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«Stille Zeit» in 41 Sprachen

90 Werke von 41 Kunstschaffenden hat die Jury für die Ausstellung «Stille Zeit» ausgesucht. An der Vernissage platzte die Galerie Kunstsammlung Unterseen aus allen Nähten.

Keine stille Nachbarschaft: Renate Häberlis «Elfenreigen» (M.), scharf beobachtet von Inge Mosers Mischtechnikcollage (r.). Stefan Werthmüllers Trachtenfrau (l.) kümmert sich um die Blumen.
Keine stille Nachbarschaft: Renate Häberlis «Elfenreigen» (M.), scharf beobachtet von Inge Mosers Mischtechnikcollage (r.). Stefan Werthmüllers Trachtenfrau (l.) kümmert sich um die Blumen.
Sibylle Hunziker

Still mag die Zeit nach den Festtagen anderswo sein, aber nicht im Stadthaus Unterseen, wenn die Kunstsammlung Unterseen (KSU) im Dachstock «Stille Zeit»-Vernissage feiert.

An der Nachweihnachtsausstellung treffen sich seit Jahren gestandene Künstler und solche, die zum ersten Mal in ihrem Leben ausstellen. 41 Kunstschaffende aus dem Berner Oberland und Umgebung hat die Jury aus KSU-Vorstandsmitgliedern und externen Experten dieses Jahr ausgesucht; fast alle waren am Sonntag an die Vernissage gekommen, um sich mit den zahlreichen interessierten Besuchern zu unterhalten. Und auch die Bilder redeten mit, jedes in seiner eigenen Sprache.

Auf die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen hatte die Jury ebenso geachtet wie auf die Qualität. So hängen nun Fotografien neben Acryl- und Pastellbildern, klassische Landschaftsaquarelle und Collagen neben Arbeiten, bei denen Computertechnik im Spiel war, dazwischen stehen Gipsplastiken und Steinskulpturen. Mit sinnvollen Nachbarschaften und den richtigen Abständen haben Gabriele Stähli und Ernst Hanke von der KSU aus der Bilderflut eine Ausstellung gemacht, die zum Hinschauen einlädt.

Auch für den zweiten Blick

Barbara Seilers «Glückliche Hühner» erkennt man zwar auf den ersten Blick. Zeit sparen helfen sie nicht – es dauert, bis man sich an den feinen und feinsten Details der Scherenschnitte sattgesehen hat. Und auch an Valérie Poteaus Schwarzweissfotografien kommt man nicht so schnell vorbei. Erst der zweite Blick schafft es eine Schicht tiefer – durch den Schleier, mit dem das Frauengesicht dahinter in Belle-Epoque-Manier kokettiert.

Zerknittert? Eine Collage? Oder gar ein Elefant? Valérie Poteaus Schwarzweissfotografie «Froissée». Foto: PD
Zerknittert? Eine Collage? Oder gar ein Elefant? Valérie Poteaus Schwarzweissfotografie «Froissée». Foto: PD

Natürlich kann man durch die Ausstellung wirbeln wie Renate Häberlis zierliche Gipselfen, vorbei an Flamencotänzerinnen und üppigen Meerjungfrauen mit Schmetterlingsflügeln, Unterwasserwelten und Bergen, Lichtermeeren und Blumenstillleben. Ziemlich sicher verpasst man dann aber die vielen Facetten der Herbststimmungen, die Annemarie Wyss in einer langen, gezwungenermassen geduldigen Auseinandersetzung mit Farbpigmenten und störrischem Büttenpapier in ein einziges Bild gepackt hat. Oder die Miniaturradierungen, die Stefan Werthmüller neben seinen grossformatigen Frauenporträts auch noch macht.

Stilles und Neues

Vielleicht plant man doch lieber gleich zwei Ausstellungsbesuche ein. Sonst kommt man möglicherweise nie bis zur Empore, wo Yvonne Schlatters Baumstämme im Nebel oder Ruth Jo Lämmlis «Gesteins»-Collagrafien an stille Zeiten und Orte in der Natur erinnern. Schauen Priscilla Buchers junge Frauen und Männer deswegen so gedankenverloren aus ihren poppigen Rahmen?

Oder hängen sie schlicht Erinnerungen an den vergangenen Sommer nach? Die Drehbuchautorin aus Hilterfingen, die zu den Novizen der Ausstellung gehört, verrät auf Nachfrage nur, dass sie sicher weiter malen wird; die Geschichten, die ihre Bilder erzählen, überlässt sie für einmal ganz der Fantasie des Publikums.

180 Arbeiten seien eingereicht worden, auf 90 habe die Jury ihre Auswahl beschränken müssen, erklärte Ernst Hanke an der Vernissage. «Für mehr hat der Platz in der Galerie nicht gereicht.» Zum Glück. Denn auch wenn

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