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Ohne Nutzung droht der Zerfall

Der Verein Schür.li von Architekt Michael Gehret fordert für vom Zerfall bedrohte Schürli ein einfa­cheres Verfahren, um sie bewohnbar zu machen. In den Berggebieten gehören die ­Gebäude zum erhaltenswerten Landschaftsbild.

Architekt Michael Gehret ist überzeugt: «Schürli und Weide prägen gemeinsam das tou­ristisch attraktive Landschaftsbild.»
Architekt Michael Gehret ist überzeugt: «Schürli und Weide prägen gemeinsam das tou­ristisch attraktive Landschaftsbild.»
Fritz Leuzinger

Im Alpenraum gibt es über 100'000 Heuschober, Wildheuhüttli, Ställchen, also sogenannte Schürli, die mit kreativster Baukunst und zweckdienlich gebaut wurden. Durch neue tierschutzgerechte Grossställe im Tal haben die Schürli ihre landwirtschaftliche Nutzung verloren und sind zuhauf vom Zerfall bedroht. Auch wurden die Holz­gebäude durch Sturmwinde beschädigt. Wegen wirtschaftlicher Veränderungen der Landwirtschaftsbetriebe wird oft kein Unterhalt mehr gemacht.

Michael Gehret ist als Architekt sensibilisiert auf Landschaftsästhetik: «Auf Wanderungen sind mir Schürli aufgefallen, die vor Jahrzehnten an schönster Lage mitten in die Bergweide ­gebaut wurden. Schürli und Weide prägen gemeinsam das tou­ristisch attraktive Landschaftsbild.»

Das Landschaftsbild erhalten

Die Schürli-Strategie ist klar, wie Gehret erläutert: «Es gibt Interessenten, die für ein Bewohnbarmachen – mit kalten Betten – die gestellten Rahmenbedingungen einhalten würden. Es braucht dazu eine vereinfachte Bewilligungspraxis für eine Umnutzung ausserhalb von Bauzonen – nicht zuletzt, um das idyllische Landschaftsbild zu erhalten.»

Die strikten Vorgaben und Rahmenbedingungen des Vereins Schür.li sind: keine Erschliessungen; keine sichtbaren Veränderungen, keine Emissionen und keine behördlichen Schutzklauseln. Das Vernehmlassungsverfahren zur Teilrevision des Raumplanungsgesetzes, unter anderem der Artikel zu «Bauen ausser­halb der Bauzonen», wurde auf Bundesebene vor kurzem abgeschlossen.

Die Kantone, politische Parteien und Dachverbände der Gemeinden, der Städte, der Wirtschaft und der Berggebiete haben ihre Stellungnahmen beim Bundesamt für Raumentwicklung eingereicht. Schürli-Initiant Gehret: «Im Herbst werden National- und Ständeräte darüber debattieren. Wir haben alle Politiker mit unserem Poster mit 140 Schürli-Bildern und der Forderung nach juristisch vereinfachter Umzonung bedient.»

Auf Bundesebene will Ständerat Werner Luginbühl die Thematik zum Schürli ins Gespräch bringen. Bereits wurde von kantonaler Ebene durch Regierungsrat Christoph Neuhaus über die Gemeinde Saanen Unterstützung zugesichert. «Die Freude war spürbar», so Gehret, «dass in dieser Hinsicht etwas geschieht.»

Über 130 Mitglieder

Im Mai 2016 wurde der Verein Schür.li zur Erhaltung des landschaftsprägenden Kulturgutes gegründet. Die Gründungsversammlung wählte Initiant und Architekt Michael Gehret zum Präsidenten. Der Verein zählt mittlerweile über 130 Mitglieder.

Vor zwei Jahren veröffentlichte Gehret eine Dokumentation vorwiegend mit Schürli und ihrer geografischen Lage in der Gemeinde Gsteig. Das Inventar umfasst rund 800 Schürli, deren 185 allein in der Gemeinde Gsteig.

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