Der Hochwasserschutz ist auf Kurs

Leissigen

Auf der aktuellen Gefahrenkarte liegt fast das ganze Dorf Leissigen in Zonen mit Überschwemmungsrisiko. Tatsächlich haben die grossen Hochwasserschutzprojekte der letzten Jahre die Gefahren stark reduziert.

Der Geschiebesammler am Spissibach in Leissigen.

Der Geschiebesammler am Spissibach in Leissigen.

(Bild: Fritz Lehmann)

Vier Wildbäche haben den Schwemmfächer geschaffen, auf dem Leissigen steht. Doch die­selben Bäche haben auch immer wieder für Überschwemmungen gesorgt. Solche Ereignisse werden mit zunehmenden Wetterextremen häufiger und bedrohen in der Gemeinde, die wegen ihrer attraktiven Lage laufend wächst, immer mehr Häuser und Infrastrukturbauten – zumindest auf dem Papier der aktuellen Gefahrenkarte.

Danach liegt fast das ganze Siedlungsgebiet mindestens in der gelben Zone mit einer geringen Gefahr durch Überschwemmungen und Murgänge.Das entspricht 69 Prozent aller Gebäude, wie das Mobiliar-Lab für Naturrisiken letztes Jahr ausgerechnet hat – der höchste Anteil aller Berner Oberländer Gemeinden. Und auch wenn man nur die mittlere oder starke Bedrohung anschaut (blaue oder rote Zone), sind es immer noch 40 respektive 9 Prozent der Gebäude.

3,5 Millionen Franken verbaut

Tatsächlich ist die Bedrohung aber in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Bei Ey-, Spissi- und Riedbach wurden die Geschiebesammler über dem Dorf massiv vergrössert. Dazu kamen eine Schutzmauer und ein Schutzdamm über dem Altersheim, das vorher in der roten Gefahrenzone des Spissibachs lag.

«Die Schutzmassnahmen an diesen drei Bächen sind abgeschlossen», erklärt Daniel Steuri, Sekretär der Schwellenkorporation Leissigen, auf Anfrage. «Insgesamt hat die Schwellenkorporation Leissigen 3,5 Millionen Franken verbaut, seit die Naturgefahrenkarte erstellt wurde.» Dafür dürften die roten und blauen Zonen weitgehend verschwinden – bis auf einige kleine Ecken rund um die Bahn- und Strassenbrücken.

«An sich sind die Schutzmassnahmen so ausgelegt, dass die Bäche unter diesen Brücken nicht mehr verstopft werden», sagt Steuri. Aber weil man das bei einem Extremereignis nie ganz ausschliessen könne, sei es doch möglich, dass ein Bach an diesen Stellen in seltenen Fällen über die Ufer treten könne.

Der letzte Bach

Nun ist der Griessbach in Arbeit, der westlichste und von der Topografie her schwierigste der vier Bäche mit dem teuersten Hochwasserschutzprojekt. Auch hier soll das Fassungsvermögen des Geschiebesammlers von 5000 auf 25 000 Kubikmeter vergrössert werden. Dazu kommen Massnahmen zur Ufersicherung vom Geschiebesammler abwärts bis zur Krattigstrasse. Die geschätzten Kosten für dieses Projekt belaufen sich auf circa 5,2 Millionen Franken.

Nachdem die hauptbetroffenen Grundeigentümer ihre Zustimmung gegeben haben, erteilte die Schwellenkorporation den Ingenieuren im Februar 2017 den Auftrag für die Planung. Daniel Steuri rechnet damit, dass das Projekt im Herbst öffentlich aufgelegt und spätestens 2019 ausgeführt werden kann.

Dann kann die Gemeinde die Naturgefahrenexperten beauftragen, die Gefahrenkarte zu überprüfen und an die Wirkung aller Schutzmassnahmen der letzten Jahre anzupassen.

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