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Sex mit den eigenen Kindern

Vor dem Kollegialgericht Berner Oberland in Thun stand am Donnerstag ein 42-jähriger Schweizer. Er nahm sexuelle Handlungen an mehreren Kindern vor, auch an seinen eigenen Töchtern.

Ein Gerichtssaal in Thun.
Ein Gerichtssaal in Thun.
Patric Spahni

Die Anklageschrift umfasste mehrere Seiten, auf denen aufgelistet war, was dem Mann alles vorgeworfen wird. Es beginnt mit elf Anklagen wegen Pornografie, das heisst, dem Herstellen von Bildern und Filmen mit Situationen, in denen Kinder ihre Geschlechtsteile zeigen.

Diese Bilder zeigen seine Töchter und einen Buben aus der Nachbarschaft. Andere Bilder entstanden in diversen Internetforen. Der Angeschuldigte zeichnete die Bilder auf und speicherte sie auf seinem Computer. Es hat diese jedoch nicht weiterverbreitet.

Sexuelle Handlungen

Von den sexuellen Handlungen mit Kindern waren mehrere Kinder betroffen, darunter auch wieder die Töchter und der Bub. In verschiedenen Internetchats forderte er mehrere Kinder dazu auf, vor laufenden Webcams ihre Brüste oder ihre Genitalien zu zeigen. Auch befriedigte er sich selber vor der Webcam und liess Kinder unter 16 Jahren zusehen und zog sie damit in seine sexuellen Handlungen mit ein.

Der dritte und schwerste Vorwurf betrifft die Schändung. Davon betroffen waren seine jüngere Tochter und der Nachbarsbub. Begangen wurden die Taten in der Zeit von 2010 bis 2014 im Niedersimmental. Der Angeschuldigte ist in der Zwischenzeit in die Ostschweiz umgezogen.

Kleine Kinder

Die beiden Töchter waren zur Tatzeit 9 und knapp 6 Jahre alt, der Knabe noch nicht einmal ganz 5-jährig. Von Schändung spricht das Gesetz bei sexuellen Handlungen mit urteilsunfähigen und widerstandsunfähigen Kindern. Schändung schützt die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung. Sexuelle Handlungen liegen dann vor, wenn dadurch die ungestörte psychische und emotionale Entwicklung beeinträchtigt wird.

Es sind sehr ähnliche Straftaten, aber der Schutz von urteils- und widerstandsunfähigen Kindern wird höher gewichtet, und deshalb ist auch die Strafandrohung strenger. Liegt Schändung vor, so kann das Gericht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren aussprechen. Bei sexuellen Handlungen mit Kindern liegt die Maximalstrafe bei fünf Jahren.

Pädophile Neigungen

Im Februar 2014 eröffnete Fedpol ein Verfahren gegen unbekannt aufgrund von Hinweisen des FBI. Die Abklärungen in der Schweiz führten dann zu dem Mann, der am Donnerstag vor Gericht stand. Er hat seine Internetaktivitäten sofort gestanden, gab aber an, es habe keine reale Begegnung gegeben.

Dann wurden Bilder des Buben gefunden und später auch solche mit den beiden Mädchen. Danach hat der Angeklagte alles zugegeben. Hat ein Mann sowohl mit erwachsenen Frauen wie auch mit Kindern Sex, so spricht man von pädophilen Neigungen.

Heute ist sich der Mann dessen bewusst, und er lässt sich deswegen therapieren. Vor der Verhaftung war ihm das nie wirklich klar gewesen. Er lernt Strategien, wie er verfängliche Situationen vermeiden kann. Seine Töchter kann er nur einmal im Monat sehen und es muss immer eine Begleitperson dabei sein. Das belastet ihn, nimmt jedoch der Mutter die Angst, dass wieder etwas passieren könnte.

Anträge und Urteil

Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer fest, dass bei den beiden jüngeren Kindern Schändung vorliege. Die Wehrlosigkeit der Kinder sei ausgenutzt worden. Schon allein deswegen sei der Mann zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu verurteilen. Dazu kamen noch weitere 20 Monate wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Pornografie.

Wegen des Geständnisses, des kooperativen Verhaltens nach der Tat und weil er Dinge zugegeben hat, die man nicht herausgefunden hätte, senkte sie die Strafe auf 36 Monate, die teilbedingt zu vollziehen seien. Sie forderte auch eine Probezeit von vier Jahren, und es solle die Weisung erteilt werden, dass der Mann weiterhin die Therapiesitzungen besuchen muss.

Der Verteidiger hingegen schloss Schändung aus und forderte für seinen Mandanten eine bedingte Strafe von 24 Monaten bei einer Probezeit von zwei ­Jahren.

8 Monate unbedingt

Das Kollegialgericht in Dreier­besetzung folgte im Grossen und Ganzen den Anträgen der Staatsanwältin. Bei der Beurteilung der Schändung stützte es sich auf einen Bundesgerichtsentscheid, der klar sagt, dass so junge Kinder noch urteilsunfähig sind, weil sie die Handlung nicht einordnen können. Die kindliche Neugierde wurde hier spielerisch aufgenommen und ganz klar ausgenützt.

Es wurde eine Freiheitsstrafe von 34 Monaten verhängt, davon sind 8 Monate unbedingt zu vollziehen. Die bedingte Freiheitsstrafe beträgt 26 Monate und die Probezeit vier Jahre. Zudem erhält der Verurteilte die Weisung, die Therapie fortzuführen. Die Einschränkungen beim Besuchsrecht werden beibehalten. Die Kosten des Verfahrens, 24'700 Franken, trägt der Verurteilte.

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