Schuld an Schlägerei, aber nicht daran beteiligt

Thun

Zwar war ein Portugiese mit einem Scherz unabsichtlich Auslöser einer Schlägerei, daran teilgenommen hat er aber nicht. Das befand am Mittwoch das Regionalgericht.

Das Regionalgericht Oberland sprach einen Mann frei, der an einem Fest unabsichtlich eine Schlägerei auslöste.

Das Regionalgericht Oberland sprach einen Mann frei, der an einem Fest unabsichtlich eine Schlägerei auslöste.

(Bild: Colourbox)

2016 feierten Portugiesen in der Schulanlage Kandermatte in Thierachern ein Fest. Es wurde von einem Komitee organisiert. In den frühen Morgenstunden des 14. Februar kam es zu einer Schlä­gerei. Zimperlich ging es dabei nicht zu: Ein Mittelhandknochen brach, eine ­zerbissene Zunge, eine Stirn und ein Kopf bluteten; eine Gehirnerschütterung und eine Rippenquetschung waren die Folge.

Seither hat eine Reihe von Portugiesen einen Strafbefehl wegen Raufhandels ­erhalten und akzeptiert. Ein 42-jähriger Portugiese aber erhob Einsprache. Per Strafbefehl war er im Juni 2016 zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen und einer Verbindungsbusse von 450 Franken verurteilt worden. Es hätte auch einen Eintrag ins Strafregister gegeben. Und am Arbeitsplatz habe er seither einen angeschlagenen Ruf, sagte der Angeklagte gestern vor der Einzelrichterin in Thun aus.

Er schilderte den Vorfall, bei dem er ­irgendwie der Auslöser der Schlägerei gewesen ist. Eine Gruppe von Portugiesen kam aus Bern ans Fest, und der Angeklagte aus der Region schnappte einem von ihnen ein Zwanzigernötli weg, als es ihm an der Bar herausgegeben wurde.

Aus Scherz wurde Ernst

Das sei als Scherz gedacht gewesen. Er habe den Mann verwechselt und sich sofort entschuldigt. Später habe er sich ein zweites Mal an einem Festtisch entschuldigt. Dieses Treffen am Tisch schilderte auch der junge Mann aus Bern, dem die 20-Franken-Note weggenommen worden war.

Man habe diskutiert und dem Mann klargemacht, dass man nicht stehlen dürfe, sagte er. Ob er ihn dabei am Arm festgehalten hat, blieb offen. An der Schlägerei, die irgendwie hinter ihren Rücken begonnen habe, sei der Mann dann aber nicht beteiligt gewesen.

Niemand belastete ihn

Die Gerichtspräsidentin hatte eine Reihe von Zeugen und Auskunftspersonen eingeladen. Darunter waren der Festorganisator und ein Mitglied des Organisationskomitees, das schlichten wollte und schlussendlich vom Angeklagten ins Spital gefahren worden ist. Beide sagten aus, den Angeklagten nicht bei der Schlägerei gesehen zu haben und dass er auch nicht verletzt gewesen sei.

Eine weitere Auskunftsperson sagte, sie habe einen Stuhl auf den Kopf geschlagen bekommen und dann nichts mehr gesehen. Eine Zeugin, die damals den Vorfall mit der Zwanzigernote und seinen Folgen bei der Polizei beschrieben hatte, erklärte, dass sie den Angeklagten nicht wiedererkenne und deshalb nicht sagen könne, ob er am Raufhandel beteiligt war.

Die Zeugin, die auf Wunsch des Angeklagten aussagte, hatte an der Bar die Zwanzigernote zurückgegeben und die Entschuldigung ­gehört, dann blieb sie in der Küche und hörte nur den Lärm.

«Gestützt auf die Zeugenaussagen kann ich nicht sagen, dass Sie am Raufhandel beteiligt waren, und darf Sie deshalb freisprechen», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsbegründung. Die Verfahrenskosten übernimmt der Kanton Bern.

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