Mit dem Escherpark «ein Zeichen setzen»

Spiez

Im Zentrum von Spiez entsteht mit dem Escherpark die grösste neue Siedlung der letzten Jahrzehnte. Die 56-Millionen-Überbauung sei nachhaltig und qualitativ hochwertig, betonen die lokalen Planer.

  • loading indicator
Jürg Spielmann

Die nackten Fakten vorweg: Zur Siedlung Escherpark sind bei der Spiezer Abteilung Bau fünf Einsprachen eingegangen. Vor wenigen Tagen ist die Frist der Plan­auflage zur grössten Wohnüberbauung der letzten zwanzig Jahre abgelaufen. Das sei für ein Vor­haben dieser Grösse eine geringe Anzahl, kommentiert Franz Sennhauser.

Der Architekt ist mit den lokalen Branchenkollegen Christian und Dominic Nussbaum für die Planung zuständig. Mehr noch: Zusammen mit den Unternehmern Thomas Balmer und Markus Frey aus der Region Thun bilden die drei Spiezer das In­vestorenquintett – vereint in der Escherpark AG. Präsident Christian Nussbaum sagt: «Von Beginn an sind wir mit den direkten Nachbarn in Kontakt gestanden. Wir sind guten Mutes, die Einsprachen innert nützlicher Frist und zur Zufriedenheit aller bereinigen zu können.»

Die Vorbehalte stammen vorab aus der Umgebung. Ein Kritikpunkt ist die Zufahrt zur rund 140 Plätze grossen Einstellhalle, die die Überbauung von der Oberlandstrasse her erschliesst.

Eine Frage der Qualität . . .

Wie die Siedlung mit 78 Wohnungen in zehn Häusern und einem Investitionsvolumen von 56 Millionen Franken dereinst aussehen soll, ist nun auf Visualisierungen ersichtlich (siehe Bilder). Die Gestaltung obliegt einem gemeinsamen Team der Büros HMS Architekten und Planer AG und Christian Nussbaum AG. «Das bestehende leicht coupierte und nach Faulensee abfallende Gelände wird mit einer attraktiven, neuzeitlichen Wohnsiedlung versehen», fasst Franz Sennhauser zusammen.

Die mehr als 17'000 Quadratmeter grosse Eschermatte – sie war 2013 bei der Ortsplanungsrevision als grösste Parzelle eingezont worden – liegt am südöstlichen Siedlungsrand von Spiez. «Mit dieser bedeutendsten Siedlung der jüngeren Geschichte wird dieser Rand neu begrenzt. Es wird ein Freiraum besetzt, daher ist das nicht einfach ein Bauvorhaben, sondern eine hohe Verantwortung.» Man bebaue eine traumhaft schöne Matte, weiss Sennhauser.

«Wir fühlen uns darum verpflichtet, etwas zu errichten, das höheren Ansprüchen genügt. Wir wollen eine nachhaltige Siedlung bauen, die für Spiez ein Zeichen setzt.» Auch deshalb sei eine begleitende Expertengruppe eingesetzt und ein Landschaftsarchitekt aus Basel, der oft mit dem Büro Herzog &De Meuron zusammenarbeite, beigezogen worden. «Ist man breiter abgestützt, fährt man besser», ist sich Christian Nussbaum sicher.

Eine Qualität der Überbauung ist, dass die Topografie belassen wird – sprich sich die Siedlung dem Gelände anpasst und nicht umgekehrt. «Es wird nichts aufgefüllt oder terrassiert.» Der Niveauunterschied beträgt von Ost bis West immerhin 20 Meter.

. . . der Nachhaltigkeit . . .

Die 4 bis zu 7 Meter hohen Häuser gegen die Oberland- und Kapellenstrasse hin sowie die restlichen sechs gegen 9,5 Meter hohen Gebäude werden in eine natürliche Umgebung mit Magerwiesen gestellt. Der Übergang zur unbebauten Landschaft mit bestehenden Obstbäumen soll fliessend und die Durchlässigkeit gegeben sein. Das Umgebungsprojekt sieht vor, dass künftig mehr Bäume auf dem Areal Wurzeln schlagen als heute: Nebst Obsthochstämmern der Nussbaum, die Hainbuche, der Feldahorn oder die Vogelkirsche.

Die verkehrsfreie Siedlung wird durch einen öffentlichen Fussweg direkt an das nahe Dorfzentrum und den Bahnhof angeschlossen. «Wir realisieren den Fussweg, die Gemeinde Spiez wird für den Unterhalt zuständig sein. Im Bereich der Kapellenstrasse haben wir zudem einen Landstreifen reserviert, über den die Gemeinde den Veloweg die Bahn entlang Richtung Spiezerfeld und Faulensee ausbauen kann», so Nussbaum.

Die Häuser sind «schlichte, neuzeitliche, klar strukturierte Wohnbauten», skizziert Architekt Sennhauser. Mit grosszügigen Fensterfronten. Er betont die Nachhaltigkeit: «Es gibt unterschiedliche und teilweise flexible Eigentums- und Mietwohnungen innerhalb der Überbauung, natürliche Materialien und lang­lebiges Zweischalenmauerwerk, eine Gebäudehülle, deren Isolation die Grenzwerte des Kantons um 30 Prozent unterschreitet, eine Warmwasseraufbereitung mittels thermischer Solaranlage, teils Fotovoltaik für elektrische Energie und eine Holzpelletheizung.» Nussbaum ergänzt, dass «die eigentlich nachhaltigste Lösung, die Erdsonde, in Spiez nicht möglich ist».

. . . und der Nachfrage

Laut dem VR-Präsidenten ist das Interesse am Escherpark «sehr gross». Spiez habe Bedarf an Wohnungen. «Ziel ist es, relativ viele Einheiten zu verkaufen.» Dennoch sind laut Nussbaum in «ein bis zwei Mehrfamilienhäusern» Mietwohnungen vorgesehen. «Es gibt nicht nur hochpreisigen Wohnraum und damit eine gewisse Durchmischung in der Bevölkerungsstruktur.»

Günstig werden die von 2½ bis zumeist 4½ Zimmer grossen Wohnungen an der bevorzugten Lage indes kaum sein. Wie viel die Einheiten kosten werden, sei noch offen. Mitte März wollen die Investoren die Verkaufsdokumentation lancieren, im Herbst sollen die Bagger auffahren. Nach einer rund dreijährigen Bautätigkeit dürften im Escherpark schliesslich bis zu 250 Menschen ein neues Zuhause finden.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt