Mit den Erinnerungen an seinen Vater im Herzen

Über dem Weihnachtskonzert der Musikgesellschaft Blumenstein steht ein besonderer Stern. Die Musiker und der Dirigent Florian Reber spielen für ihren unerwartet verstorbenen Dirigenten – und seinen Vater Christian Reber.

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«Es geit mer guet u i fröie mi uf ds Konzärt», sagt der 22-jährige Florian Reber aus Pohlern. Trotz seiner äusseren Ruhe ist doch zu spüren, dass Florian Reber innerlich aufgewühlt war. Das, was der frisch ausgebildete Trompeter Unteroffizier in den letzten acht Monaten durchlebt hat, ist denn auch ergreifend.

Im März ist sein geliebter Vater, der langjährige Dirigent der Musikgesellschaft Blumenstein Christian Reber, an einem Herzversagen unerwartet gestorben. Dieser plötzliche Tod war nicht nur für den Sohn und die Familie, sondern auch für die Mitglieder der Musikgesellschaft ein Schock. Christian Reber hat sie während 35 Jahren geleitet und dabei viel zu der musikalischen Weiterentwicklung dieser Formation beigetragen.

Taktstock als Halt

Die Freude und Begeisterung an der Musik haben dem jungen Florian Reber den notwendigen Halt für die Zeit nach dem Tod des Vaters gegeben. In Übereinstimmung mit dem Vorstand und den Mitgliedern der Musikgesellschaft hat er kurze Zeit später den Taktstock übernommen und führt die Musikanten seither erfrischend innovativ. Für das Weihnachtskonzert von diesem Wochenende wurden seit August nur neue Stücke eingeübt.

«Ig ha Frööd u bi stouz uf das, wo mer zäme erreicht he», sagt Florian Reber. Den Mut, die Musikgesellschaft mit militärischer Disziplin und neuen Ideen zu führen, hat Florian Reber von seinem Vater geerbt, obwohl dieser, nach dem Gefühl des Sohnes, als Dirigent weniger streng gewesen sei als er heute. Für die Spielenden sei es sicher nicht immer einfach gewesen, diesen frischen Wind anzunehmen. Trotzdem zeigte er sich zufrieden mit dem Resultat: «Bis jetz isch ömu niemer dervo glüffe», sagt Reber. Das ist nicht überraschend, denn die meisten der Mitglieder kennen Florian seit seiner Kindheit.

Während der letzten Monate haben ihn die Erinnerungen an seinen Vater stets begleitet. Christian Reber hat seinen Sohn seit seinem achten Lebensjahr und auch seine Schwester Anja Schütz-Reber musikalisch gefördert und unterstützt. Zuerst spielte Klein Florian Trompete, kam dabei jedoch nach eigener Aussage «uf ke grüene Zweig».

Mit 12 Jahren wechselte er zur Tuba, was damals ein lustiges Unterfangen war, wie er berichtete: «Für ds Spile hani aube müesse drü Chüssi under ds Füdle näh, das i ha zum Mundstück ueche möge.» Die Tuba wurde dennoch zu seinem Lieblingsinstrument. Mit dem Können und der Freude an der Musik folgten zahlreiche Weiterbildungen, die schliesslich mit der Ausbildung zum Trompeter Unteroffizier im Militärspiel der Schweizer Armee endeten.

Vater als Vorbild

Gerne erinnert sich Florian Reber auch an die unzähligen und langen Gespräche über Musik, Noten und Instrumente mit seinem Vater und seiner Schwester: «Musig isch üsi Wäut gsii.» Und mit einem Lächeln berichtet er, dass seine Mutter Katharina Reber, die selber keine Musik macht, sich jedoch über die Talente ihrer Lieben freute, immer gesagt habe: «Dir machet Musig, ig tue d Hemmli glette.» Mit diesen schönen und fröhlichen Erinnerungen bereitet sich Florian Reber auf sein erstes Weihnachtskonzert als Dirigent vor.

Am Samstag wird er mit seinem Vater im Herzen dirigieren und seine 19 Musikantinnen und 22 Musikanten werden für ihn und in Memoriam für Christian Reber spielen.

Weihnachtskonzert der Musikgesellschaft Blumenstein in der Kirche Blumenstein: Samstag, 9. Dezember, 20 Uhr, Sonntag, 10. Dezember, 17 Uhr. Als Gastchor wirkt der Jodlerklub Diessbach mit. Freier Eintritt, Kollekte zur Deckung der Unkosten.

Thuner Tagblatt

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