Aus Johnny Depp wird «Grindelwald»

Am 15. November kommt der Film «Fantastic Beasts 2» in die Schweizer Kinos. Im Spin-off der «Harry Potter»-Saga spielt die Jungfrau-Region gleich in doppelter Hinsicht eine Rolle – das birgt touristisches Potenzial.

<b>Johnny Depp ist im Film «Fantastic Beasts 2»</b> Darsteller des Bösewichts Gellert Grindelwald. Ihn nach Grindelwald einzuladen, gelang den Tourismusverantwortlichen leider noch nicht.

Johnny Depp ist im Film «Fantastic Beasts 2» Darsteller des Bösewichts Gellert Grindelwald. Ihn nach Grindelwald einzuladen, gelang den Tourismusverantwortlichen leider noch nicht. Bild: Warner Bros

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Peng macht es, und die halbe Felsflanke des Schwarzmönchs bröckelt mit Getöse ins Lauterbrunnental. Was im realen Leben eine Katastrophe wäre, ist in «Fantastic Beasts 2» eine mit Spezialeffekten bewerkstelligte Filmsequenz. Im schnell geschnittenen Trailer des Fantasystreifens ist die Szene bereits zu sehen.

Der Schwarzmönch im Lauterbrunnental ist eine Kulisse im Film «Fantastic Beasts 2». Zum Vergrössern Bild anklicken. Foto: Screenshot

Ein paar Hun­derts­tel­se­kunden nur dauert das Spektakel, dann springt das Bild schon wieder weiter, vom Lauterbrunnental nach Paris.«Fantastic Beasts»? Wem der Filmtitel nichts sagt, kennt vielleicht die Vorgängergeschichte. Bei der Fantasyreihe handelt es sich um ein Spin-off der «Harry Potter»-Saga.

Im offiziellen Trailer zu «Fantastic Beasts 2» ist das Lauterbrunnental nur für wenige Hundertstelsekunden zu sehen (bei 0:56). Wie lange die entsprechende Szene im Film dauern wird, bleibt bis zum Kinostart des Films geheim. Video: Youtube/FilmSelect Trailer

Wie der Erstling stammt auch der Ableger aus der Feder der britischen Bestsellerautorin J. K. Rowling. Einige «Harry Potter»-Figuren wie etwa der Zauberschulleiter Albus Dumbledore spielen auch bei «Fantastic Beasts» eine Hauptrolle.

Der erste Teil der Serie spülte 2016 weltweit 814 Millionen Dollar in die Kinokassen. Das zeigt: Die Zauberwelt von J. K. Rowling hat eine riesige Fangemeinde. Und diese Fangemeinde ist nicht nur für die Filmindustrie interessant, sondern auch für den Tourismus. Filmreisen – sprich das Besuchen von Drehorten berühmter Verfilmungen – sind auch in der Schweiz ein Geschäft.

Kommt bald Johnny Depp?

Dass einige Szenen von «Fantastic Beasts 2» im Lauterbrunnental gedreht wurden, hat André Wellig erst im Nachhinein über die sozialen Medien erfahren. Für den Marketingleiter der Jungfrau Region Tourismus AG ist «Fantastic Beasts» aber schon seit längerer Zeit ein wohlbekannter ­Begriff.

«Wir haben auch schon versucht, Johnny Depp zu uns in die Region einzuladen.»André Wellig, Marketingleiter Jungfrau-Region

Es gibt nämlich noch einen zweiten direkten Bezug zur Jungfrau-Region: Der Bösewicht im Film – gespielt von Johnny Depp – heisst Gellert Grindelwald. «Gerade in Amerika werden wir auf Verkaufstouren oft darauf angesprochen», sagt Wellig. «Wir haben auch schon versucht, Johnny Depp zu uns in die Region einzuladen», sagt er. Bisher habe das nicht geklappt, aber man bleibe dran, verspricht Wellig. Jetzt umso mehr.

Gute Zahlen dank James Bond

Denn für die Jungfrau-Region könnte «Fantastic Beasts 2» die Initialzündung für ein attraktives neues Geschäftsfeld sein. «Filmtourismus ist definitiv ein Thema, das wir in Zukunft vermehrt angehen wollen», sagt Wellig. Bereits heute bestehen Angebote in der Region, die allerdings einzeln und nicht im Paket vermarktet werden.

So steht auf dem Schilthorn, wo Szenen des «James Bond»-Klassikers «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» gedreht wurden, die «Bond World 007». In Meiringen, ein Schauplatz der Bücher von Arthur Conan Doyle, gibt es das Sherlock-Holmes-Museum.

Ist im James-Bond-Film «Im Geheimdienst ihrer Majestät» aus dem Jahr 1969 prominent zu sehen: Das Schilthorn. Video: Youtube/bondonbluray

Und auch J. R. R. Tolkien, der verstorbene Autor von «Der Herr der Ringe», hatte einen besonderen Bezug zur Jungfrau-Region. Er ging 1911 im Lauterbrunnental wandern und nutzte dies als In­spiration für seine Bücher.

«Filmtourismus ist ein Thema, das wir künftig vermehrt angehen wollen.»André Wellig

Die Grundlage für ein Angebot samt gemeinsamer Vermarktung ist also gegeben. Wie gross das Potenzial mit den Filmtouristen ist, sei aber noch schwer zu sagen, sagt Wellig. «Das Beispiel Schilthorn zeigt aber gut auf, was so ein Spielfilm bewirken kann.» Auch dank der entsprechenden Vermarktung als ikonischer «James Bond»-Drehort schreiben die Bahnen stets sehr gute Zahlen, so Wellig.

«Ist an uns vorbeigegangen»

Was für eine Rolle der Auftritt in «Fantastic Beasts 2» im neuen Angebot spielen wird, steht aber noch weitgehend in den Sternen. Derzeit wissen nur die Filmproduzenten um Regisseur David Yates, welche Rolle der Oberländer Bergwelt im Film zukommen wird. Die Produktionsfirma Warner Brothers hat zwar den Gemeinderat von Lauterbrunnen vor den Dreharbeiten über ihr Vorhaben informiert. Aber nur sehr spärlich.

So habe man nicht gewusst, um welchen Film konkret es sich handeln würde, sagt Gemeindeschreiber Anton Graf. Auch von den Dreharbeiten selbst habe man in Lauterbrunnen nichts mitgekriegt.

«Die Dreharbeiten sind völlig neben uns vorbeigegangen.»Anton Graf, Gemeindeschreiber

«Das ist völlig neben uns vorbeigegangen», sagt Graf. Sehr wahrscheinlich wurden vor allem Flugaufnahmen vom Tal gemacht. Die beiden grossen ­Helikopterunternehmungen mit Standorten in der Region – Air-Glaciers und Swiss Helicopter – sagen aber auf Anfrage, dass sie nicht in die Dreharbeiten involviert waren.

Definitiv gelüftet wird das Geheimnis am 15. November 2018. Dann kommt der Film in die Schweizer Kinos. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.10.2018, 17:47 Uhr

Bollywood-Touren locken Inder an

Was für ein Potenzial hat Filmtourismus in der Schweiz? Anhaltspunkte gibt es im Saanenland, einem Hotspot der Bollywood-Filmindustrie.

Als 2001 der erste Teil der «Herr der Ringe»-Trilogie in die Kinos kam, entdeckten Millionen Filmfans auf der ganzen Welt die Schönheit von Neuseeland. Der Film bescherte dem Land in der Folge einen Grossansturm von Touristen.

In der Schweiz gibt es solche cineastisch bedingten Massenphänomene noch nicht. Wohl auch, weil bisher nur wenige Hollywood-Filmproduktionen hierzulande haltmachten.

Anders sieht es bei Bollywood-Verfilmungen aus. Besonders Thun, Gstaad und Interlaken sind hier beliebte Filmdrehorte. Im Saanenland hat man deshalb ein neues Angebot erarbeitet: Bollywood-Touren. Bei diesen eintägigen Ausflügen, organisiert vom Gstaader Tourismusbüro, können Besucher verschiedene Drehorte besuchen. Das Angebot kommt an: Nachdem 2017 gut 400 Besucher an den Touren teilgenommen hatten, waren es 2018 bereits 480.

«Der Bollywood-Tourismus nimmt markant zu, auch ausserhalb der klassischen Reisezeit der Inder von Mai bis Juni», sagt Sébastien Epiney, Tourismusdirektor Destination Gstaad.

Die Hauptattraktion für die Inder ist dabei die Dorfbrücke von Saanen, wo wichtige Szenen des Klassikers «Dilwale Dulhania Le Jayenge» aus dem Jahre 1995 entstanden. Hunderte Individualtouristen aus Indien machen dort jedes Jahr halt, vor allem Liebespaare.

Was diese Touristen der Region an Umsatz bringen, sei aber schwierig zu beziffern, sagt Epiney. Denn noch gibt es keine Auswertungen, wie lange die indischen Gäste im Saanenland durchschnittlich verweilen. «Wahrscheinlich handelt es sich eher um Tagesgäste, weniger um Übernachtungsgäste», so Epiney.

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