Pfarrer setzte Gletscher ins Bild

Grindelwald

Das Talmuseum zeigt mit seinen Bildern, Fotos und Textbeiträgen das Leben von Martin Nil, der von 1912 bis 1949 Pfarrer im Gletscherdorf war.

Pfarrer Martin Nil porträtierte in Schwarzweiss Menschen aus Grindelwald und Szenen ihrer Arbeiten am Berg. Die Brüder Ueli (l.) und Christoph Balsiger freuen sich über die ihrem Grossvater gewidmete Ausstellung.

Pfarrer Martin Nil porträtierte in Schwarzweiss Menschen aus Grindelwald und Szenen ihrer Arbeiten am Berg. Die Brüder Ueli (l.) und Christoph Balsiger freuen sich über die ihrem Grossvater gewidmete Ausstellung.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Für Pfarrer scheint Grindelwald ein guter Ort zum Leben und Wirken zu sein. Nach dem legendären «Gletscherpfarrer» Gottfried Strasser übernahm Martin Nil 1912 das Pfarramt. Sein Vater war Pfarrer in Kirchberg, und er studierte in Bern, Marburg und Berlin. Er war in der Studentenverbindung Zofingia «Leibfux» des grossen Schweizer Theologen Karl Barth.

Dieser schrieb von einem Besuch in Grindelwald: «Wir hatten einen wirklich ausgezeichneten Abend miteinander.» Und in Klammern: «4 Kinder sind auch da, darunter ein 8-Jähriger, der schon auf dem Ski über die grosse Sprungschanze gefahren ist.» Dieser Sohn stürzte 1951 mit einem Militärflugzeug ab.

Zwei Jahre nach dem Tod des Vaters, der am 26. Dezember 1949 im Pfarramt verstorben ist. Seine Frau Käthe, die er als 19-Jährige geheiratet hat, blieb bis zu ihrem Tod 1988 in Grindelwald, und ihre Enkel besuchten sie oft.

«Obschon ich Grossvater nie persönlich erlebt habe, war er immer präsent», sagte sein Enkel Ueli Balsiger an der Vernissage der Ausstellung im Talmuseum, die Fotos, Dias und Bilder von Martin Nil zeigt.

Der Hund Töbi

Präsent für die Enkel war er vor allem auch wegen der Geschichten der Grossmutter und der Mutter, die sie über ihn erzählten. Ein Thema waren die Haustiere. «Es waren Geschichten von eigensinnigen Tieren, die kaum zu erziehen waren und immer Flausen im Kopf hatten, gleichzeitig aber äusserst charmant und liebenswürdig waren.

Manchmal wusste man nicht recht, ob sie von den Tieren oder von unserem Grossvater sprach», erzählte Ueli Balsiger, dessen Künstlername Balts Nill auch eine Hommage an den Grossvater ist.

Eines dieser Tiere war der Hund Töbi. Er hat an der Ausstellung einen ganz besonderen Platz. Martin Nil besass eine Stereokamera, und mit ihr im Rucksack ging er in die Berge.

Martin Nil war ein passionierter Berggänger und malte für die Mittellegi-Hütte ein Hüttenbuch. Foto: Anne-Marie Günter

An der Ausstellung können die Besucher durch diese Kamera blicken, und dann steht Töbi dreidimensional auf einem Felsen, hinter dem sich tief unten der Gletscher ausbreitet. «Das Grindelwald von Martin Nil ist ein anderes Grindelwald. Die Berge sind noch die gleichen. Der ewige Schnee ist nur relativ ewig», sagte Ueli Balsiger.

Der Pfaffensprung

Ein anderes besonderes Exponat ist der Film «Pfaffensprung», der 1994 von Christoph Balsiger gedreht wurde. Es geht um den Neubau der Firstbahn. Der Grossvater besass ein Häuschen auf Ertschfeld, das an der Strecke der Sesselbahn lag. Das Seil hing dort relativ tief, und so sei der Pfarrer, um sich den Aufstieg zu sparen, dort abgesprungen. Das Nachspielen der Szene für den Film brachte die Sessel dann arg ins Schwanken.

Zu sehen sind im Museum ausserordentlich schön kolorierte Bergblumen-Glasdias, gemalte Bergbilder, Porträtfotografien von Grindelwaldern und Grindelwalderinnen, Fotos vom bäuerlichen Alltag, vom würdigen Pfarrer im Talar und vom Pfarrer privat, im Bergsteigergewand oder auf einer Alpwiese mit einem Topf jonglierend.

Sorgfältige Texte geben einen Einblick in den Pfarralltag. Martin Nil war ausgebildeter Sänger, und er schrieb an Karl Barth, dass die Kinder in der Unterweisung im Singen wichtige Fortschritte machten. «Daneben muss ich noch den Frauenchor leiten, meine crux musicorum, doch bei einigem Anbrüllen und Toben sind auch die Fortschritte zu konstatieren.»

Das Talmuseum Grindelwald ist bis zum 29. März jeweils von Dienstag bis Freitag und am Sonntag von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

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