Folklore pur und Brauchtum im Vorbeimarsch

Interlaken/Unterseen

Die Bevölkerung vom Bödeli und ihre Feriengäste aus dem In- und Auland feierten den Geburtstag der Eidgenossenschaft mit einem Folklore-Apéro im Kursaalgarten und einem Umzug.

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Bundesfeiervormittag: Von allen Seiten streben sowohl Touristen wie Eingeborene dem Kursaalgarten zu. Durchaus auch auf dem Velo und durchaus auch auf dem mit einem allgemeinen Fahrverbot belegten Weg am linken Aareufer. Grund der Völkerwanderung: Die Schweiz feiert Geburtstag und die Gemeinde Interlaken sowie Tourismus Interlaken spenden im Kursaalgarten eine Apéro. Rugenbräu frisch ab Fass, von der Rugen(bräu)passhöhe dreispännig herangekarrt. Interlakens Tourismusdirektor Daniel Sulzer begrüsst vielsprachig die mehrere Tausend starke Festgemeinde. Das Schwyzerörgeliquartett Männlichen aus Grindelwald sorgt für Stimmung, dem Jodlerklub Alpenblick wird applaudiert und die Alphorngruppe Jungfrau tritt zusammen mit drei Fahnenschwingern auf. Gleitschirme schweben vom Amisbühl herunter, präsentieren die Kantonsfahnen und landen auf der Höhematte.

Der 728. Geburtstag

Die Schweiz feiert also am 1. August Geburtstag. Der Tag wurde allerdings erstmals 1891 – zusammen mit der Stadt Bern, die ihren 700. Geburtstag zelebrierte – gefeiert und erst ab 1899 in der gesamten Schweiz jährlich wiederholt. Der Schweizer Nationalfeiertag ist im arbeitsamen Land erst seit 1994 gesamtschweizerisch ein arbeitsfreier Tag, nachdem das Stimmvolk im September 1993 die 1-August-Initiative angenommen hatte.

Feiert die Schweiz überhaupt am richtigen Datum Geburtstag? Der Geschichtsschreiber Aegidius Tschudi hat in seiner Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Schweizer Chronik das Datum des Rütlischwurs auf den 8. November 1307 festgesetzt. Und 1907 wurde denn auch in Altdorf im Beisein einer Bundesratsdelegation das 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft gefeiert. Nun, man soll die Feste feiern wie sie fallen. Und im Sommer lässt sich outdoor gäbiger feiern als im November.

Tausende am Strassenrand

Der Höhepunkt der 1.-August-Feier auf dem Bödeli ist ohne Zweifel der Umzug. Er führte traditionsgemäss vom Osten Interlakens über den Höheweg zum Westbahnhof und von dort auf den Stadthausplatz Unterseen. Zu Zehntausenden stand das Publikum am Strassenrand, die Schweizer arg in Unterzahl. Die alpabzugmässig schön geschmückten Kühe des Wilderswiler Landwirts Walter Balmer führten den Zug an. Es folgte einer, der bei der Gründung der Eidgenossenschaft eine wesentliche Rolle spielte: Tell mit seiner Familie. Und gleich dahinter Gesslers Reiter. Musikvereine marschierten vorbei und Trychler. Feuerwehr und Militär sind präsent. Wildheuer schwitzten unter ihren schweren Burden, wohl wissend, dass sie nicht weit von einigen Fässern Rugenbräu unterwegs waren. Als Gäste am Umzug dabei: Der Belle-Epoque-Verein Kardersteg. Der von Peter «Schluni» Schlunegger zusammengestellte Umzug umfasste 34 Bilder. Den Schluss markierte mit viel Schwung die Bödeli-Rasselbande, eine Guggemusig.

Fest, Feier und Feuerwerk

Die Festwirtschaft auf dem Stadthausplatz, wo Tisch und Bank zum Bleiben einluden, lud zum Festen ein. Gleichen Orts fand am Abend die offizielle 1.-August-Feier statt. Drei Kinderfackelumzüge führten zur Höhematte, auf der um 22 Uhr ein grosses Kunstfeuerwerk abgebrannt wurde. An den Harderfelsen ob der Unterseener Goldey brannte das Wanni-Feuer.

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