Taxifahrer – und noch vieles mehr

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Der Unterseener Emil Hug ist Taxifahrer. Er sieht sich als Touristiker, Fremdenführer, Auskunftspersonen und manchmal auch als Pyschiater.

Emil Hug hat vor rund 20 Jahren Taxiprüfung absolviert.

Emil Hug hat vor rund 20 Jahren Taxiprüfung absolviert.

(Bild: Alex Karlen)

Taxifahrer sind mehr als nur Taxifahrer. Sie sind Touristiker, Guides, Auskunftspersonen. Und Psychiater. Auch der Unterseener Emil Hug. Eigentlich ist er zwar Pensionär, doch als er vor sechs Jahren vorschriftsgemäss in den Ruhestand versetzt wurde, fühlte er sich noch zu jung fürs Ausruhen.

Also erinnerte er sich daran, dass er vor 20 Jahren die Taxiprüfung gemacht hatte – «Man weiss ja nie, ob man mal froh drum ist» – und danach ab und zu für Aare-Taxi als Aushilfe unterwegs war. Da brauchte er nicht mehr lange zu überlegen, als ihn dieses Unternehmen kurz nach der Pensionierung fragte, ob er nicht Lust und Zeit hätte, wieder zu täxelen. Er hatte beides.

Seither chauffiert der ehemalige Kellner, Koch, Verkäufer, Gastronom und Weinexperte in seinem Mercedes Einheimische und Touristen. Meistens auf dem Bödeli, oft in die Täler, manchmal an die Flughäfen Genf und Zürich, ganz selten bis nach Mailand. Aber nur an rund drei Tagen pro Woche – etwas Ruhestand darfs dann eben doch sein.

Ja, Taxifahrer sind auch Touristiker, sind Guides, Fremdenführer, sind Auskunftspersonen. «Wir sind ja oft die ersten einheimischen Menschen, die der Gast zu sehen und zu sprechen bekommt», ist sich Emil Hug bewusst. Das gilt vor allem an seinen beiden Standorten Interlaken Bahnhof West und Bahnhof Ost, wo Touristen aus aller Welt ankommen.

«Da sollte man immer freundlich sein.» Auch dann, wenn die Kunden beginnen, um den Fahrpreis zu feilschen. «Das machen vor allem die Inder», fasst der sehr kontaktfreudige Emil Hug seine Erfahrungen zusammen. «Die Araber etwas weniger, die Europäer fast gar nie.» Und wer gibt die grössten Trinkgelder – die VIPs? Hug lächelt: «Der bekannteste Gast, den ich mal chauffierte, war Oskar Freysinger. Aber es sind die Einheimischen, die am grosszügigsten sind.»

Apropos Einheimische: Sie spendieren nicht nur am meisten, sondern geben auch am meisten von ihren Sorgen preis. Da wird der Taxifahrer auch schon mal kurz zum Psychiater. «Manchmal erzählen Fahrgäste sehr viel Privates. Dann reagiere ich zurückhaltend, denn die meisten sind schon zufrieden, wenn man ihnen zuhört, erwarten eigentlich gar keine Ratschläge. Und was passiert ist, kannst du sowieso nicht mehr ändern.»

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