Gwatt/Spiez

Hotelrestaurant duldet keine Käppis

Gwatt/SpiezIm 4-Stern-Hotel Deltapark war Adrian Sommers Wollkäppi den Gastgebern ein Dorn im Auge. Der Pensionär zeigt für die Hausregel, die Kopfbedeckungen im Restaurant untersagt, kein Verständnis. Was aber gilt es zu beachten?

<b>Die Wollmütze von Adrian Sommer</b> aus Hünibach war im Deltapark Vitalresort in Gwatt nicht gerne gesehen.

Die Wollmütze von Adrian Sommer aus Hünibach war im Deltapark Vitalresort in Gwatt nicht gerne gesehen. Bild: Jürg Spielmann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich war perplex», fasst Adrian Sommer das Erlebte zusammen. Was beim pensionierten Forstingenieur unweigerlich ins Auge sticht, ist dessen Kopfbedeckung: Ein von seiner Frau selbst gestricktes Wollkäppi. Der Hünibacher nennt eine ganze Sammlung sein Eigen, ein schwarzes mit eingearbeitetem Silbergarn trage er etwa an Konzerten. Oder auch in der Oper.

«Diese Art Käppi gehört seit x Jahren zu mir und ist, auch weil ich in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war, um die halbe Welt gereist. Es ist in 5-Stern-Hotels, in Gourmetrestaurants oder im Theater aufgetreten.» Nie sei es beanstandet worden. Kürzlich war dies anders.

Direktor «uneinsichtig»

Sommer, ein begeisterter und preisgekrönter Hobbykoch, beabsichtigte mit seiner Frau im Restaurant des Deltapark-Vitalresorts zu Abend zu essen. «Wir bestellten den Apéro. Da trat der Chef de Service an unseren Tisch. Er verlangte, dass ich das Wollkäppi vom Kopf nehme», erzählt er. «Wir waren schockiert.»

Auf seine «erstaunt-entrüstete Nachfrage» habe sein Gegenüber halb verlegen etwas von Hausregeln, Direktion und Knigge gemurmelt. Wenig später habe der zweite Chef de Service die Aufforderung wiederholt. Unter Protest beglich das Paar den Apéro, verlangte nach dem Direktor.

«Auch von ihm erhielten wir eine Wischiwaschi-Antwort. Er zeigte sich unnachgiebig und uneinsichtig.» Aufgeschlossene, moderne, internationale Gastfreundschaft sei für ihn etwas anderes.

Gegessen hat das Paar dann in einem Betrieb am See in Thun. «Dort hat man über unsere Geschichte laut gelacht.» Und dort blieb das Käppi auf seinem Kopf. Dieses trägt Adrian Sommer übrigens weder aus religiösen noch aus medizinischen Gründen. «Für mich hat es vielmehr eine emotionale Bedeutung.» Sein verstorbener Bruder pflegte auch derartige Käppi zu tragen.

Nicht beleidigen, aber...

Deltapark-Direktor Mirco Plozza bestätigt das Geschehene auf Anfrage. «Wir bedauern Herrn Sommers Ärger und sind auch konsterniert über seine Reaktion. Wir suchen ganz sicher nie den Konflikt mit unseren Gästen, sondern möchten sie mit unserer Gastfreundschaft begeistern. Nun kommt es aber ab und an vor, dass eine Diskussion einen Verlauf nimmt, den man im Moment nicht vorhersehen kann.»

Es sei richtig, dass sie im Innern des Restaurants auf einige Knigge-Regeln Wert legen würden. Zu diesen «wenigen Regeln» gehören etwa das Tragen von adäquaten Hosen – «also keine Trainer- oder Jogginghosen» – oder im Sommer der Verzicht auf Barfusslook oder Badekleider im Restaurant. Sowie die Hutregel. «Herren mögen ihre Hüte im Innern bitte ablegen.» Etwas, das die Hutträger laut Plozza allgemein befolgen würden.

«Diese Regeln sehen wir bei aller Weltoffenheit und Toleranz als Bezeugung von Wertschätzung und Respekt gegenüber den anderen Gästen und auch gegenüber uns als Gastgebern und dem Hause Deltapark.»

Sie hätten die Frage, ob es sich lohnt, ein «Hütli-Gate» zu riskieren, weil ein Gast sich von der Richtlinie beleidigt sieht, intensiv diskutiert. Fazit: Es gehe sicher nicht darum, jemanden zu ärgern oder gar Gäste abzuschrecken. «Aber wir kamen auch zum Schluss, dass wir diese Regelung grundsätzlich in Ordnung finden und uns nicht scheuen, dies auch zu kommunizieren», so der Direktor.

Verband für Toleranz

Eine klare Meinung zum Thema vertritt der bekannte Stilexperte Jeroen van Rooijen. «Kopfbedeckungen nimmt man in geschlossenen Räumen immer ab», findet er (vgl. Kasten). So sieht es auch die Benimmbibel Knigge. Und die Branchenverbände? «Grundsätzlich liegen solche Handlungen in der Entscheidungskompetenz der Hoteliers», erklärt Karin Sieber von Hotelleriesuisse.

Man spreche sich aber allgemein für Toleranz gegenüber den Hotelgästen aus und empfehle, auch mal etwas zu dulden, das einem fremd ist, solange es für andere Gäste oder Mitarbeiter nicht störend ist. «Der Gastrounternehmer hat im Rahmen seiner unternehmerischen Freiheit die Möglichkeit, eine Hausordnung zu bestimmen», lässt Brigitte Meier, Leiterin Kommunikation von Gastrosuisse wissen.

Sollte Adrian Sommer, wie er Mirco Plozza in Aussicht stellte, in den Deltapark zurückkehren, gibt sich der Direktor versöhnlich. «Die Hutregel gilt immer noch, aber wenn er darauf besteht, würden wir ihn das Käppi wohl tragen lassen...» (Berner Oberländer)

Erstellt: 06.11.2018, 15:53 Uhr

Stilexperte van Rooijen: «Das Restaurant hat meine Sympathie»

Mütze auf oder Mütze ab? Der Stil- und Modeexperte Jeroen van Rooijen (47), im Jahr 2016 vom deutschen GQ-Lifestyle-Männermagazin zum bestangezogenen Schweizer gewählt, hat eine klare Meinung, was Kopfbedeckungen in Gastrobetrieben angeht.

Mann trägt Wollmütze im Restaurant, was nicht gut ankommt. Was sagen Sie dazu?
Jeroen van Rooijen: Die Geschichte ist eine bekannte. Ich höre sie immer wieder mal.

Gibt es allgemeingültige Regeln, was das Tragen von Kopfbedeckungen betrifft?
Für mich ist der Fall klar: Mit Wollmütze sitzt man nicht im Restaurant an einem Tisch. Punkt. Es kann zwar sein, dass das Käppi das wichtigste Stilmerkmal dieses Herrn ist, aber im Restaurant sitzt man nicht mit Hut auf dem Kopf. Auch nicht mit Mütze. Restaurants, die an dieser Regel festhalten, haben meine Sympathie und Unterstützung. Mit Kappe im Restaurant sitzen geht nur bei McDonalds und anderen, ähnlichen Trashkost-Versorgern.

Ausnahmen bestätigen ja in aller Regel bekanntlich die Regel...
Kopfbedeckungen nimmt man in geschlossenen Räumen immer ab. Ausnahmen kann man nur machen für Kopfbedeckungen, die religiösen Charakter haben.

Welche Kopfbedeckungen sind eigentlich in diesem Winter en vogue?
Ich denke, Woll- und Schiebermützen haben derzeit die Oberhand, klassische Hüte finden zwar wieder etwas mehr Sympathie, aber es ist eine kleine Minderheit, die sie trägt. In Mode sind sogenannten Paperboy-Caps aus Tweed und robusten Wollstoffen, sie stehen jungen wie älteren Herren gut, weil sie nicht zu formell aussehen.

Mann mit Hut: Stilexperte Jeroen van Rooijen träg die Kopfbedeckung aber nur im Freien. (Bild: PD)

Artikel zum Thema

Deltapark freut sich über den ersten Eintrag mit 14 Punkten

Im Berner Oberland gibt es fünf Restaurants, die erstmals von «Gault Millau» ausgezeichnet werden. Dazu gehört auch der Deltapark im Gwatt auf Spiezer Gemeindeboden. Mehr...

So sieht das neue Viersternhotel am Thunersee aus

Gwatt/Spiez Das neue Viersternhotel Deltapark wird allmählich hochgefahren. Bernerzeitung.ch/Newsnet durfte an einem Testwochenende erste und fast nur gute Erfahrungen sammeln. Pannen ­blieben die Ausnahme. Mehr...

Deltapark Resort: Im Spa-Bereich wirds konkret

Spiez Der Rohbau des Vitalresorts Deltapark in Spiez steht. Die Innenarbeiten fürs Hotel laufen auf hohen Touren. Bei ersten Zimmern kann das verfügbare Mobiliar schon bald eingebaut und platziert werden. Mehr...

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light Abo.

Das Thuner Tagblatt digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...