Klares Zeichen aus der Bevölkerung

Mürren

Der Auftrag an den Gemeinderat von Lauterbrunnen ist klar: 59 Stimmberechtigte aus Mürren und Gimmelwald wollen die Schule in Mürren behalten.

59 Stimmberechtigte unterstützten den Antrag, dass der Gemeinderat von Lauterbrunnen zusammen mit der IG Pro Schule Mürren Gimmelwald eine bessere Lösung als die Schulschliessung suchen muss.

59 Stimmberechtigte unterstützten den Antrag, dass der Gemeinderat von Lauterbrunnen zusammen mit der IG Pro Schule Mürren Gimmelwald eine bessere Lösung als die Schulschliessung suchen muss.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Die «Kinderbilanz» ist dramatisch: von August 2018 bis Ende Januar 2019 wurden sechs kleine Lauterbrunner geboren, zwei Kinder zogen zu und 21 weg. Die Schülerzahlen nehmen seit dem Schuljahr 2014/15 stets ab, damals waren es 213, für 2019/20 werden es noch 163 sein, auf 2020/21 noch 154.

Die Folgen seien «verheerend», sagte Schulleiter Rolf Possel an der Bezirksversammlung in Mürren. Die Zukunft der Schule Lauterbrunnental sei kaum planbar, Kinder müssten in Lauterbrunnen in immer wechselnde Klassen geschoben werden, was die Schulsituation für Schüler und Lehrpersonen schwierig mache.

Noch schwieriger wirds, weil die Kinder in Lauterbrunnen, Wengen und Mürren unterrichtet werden. Noch im Februar 2018 hat der Lauterbrunner Gemeinderat zugesichert, dass der Schulstandort Mürren erhalten bleibt; jetzt hat er aber – was in seiner Kompetenz liegt – beschlossen, ihn auf das Schuljahr 2019/20 zu schliessen.

Langer Weg mit Bahn

Der grosse Aufmarsch am Mittwoch Abend, vor allem auch von jüngeren Leuten, zeigte es: Mürren und Gimmelwald wollen sich wehren. Gemeindepräsident Martin Stäger stellte klar, dass die Bezirksversammlung weder Entscheidungsbefugnis noch finanzielle Kompetenzen hat. Schulinspektorin Danielle Sutter und Schulleiter Rolf Possel zeigten auf, warum die Schliessung von Mürren nötig ist, damit die ganze Schule Lauterbrunnental effizienter und qualitativ besser wird.

Der Kanton bewilligt der Schule eine Anzahl subventionsberechtiger Lektionen, und diese müssen optimal eingesetzt werden. Vorgesehen wäre, eine grössere Basisstufe in Lauterbrunnen zu führen, welche auch die Kinder aus Mürren besuchen. Auf einem exklusiv der Bahnfahrt bis zu 35 Minuten langen Schulweg, der begleitet werden soll.

«Wir organisieren unser Aussterben», sagte Emil von Allmen aus Gimmelwald. Die Genossenschaft, die in Gimmelwald das Schulhaus zu Wohnraum für einheimische Familie umbauen will, könnte Konkurs anmelden, wenn es keine Schule mehr gäbe.

Emotionen kamen auf. «Es geht um Mürren», sagte Heinz Gertsch, und der Kanton müsse auch an die ländliche Region denken. «Was, wenn die kleinen Knöpfe wegen eines Naturereignisses nicht mehr heimkönnen?», fragte Rolf von Allmen. Sara Linder hingegen gab zu bedenken, dass eine gute Schule in Lauterbrunnen für die grösseren Kinder sehr wichtig ist.

Wie ernst es den Mürrner und Gimmelwalder mit ihrem Schulstandort ist, zeigt das Netzwerk, das die IG Schule Mürren/Gimmelwald in kurzer Zeit aufgebaut hat. Diese hält es für den falschen Zeitpunkt, die Schule jetzt zu schliessen.

Antrag an den Gemeinderat

Christoph Gertsch stellte die Lösung der IG vor: Mürren soll eine Mehrgangsklasse erhalten, vom Kindergarten bis maximal zur dritten Klasse. Dafür brauche es nur eine Lehrperson. Nach den kantonalen Richtlinien sind 12 bis 15 Kinder in einer Mehrgangsklasse im Normalbereich. Die IG rechnet für 2022 mit 17 Kindern für die Basisstufe und auf 2023 mit über 20 Kindern.

Dies auch aufgrund des Aufwinds, der in Mürren und Gimmelwald wehe. Junge Familien bauten sich aktuell eine Existenz auf. Ein Aparthotel ist geplant, ein Jugendpavillon, das Palace ist wiederbelebt, die Schilthornbahn wird gross bauen.

Der Antrag an den Gemeinderat, den Daniela Zurbuchen stellte: 59 Stimmberechtigte aus Mürren und Gimmelwald wünschen, dass der Gemeinderat seinen Beschluss noch einmal überdenkt und dabei die IG Schule Mürren/Gimmelwald mit einbezieht.

Nach der Abstimmung meldeten sich der Schilthorn-Ehrenpräsident Max Kopp, CEO Christoph Egger und Samuel Bichsel von Mürren Tourismus zu Wort und plädierten, dass die Politik eine gute Infrastruktur für das Engagement der Bahn und die sich abzeichnende positive Entwicklung schaffen müsse, und dazu gehöre eine Schule.

Berner Oberländer

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