Kein bewusstes Vergehen gegen das Waffengesetz

Bei einer Hausdurchsuchung in Thun wurde zufällig ein Schmetterlingsmesser gefunden. Die Eigentümerin wurde gestern vom Vorwurf des verbotenen Waffenbesitzes vor dem Regionalgericht Oberland freigesprochen.

Bei der gefundenen Waffe handelte es sich um ein Schmetterlingmesser (Symbolbild).

Bei der gefundenen Waffe handelte es sich um ein Schmetterlingmesser (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Ein Schmetterlingsmesser wie aus dem Waffenkatalog lag gestern beim Regionalgericht Thun auf dem Richterpult. Seit 2008 ist in der Schweiz der Besitz eines solchen Messers strafbar. Gerichtspräsidentin Franziska Hörr Friederich liess es nachmessen: Die Klinge hatte eine Länge von mehr als 12 Zentimetern. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung im Oktober 2016 in Thun fand die Polizei dieses Messer zufällig.Warum die Hausdurchsuchung überhaupt stattfand, war gestern nicht Gegenstand der Verhandlung. Es ging nur um den Strafbefehl wegen der Einfuhr des Messers aus dem Ausland und dessen Besitz. Die Frau, die diesen Strafbefehl im Juni 2017 erhalten hat, legte Beschwerde ein. Sie ist inzwischen aber schwer erkrankt und konnte vor Gericht nicht aussagen, sondern nur mit Nicken und Kopfschütteln auf die Fragen der Gerichtspräsidentin reagieren. Die Verteidigung legte ein Foto der zwei Söhne der Angeklagten von Skiferien in Österreich im Jahr 1995 vor, wo das Messer gekauft worden sei.

Sohn gestand den Besitz

Der jüngere Sohn der Angeklagten sagte gestern als Zeuge aus. Bei der Hausdurchsuchung hatte er erklärt, das Messer gehöre ihm, weil er die damals schwierige Situation rasch beenden wollte. Im Nachhinein wurden ihm die Konsequenzen bewusst. Er sagte später bei der Polizei aus, dass Messer sei vor mehr als zehn Jahren aus Tschechien, der Heimat der Mutter, mitgebracht worden.

Für das Urteil hatte es dann keine Bedeutung, ob es in Österreich oder in Tschechien gekauft worden ist. Die Gerichtspräsidentin hielt es für glaubhaft, dass es 2016 bereits mehr als zehn Jahre in der Schweiz war, und stellte deshalb das Verfahren wegen Einfuhr einer verbotenen Waffe infolge Verjährung ein. Übrig blieb damit der verbotene ­Besitz eines Schmetterlings­messers.

In dubio pro reo

Für fragwürdig hielt die Gerichtspräsidentin den Grund, warum die Frau gemäss einer früheren Aussage das Messer gekauft hat: Es sei als Spielzeug für die Söhne gedacht gewesen. Für glaubwürdig hielt sie, auch im Sinn des Grundsatzes «im Zweifelsfall für den Angeklagten», dass es der Frau nicht bewusst gewesen sei, mit dem Schmetterlingsmesser einen Gegenstand zu haben, dessen Besitz seit 2008 strafbar ist. Weil im Strafbefehl nicht eine fahrlässige Handlung angeklagt war, sprach die Gerichtspräsidentin die Frau vom Anklagepunkt «Besitz einer verbotenen Waffe» frei. Das Schmetterlingsmesser wird vernichtet, Verfahrens- und Verteidigungskosten übernimmt der Kanton Bern.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt