Unrühmliches Räuberquartett

Vier ausländische Staatsangehörige stehen unter anderem wegen Raub vor dem Regionalgericht Oberland. Ihnen droht der Landesverweis.

Es war ein trauriges Bild, dass die vier Angeklagten am ersten Verhandlungstag abgaben: Nicht nur, dass ihr begangener Raub lediglich 600 Franken abwarf, sie machten sich laut Anklageschrift weiterer Straftaten schuldig. Auch ihre Lebensgeschichten enthielten allerlei Brüche: Stress am Arbeitsplatz, familiäre und gesundheitliche Probleme, einfachste Ausbildungen und entsprechend wenig rosige berufliche Zukunftsperspektiven.

Neben dem Straftatbestand Raub (in einer Gemeinde am Brienzersee) einte sie der Umstand, dass sie allesamt ausländische Staatsangehörige waren: aus Syrien, Kosovo und der Türkei. Mehr oder weniger lange in der Schweiz, sprachen sie entsprechend gut Deutsch, ein Dolmetscher war nicht notwendig. Dafür vier Polizisten, denn zwei der vier Angeklagten befinden sich in Haft. Ebenfalls zu viert waren die amtlichen Verteidiger.

«Spürte das Messer am Hals»

Die Gerichtspräsidentin befragte jeden der Angeklagten zur Tat im Oktober 2016. Ihr Plan war es, zu einem «Freund» eines Angeklagten zu fahren, dort einzubrechen und Wertsachen und eventuell Marihuana zu stehlen. Doch ihr Plan funktionierte schon in den Ansätzen nicht, denn die Wohnung war nicht menschenleer...

Die vier Angeklagten klopften an die Tür; als sich niemand meldete, schlugen sie mit einem Hammer das Badezimmerfenster ein. Von diesem Lärm erwachte das Opfer, das in seiner Wohnung geschlafen hatte, und fragte laut, was denn los sei. Gemäss Anklageschrift hörte der Überfallene einen Mann sagen, beim Spielen sei eine Scheibe kaputt gegangen. Darauf zog sich der Überfallene an und öffnete die Haustüre.

Einer der Angeklagten drang, gefolgt von einem Zweiten, in die Wohnung ein und bedrohte das Opfer: «Ich spürte die Klinge am Hals», gab der Bedrohte später zu Protokoll. Die Forderung nach Geld und Schmuck wies das Opfer zurück, worauf ihn ein Angeklagter laut Anklage ohrfeigte. Sechs Hunderternoten wechselten den Besitzer, doch das genügte nicht; das Opfer erhielt wieder eine Ohrfeige und wurde erneut nach Geld und Schmuck gefragt.

In einem unbewachten Augenblick konnte das Opfer ins Freie flüchten. Darauf ergriffen auch die Angeklagten die Flucht und gelangten zum Parkplatz, wo die zwei anderen Mitangeklagten warteten. Sie fuhren mit dem Auto zurück nach Bern.

Landesverweis droht

Bei der Befragung war aus dem mutmasslichen Räuberquartett ein armeseliges Häufchen geworden, das sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe schob. Es verstrickte sich in Widersprüche, sah sich mehr als Opfer widriger Lebensumstände und wiegelte seine Taten mehr oder weniger ab.

Neben dem Raub wurde den Angeklagten Hausfriedensbruch und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Sachbeschädigung vorgeworfen. Einer der Angeklagten hatte die Taten offenbar während einer Bewährungsstrafe begangen, ein anderer wiederum – seine drei Kumpanen belasteten ihn schwer – hatte sich während seiner Haft im Gefängnis eine Disziplinarverfügung zuschulden kommen lassen, weil er verbotene Sub­stanzen geraucht hatte.

Damit nicht genug, auch ein zweiter Raub in Bern wurde ihm zur Last gelegt: Am Tatort wurden Fingerabdrücke sichergestellt, sein Smartphone wurde von einem Sendemast in der Nähe des Raubs geortet. Doch er bestritt die Tat, gelobte Besserung in seinem Leben und wollte nach seiner Haftentlassung mit seinen Bewährungshelferinnen in Kontakt bleiben und Pfleger werden. Reuig waren alle vier – ihnen droht der Landesverweis.

Die Frage der Gerichtspräsidentin, ob sie sich ein Leben in einem anderen Land vorstellen könnten, verneinten alle. Am Dienstag wird die Staatsanwältin ihre Sicht der Dinge vortragen, anschliessend werden sich die vier Verteidiger äussern. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Berner Oberländer

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