«Marc Amacher kennen Millionen»

Morgen singt der Berner Oberländer Marc Amacher um den Einzug in den Final der deutschen TV-Show «The Voice of Germany». Thuner Produzent TJ Gyger antwortet auf sieben zum Erfolg von Oberländer Musikern.

Weiss, was es braucht, um mit Musik erfolgreich zu sein: TJ Gyger vor Edelmetall-Auszeichnungen für seine Arbeiten mit Trauffer (l.) und Gölä.

Weiss, was es braucht, um mit Musik erfolgreich zu sein: TJ Gyger vor Edelmetall-Auszeichnungen für seine Arbeiten mit Trauffer (l.) und Gölä.

(Bild: Patric Spahni)

Marco Zysset@zyssetli

1. Berner Oberländer Musiker (Polo, Gölä, Trauffer, Luca Hänni, Marc Amacher usw.) sind sympathischer und erfolgreicher als (fast) alle anderen in der Schweiz.TJ Gyger: Das Berner Oberland mit Thun als Homebase ist einmalig. Unsere Region ist abwechslungsreich, kantig, wunderschön wie auch gefährlich. Das ist Nährboden für kreative Leute und färbt sich auf den Lebensstil der ganzen Region ab. Ich glaube, das ist der Grund, wieso diese Region prozentual mehr Künstler hervorbringt, die auch etwas zu sagen haben.

2.Marc Amacher ist nur so beliebt bei «The Voice of Germany», weil das Publikum die geschliffenen Popsternchen satthat und ein echter, ungeschliffener Charakter gerade recht kommt. Das glaube ich nicht. Er fällt auf, weil er eigenständig ist und das, was er tut, bedingungslos lebt. Ihm scheint der Rest egal, er lebt den Blues. Das ist für die Zuschauer erfrischend und anders als andere Teilnehmer, die über irgendein Drama in ihrem Leben auffallen wollen und auf die Tränendrüsen drücken.

3.Castingshow-Teilnehmer oder gar -Sieger müssen viel mehr aushalten können als «normale» Musiker. Im Rampenlicht zu stehen, ist für jeden Menschen eine Herausforderung. Wenn es von heute auf morgen geht, ist es umso schwieriger. Die meisten begreifen erst viel später, was eigentlich wirklich genau geschehen ist. Man hat plötzlich ganz viel Leute um sich, ist in der Regel aber viel mehr auf sich selber gestellt.

4.Marc Amacher tritt bisweilen scheinbar unbeholfen und planlos auf. Das kann er nicht sein; wer in diesem Business bestehen will, muss knallharter Profi sein. Wenn er die richtigen Leute an der Seite hat, ist das kein Problem. Wenn niemand das Business macht, wird er keine Chance haben, kommerziell richtig erfolgreich zu sein. Er kann aber wunderbar weitermachen, was er sich schon vorher aufgebaut hat.

5.Es ist kaum denkbar, dass ein Künstler wie Marc Amacher den Schwung aus der TV-Show ­mitnehmen und sich am Markt etablieren kann. Der Werbeeffekt ist riesig, das Potenzial ebenso. Er hat alle Zutaten, die es benötigt. Hoffentlich ist der richtige «Koch» bereits dran – die Gäste und Kunden sind schon da, das Restaurant rappelvoll.

6.Amachers Duo Chubby Buddy als Formation mit Gitarre/Gesang und Cajón/Perkussion hat keine Überlebenschance. Doch! Es ist eigenständig und grossartig, was sie machen. Das Problem ist: Chubby Buddy kennen verhältnismässig wenig Leute, den Namen Marc Amacher kennen nun Millionen. Zwei Brands aufzubauen, ist selbst grössten Künstler nicht gelungen. Das mag emotional schwierig sein, geschäftlich ist der Fall klar.

7.Eine Castingshow erlaubt keinen Raum für künstlerische Freiheit. Die ist eingeschränkt. Man ist aber trotzdem selber dafür verantwortlich, was man mitmacht und was nicht.

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