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Tellspielfamilie probt «Öpfelschuss»

Der Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell hat auf dem Bödeli ein treues Volk. Begeisterung und ein bisschen Basisdemokratie gehören zum grössten alljährlich stattfindenden Freilichttheater der Schweiz.

Noch ohne Kostüme, aber intensiv beim Spiel: Zwei Reisige halten den Tell, Vereinspräsident Pascal Minder (kariertes Hemd) versucht als Stauffacher, den Landvogt Gessler umzustimmen.
Noch ohne Kostüme, aber intensiv beim Spiel: Zwei Reisige halten den Tell, Vereinspräsident Pascal Minder (kariertes Hemd) versucht als Stauffacher, den Landvogt Gessler umzustimmen.
Anne-Marie Günter

«Es ist ähnlich wie beim Fussball, bei den Tellspielen wissen alle, wie sie gespielt werden müssten», sagt Ueli Bichsel. Nein, desillusioniert ist der bestens aus­gewiesene Theatermann, unter anderem Initiant der Thunerseespiele, nach seiner ersten Saison als Regisseur der Tellspiele Interlaken keineswegs.

Er hat aber gelernt, dass hier etwas andere Gesetze gelten, die Spiele nur mit Mass verändert werden können, hin und wieder ein Mitspieler fehlt und immer auch an die ­Bedürfnisse der Pferde gedacht werden muss. Er leitet ein grosses Ensemble mit 58 Sprechrollenträgern, 67 Volksdarstellern, 12 Reitern, dazu Reisige und Begleiter des traditionellen Alpabzugs.

Für die kommende Saison sind etliche Rollenträger neu, die Bichsel und seiner Assistentin Daniela Schneiter Bichsel einarbeiteten. Insgesamt sind 254 Personen für die Tellspiele im Einsatz, die sich gerne als Familie bezeichnen. «Die Stimmung ist aktuell sehr gut», sagt Vereinspräsident Pascal Minder.

«Dr Öpfel isch troffe»

Bichsel hat letztes Jahr die Tellspiele, die seit über 100 Jahren in der Kunstsprache des deutschen Dramatikers Friedrich Schiller aufgeführt worden waren, ins Mundartzeitalter geführt. Die Leute aus Uri, Schwyz und Unterwalden sprechen Dialekt. Wie ist das für die Schauspieler? «Doch, mir fällt es leichter. Ich kann meine Empfindungen und Gefühle so besser zeigen», sagt Ursula Lerf.

Sie spielt in der kommenden ­Saison Gertrud Stauffacher, seit ihrer Jugendzeit ihre Traumrolle. Auch Stauffacher Pascal Minder ist überzeugt, so die äusseren und inneren Erlebnisse der Protagonisten dem Publikum näherbringen zu können.

Für Tell-Darsteller Markus Adzic brauchte es aber doch einen Effort, um die Mundarttexte zu lernen, Schillers Blankverse hafteten noch im Kopf. Verfasst hat die neue Version, in der nur Österreichs Vertreter hochdeutsch sprechen, ­Ueli Bichsel. Er gab ihr den Titel: «Tell – ein Stück Schweiz».

Grosse Welle

Wellen schlug letzte Saison die grosse Welle, welche Bichsel ins traditionelle Tellspieldorf brachte: Er liess Tells Sprung auf die Felsplatte am Urnersee in einem eindrücklichen Bild darstellen. «Ich bin bekannt als Bilder-Regisseur», sagte Bichsel am Mittwoch an einer Probe, zu der die Medien eingeladen waren.

Mit noch eindrücklicherem Einsatz des Lichtdesigns und Musik verfeinert er die Szenen für die neue Spiel­zeit. Trotz der Bilderbuch-Welle und anderen wirkungsvollen «Actionszenen» führte die neue Inszenierung letztes Jahr noch nicht zur erhofften Erfolgswelle bei den Zuschauerzahlen. Im Gegenteil. Es war schliesslich Alt-Bundesrat Christoph Blocher, der das Defizit des Tellspielvereins ausglich.

Damit die 2000-plätzige Tribüne besser gefüllt werden kann, hat Marketingleiter Dany Rhyner, ein Theater-Weggefährte von Ueli Bichsel, marketingmässig einiges angedacht: Radiospots, Plakate, den Einbezug der Bahnen, die Suche nach Sponsoren, eine vermehrte Vermietung des Geländes, zum Beispiel für die Blasmusikparade oder eine Rossini-Oper.

Spieldaten:29. Juni, 17 Uhr (Schülervorstellung), 8. Juli, 20 Uhr (Premiere), 13./15./20./22./27./29. Juli, 3./5./10./12./17./19./24. August, 7./14./16. September (Derniere), jeweils 20 Uhr. Zusätzlich 10. September, 14.30 Uhr.

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