Seniorenbetrüger muss ins Gefängnis

Ein Rumäne wurde vom Regionalgericht wegen Raubes und mehrfachen Diebstahls verurteilt. Ausgesucht hatte er sich dabei Opfer im Alter zwischen 73 und 92 Jahren.

Das Regionalgericht Oberland verurteilte einen Rumänen wegen Raubes und Diebstahls.

Das Regionalgericht Oberland verurteilte einen Rumänen wegen Raubes und Diebstahls.

(Bild: Keystone)

Das schwerste Delikt, das der heute 39-jährige Rumäne mit vierzehn Alias-Namen begangen hat, war Raub. Gegen Ende des Jahres 2013 hat er als Mitglied einer Bande, die sich zum Verüben von Trick- und Taschendiebstählen zusammengefunden hatte, einen damals 73-jährigen Mann beim Abheben von Geld in einer Bank im Berner Oberland beobachtet. Mit einem unbekannten Mittäter folgte er diesem zu seinem Domizil. Dort fragten sie den Senior nach einer nicht existierenden Adresse. Als er sich entfernen wollte, drängten die zwei Täter ihn gegen eine Wand und entwendetem ihm das Couvert mit dem abgehobenen Betrag von 1'500 Franken sowie die Maestro-Karte.

Mit Tricks zum Geld

Neben dem Raub werden dem Rumänen in den Jahren 2012 bis 2014 sechs Diebstähle an verschiedenen Orten in der Schweiz zur Last gelegt. Er und seine Mittäter hatten sich dabei Leute im Alter zwischen 73 und 92 Jahren als Opfer ausgesucht, wobei sie jeweils nach gleichem oder ähnlichem Muster vorgingen. So beobachteten sie beispielsweise die Leute beim Geldbezug, verursachten ein Gedränge, lenkten die Opfer mit Fragen nach Örtlichkeiten und dergleichen ab, um sie gleichzeitig zu beklauen. In zwei Fällen merkten sie sich beim Geldbezug am Bancomaten den PIN-Code der Bezüger, konnten vermittels Tricks deren Bankkunden- beziehungsweise Maestro-Karten behändigen und damit Geld beziehen. Die Deliktssumme aller Straftaten beläuft sich gemäss Anklageschrift auf 22000 Franken.

Ausser zwei Diebstählen bestritt der Beschuldigte sämtliche Vorwürfe, insbesondere mit dem Raub wollte er nichts zu tun gehabt haben. Dessen Opfer konnte, weil inzwischen verstorben, gestern nicht mehr befragt werden. «Die beiden gestandenen Taten habe ich allein begangen», gab der Rumäne bei der Befragung durch Gerichtspräsident Jürg Santschi zu Protokoll.

In ihrem Plädoyer erachtete Staatsanwältin Barbara Wüth­rich sämtliche Straftatbestände, auch aufgrund der Indizien, als erfüllt. Unter Berücksichtigung dieser Sachlage und von Vorstrafen im In- und Ausland beantragte sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von 44 Monaten. «Die meisten Anklagepunkte sind nicht beweisbar», führte der amtliche Verteidiger unter anderem aus. Er beantragte deshalb, mit Ausnahme der zwei eingestandenen Diebstähle, im Sinne von in dubio pro reo («im Zweifel für den Angeklagten»), Freisprüche.

Schuldig in allen Punkten

Das in Dreierbesetzung tagende Kollegialgericht befand den Mann in allen Punkten für schuldig gemäss Anklageschrift. Es verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon er die Hälfte absitzen muss. Die andere Hälfte wurde bei einer Probezeit von 5 Jahren bedingt ausgesprochen.

Die Auslieferungs- und Untersuchungshaft von insgesamt 236 Tagen wird angerechnet. Ausserdem werden ihm Verfahrens- und Anwaltskosten von rund 25'000 Franken und Entschädigungen von circa 5'700 Franken an Privatkläger überbunden. Der Mann befindet sich seit dem 23. Oktober 2018 im vorzeitigen Strafvollzug.

Berner Oberländer

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