Eintauchen in frühere Zeiten

Adelboden

Im Quartalsprojekt «Zeitmaschine bauen!» lernten die 29 Schüler und Schülerinnen der Oberstufe Real- und Sekundarschule das Handwerk des Filmemachens.

Die 13-jährigen Jungs Guus Karstens, Leandro Dänzer (v.l.) und das Mädchenteam Elena Zenger und Juliana Da Silva sind mit ihrer Adelbodner Geschichte im Zeitzeugen-Projekt gut auf Kurs.

Die 13-jährigen Jungs Guus Karstens, Leandro Dänzer (v.l.) und das Mädchenteam Elena Zenger und Juliana Da Silva sind mit ihrer Adelbodner Geschichte im Zeitzeugen-Projekt gut auf Kurs.

(Bild: Rösi Reichen)

Zu zweit besuchen und befragen Schülerinnen und Schüler Zeitzeugen mit interessanten Lebensgeschichten aus Adelboden und halten sie fest. Mit alten Fotos und der App Z-Moviemaker drehen sie aus den Interviews kurze Filmclips. Diese veröffentlichen sie unter Zeitmaschine.tv (und Zeitmaschine.tv/adelboden).

Bisher sind im Projekt rund 800 Filmclips von Berlin bis Unteriberg publiziert worden. Sie erzählen von früher (Hitlerjungen, Verdingmädchen, Reisen, Halbstarke) oder, wie in Adelboden, von Eishockey und von einer Bauernfrau, einer Bäckersgattin. Luise Michel erinnert sich, dass sie im Wald Tannzapfen sammelte zum Heizen, aber auch damit gespielt hat, wie mit Kühen.

Moos und kleine Stecken verwendete sie zum Bauen von kleinen Ställen. Also ganz einfaches Material, das erst noch nichts kostete. Über die Mode wusste sie, dass Mädchen und Frauen lange Röcke trugen, keine Hosen. Buben hatten Handfertigkeit und Algebra, die Mädchen Handarbeiten und Kochschule. Die Zeitzeugin Priska Trachsel erzählte den Schülern Guus Karstens und Leandro Dänzer, dass ihre Geschwister nicht in den Kindergarten mussten: «Ich wäre auch lieber daheim geblieben, um auf dem Bauernhof in Winklen bei Frutigen zu helfen.»

Der Projektleiter Christian Lüthi und die Lehrerinnen Regula Grunder und Marlene Däpp sind überzeugt, dass alle von dem anspruchsvollen Angebot profitieren, und erklären: «Die Schülerinnen und Schüler der beiden altersgemischten Adelbodner Oberstufenklassen befragen Zeitzeugen zu Themen wie Freizeit, Jugendkulturen, Wintertourismus in früheren Jahrzehnten.

Handwerklich lernen die Schüler und Schülerinnen dabei, ein Interview zu führen, die Multimediasoftware zu bedienen und im Zweierteam kreativ und zielgerichtet zu arbeiten. «Seid euch bewusst, die Zeitzeugin ist die Hauptdarstellerin, wenn jemand eine Frage nicht beantworten möchte, ist das o.k.» Eine öffentliche Clip-Show zur «Adelbodner Zeitmaschine» ist für die zweite Jahreshälfte geplant.

Tablets und Film-App

Im Klassenzimmer wird die Technik installiert und alle Schüler mit einem Kopfhörer ausgestattet. «Was isch ächt druffe?», sind die Jugendlichen gespannt. Gleich hören alle ihre aufgenommenen Interviews an und machen sich Gedanken, wo sie den Schnitt machen wollen für einen Clip. Sie kontrollieren, wie deutlich gesprochen wurde, wie hell und scharf die Bilder herausgekommen sind oder ob noch besseres Material vorhanden ist.

Kurze Sequenzen werden ausgeschnitten, zum Beispiel mit dem Titel «Kindheit» versehen und genau in Minuten und Sekunden bezeichnet, wo sie zu finden sind, wie etwa von 1.00 bis 3.15, damit Ausschnitte für die späteren Kurzfilme auch an den richtigen Stellen herausgeschnitten werden. Wobei auch Mathematik gefragt ist. Die meisten gehen sehr engagiert ans Werk, hören ab und protokollieren. Andere blicken sich unsicher um und wagen kaum Texte auszuschneiden. Juliana Da Silva ist sehr angetan vom Projekt und sagt mit leuchtenden Augen: «Ich bin begeistert und lerne extrem viel.»

Alle Zeitzeugen-Filme aus Adelboden: www.zeitmaschine.tv/adelboden.

Berner Oberländer

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