und die bevorstehende Ausschaffung ins EU-Ersteinreiseland abgewendet. Dort hätte der Familie mutmasslich Gefahr an Leib und Leben gedroht – vom Ex-Mann und Vater.

Dank eines Wiedererwägungsgesuchs würdigte das SEM die neue, veränderte Situation. Die der psychischen Verletzlichkeit der Betroffenen, die sich durch die akut drohende Abschiebung noch akzentuierte. Anwalt Jürg Walker vermochte die Verletzlichkeit ausreichend zu belegen – mit unbürokratischer Unterstützung von Fachkräften wie Thomas Ihde. Doch auch die Zivilcourage, gelebt von Schule und Dorf, Politik und Kirche, welche die Ausschaffung der gut Integrierten nicht hinnehmen mochten, blieb nicht ohne Wirkung.

Klar ist: Sozialromantik hatin der Asylpolitik keinen Platz. Wer den Schutz der Schweiz nicht benötigt, hat diese auch wieder zu verlassen. So will es der Rechtsstaat, so ist es richtig. Eine Wegweisung in die kriegsgeplagte Heimat dürfte der Kleinfamilie aus Hondrich nicht drohen. Sie wäre unzumutbar.

Mutter und Kindern ist zu wünschen, dass sie sich in unserem Land, also in Sicherheit, ein selbstbestimmtes Leben ­aufbauen können. Es wäre dies ein Sieg der Menschlichkeit. (Berner Oberländer)

Erstellt: 06.06.2018, 06:32 Uhr

Jürg Spielmann, Redaktor
j.spielmann@bom.ch

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