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Tod wegen regelwidrigen Abbiegens

Eine junge Autofahrerin ist wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden. Sie stiess beim Linksabbiegen zwischen Meiringen und Brienz mit einem Motorradfahrer zusammen.

Es war sehr berührend: Nach der Urteilseröffnung am Freitag am Regionalgericht Thun, bei der eine junge Frau wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen wurde, umarmten sich die Täterin und die Eltern, die am 27. September 2015 den tödlichen Unfall ihres Sohns miterleben mussten.

Eine 21-jährige Autofahrerin kollidierte damals mit einem BMW-328i auf der Mäderen, der schnurgeraden Kantonsstrassenstrecke zwischen Meiringen und Brienzwiler, mit einem 24-jährigen Motorfahrer mit Lernausweis. Wer war schuld an diesem Unglück?

Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen hatte dies am Freitag zu klären. «Es war wohl der schlimmste Tag im Leben der Eltern, aber auch im Leben der jungen Frau», sagte sie.

Zum Überholen angesetzt

Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung war die Automobilistin. Eigentlich wollte sie einen Sonntagsausflug über den Grimselpass machen, bog aber irrtümlicherweise beim Kreisel in Meiringen in Richtung Brienz ab. Sie suchte nach einer Möglichkeit, abseits wieder zu wenden. Einen ersten Feldweg, der links ins Land abbog, sah sie zu spät, beim nächsten Feldweg leitete sie das Abbiegemanöver ein.

Einen Sonntagsausflug machte auch die Familie des Opfers. Der Lernfahrer fuhr seinen Eltern, die auf einem Motorrad sassen, in der Mäderen voraus. Zu schnell, wie in den Gerichtsakten festgehalten worden war und wie an der Verhandlung unbestritten war. Der junge Mann fuhr nach den Aussagen der Eltern, welche die Gerichtspräsidentin für glaubwürdig hielt, dem BMW auf, aber ohne ihm «aufzuhocken». Als er Gas gab, um zu überholen, bog der BWM links ab.

Das Motorrad prallte im Bereich des hinteren Rads ins Auto, als dieses «wie eine Wand» auf die linke Fahrspur kam. Der Aufprall war so heftig, dass der Motorradfahrer in das Wiesland geschleudert wurde und noch auf der Unfallstelle starb. Während die Autofahrerin aussagte, sie habe geblinkt und rundum geschaut und sei erst dann abgebogen, sagten die Eltern aus, sie hätten nur ihren Sohn blinken sehen, als dieser zum Überholmanöver ansetzte, nicht aber das Auto.

Unbestritten war, dass die Autofahrerin den Motorradfahrer gesehen hat, aber so weit weg, dass sie ihn nicht für eine Gefahr hielt. Deshalb hielt die Gerichtspräsidentin es als erwiesen an, dass sie ihn im Moment, als sie abbiegen wollte, nicht gesehen hat.

Pflicht verletzt

Rechtsanwalt Alexander Kernen, der die Eltern des Töfffahrers als Zivilkläger vertrat, wies darauf hin, dass es zwischen dem ersten verpassten Feldweg und dem Auftauchen des zweiten nur eine kurze Zeitspanne gegeben hat, die ein rechtzeitiges Blinken gar nicht erlaubt hätte. Die Gerichtspräsidentin entschied, dass die Autofahrerin als Fahrzeugführerin, welche die Fahrtrichtung ändern wollte, die vorgeschriebene Pflicht verletzt hat, auf nachfolgende Fahrzeuge Rücksicht zu nehmen.

Dass der Motorradfahrer zu schnell unterwegs war, habe keinen kausalen Zusammenhang mit dem Unfall gehabt. Sie verurteilte die junge Frau, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hat, zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen und zu einer Verbindungsbusse, dazu fallen relativ hohe Untersuchungskosten an.

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