Schieferplatten sind wieder gefragt

Frutigen

Die Schiefertafelfabrik freut sich über steigende Nachfrage: Serviceplatten, Anschrifttafeln und Cheminée-Abdeckungen aus Schiefer sind im Trend.

Seit 1898 in Betrieb: Geschäftsführer Samuel Moser vor der Schiefertafelfabrik Frutigen. Das firmeneigene Wasserkraftwerk speist etwa doppelt so viel Strom ins Stromnetz ein, wie die Fabrik selbst benötigt.

Seit 1898 in Betrieb: Geschäftsführer Samuel Moser vor der Schiefertafelfabrik Frutigen. Das firmeneigene Wasserkraftwerk speist etwa doppelt so viel Strom ins Stromnetz ein, wie die Fabrik selbst benötigt.

(Bild: Ralph Stamm)

«Dass die Schultafeln in den 60er-Jahren langsam aus der Mode gerieten, hätte für unsere Firma beinahe den Todesstoss bedeutet», erzählt Samuel Moser, Verwaltungsrat der Schiefertafelfabrik Frutigen. «Doch heute können wir regelrecht von einem Revival unserer Schieferprodukte sprechen», sagt er nicht ohne Stolz.

1898 wurde das Familienunternehmen von seinem Urgrossvater gegründet, es war die erste und ist nun auch wieder die letzte Schiefertafelfabrik in Frutigen.

Die Geschichte zwingt die Menschen immer wieder zur Innovation. So entschied in der Krise Mosers Vater, der die Firma während vierzig Jahren führte, nebst Schiefer auch Granitsteine zu bearbeiten. Aus der Schiefertafelfabrik wurde ein Natursteinbetrieb. «Heute machen die Küchenabdeckungen aus Granit gegen 70 Prozent unseres Umsatzes aus. Nur noch 15 Prozent des Umsatzes fallen auf unsere Schieferprodukte.»

«Nur dank dem Granit hat die Herstellung von Schieferprodukten überlebt», ist Moser überzeugt. Einst, noch vor der Schliessung der Schiefergruben in den 1970er-Jahren, beschäftigte die Fabrik über dreissig Mitarbeiter. Heute sind es noch deren sieben. Einige sind dem Betrieb seit über zwanzig Jahren treu.

Vieles war anders

Als Bub habe er seinen Vater zur Besichtigung in die Gruben oberhalb Frutigens an der Niesenkette begleitet. Insbesondere die harten Arbeitsverhältnisse hätten ihn beeindruckt: staubgeschwängerte Luft, Steinschlag, Abgeschiedenheit. «Wie in Schwalbennestern wohnten die Männer dort oben», erzählt Moser. «In den Wintermonaten oftmals auch eingeschneit und deshalb gezwungen, während Wochen «an ihrem alten Brot zu kauen». Für viele Bauern aber hätte die Arbeit in den Gruben einen notwendigen Zusatzverdienst bedeutet.

Das Erbe weiterziehen

Drei Franken pro Stunde habe er in der Fabrik verdient, so Moser, sein erstes Taschengeld. «Ich bin regelrecht mit der Firma aufgewachsen.» Der studierte Agronom und wissenschaftliche Leiter des Tropenhauses in Frutigen entspricht nicht dem Bild eines «urchigen» Oberländers. Mit der Hand streicht er behutsam zuerst über ein Stück Granit, dann über eine Schieferplatte. «Beides sind Natursteine und darum beliebt», erklärt er. Die Unterschiede seien aber offensichtlich. «Der säurebeständige Granit ist härter im Nehmen als der empfindliche kalkhaltige Tonschiefer. Dafür fühlt sich der Schiefer wärmer an als der Granit», preist Moser dessen Vorzüge. Er wolle etwas weiterziehen, was sein Vater und seine Grossväter voller Herzblut aufgebaut hätten. «Als Handwerksbetrieb in einer Randregion machen wir keine grossen Sprünge», erklärt er. Er setze aber alles daran, das handwerkliche Know-how in der Region zu halten und die Arbeitsplätze zu sichern.

Die verschiedenen Steine werden aus Italien importiert. «Preislich können wir mit der italienischen Konkurrenz nicht mithalten», so der Inhaber. «Unser Marktvorteil besteht vielmehr darin, dass unsere Geschäftspartner, hauptsächlich Küchenbauer aus dem Oberland, dem Wallis und dem Aargau, die Steine hier auswählen und spezifische Wünsche anbringen können.»

Berner Zeitung

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