Vater drohte seinem Sohn mit dem Tod

Ein Mann wurde von der Staatsanwaltschaft wegen Drohung, Nötigung und Tätlichkeiten gegenüber seinem 15-jährigen Sohn bestraft. Dagegen erhob er Einsprache.

Weil der Junge nur am Handy hing, rastete sein Vater aus (Symbolbild/iStock)

Weil der Junge nur am Handy hing, rastete sein Vater aus (Symbolbild/iStock)

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Es begann eigentlich ganz harmlos: In einer Ferienwohnung im Berner Oberland forderte ein Vater seinen Sohn auf, nun endlich in der Waschküche liegende Wäsche wegzuräumen, statt immer am Handy zu hängen. Deswegen kam es an einem Abend im April 2016 zu einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung zwischen dem heute 52-jährigen Vater und dem damals 15-jährigen Sohn.

Der Streit eskalierte immer mehr, und der Vater soll dem Sohn wiederholt gedroht haben, dass er ihn abstechen und umbringen werde. In der Folge wollte der Sohn die Wohnung verlassen, was der Vater zu verhindern versuchte, indem er ihn in dessen Zimmer zurückdrängte.

Während der Auseinandersetzung kam es auch zu verschiedenen Tätlichkeiten, bei welchen der Sohn verletzt wurde. Er erlitt unter anderem Prellungen, Blutergüsse, Schwellungen und Schürfungen an diversen Körperstellen. Die erlittenen Verletzungen erforderten ärztliche Hilfe, heilten jedoch folgenlos ab.

Eine Strafe von 4000 Franken

Wegen dieser Sachverhalte erhielt der im Baselbiet wohnhafte Schweizer nach einer Anzeige von der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, einen Strafbefehl. Er wurde wegen Drohung, Nötigung und mehrfacher Tätlichkeiten für schuldig erklärt. Die bedingte Geldstrafe lautet auf 80 Tagessätze zu je 110 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Ausserdem wurde der Beschuldigte mit einer Verbindungsbusse von 2200 Franken und einer Busse von 750 Franken bestraft. Zusammen mit den Verfahrenskosten hätte er annähernd 4000 Franken zu bezahlen. Weil er Einsprache erhob, kam es am Dienstag zur Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun.

«Habe Sohn nicht bedroht»

«Ich habe meinen Sohn in keiner Art und Weise bedroht», sagte der Beschuldigte bei der Befragung durch Gerichtspräsident Jürg Santschi. Infolge der misslichen Wetterverhältnisse habe er ihn zum Bleiben anhalten wollen. Mit einem Sprung aus dem Fenster ging der Sohn trotzdem weg. An den Füssen nur einen Schuh, begab er sich mit dem Zug zu einer ehemaligen Partnerin seines Vaters in die Nähe von Bern, die als Zeugin befragt wurde. Der Beschuldigte bestritt, dem Sohn alle ihm im Strafbefehl angelasteten Verletzungen beigebracht zu haben.

Als weitere Zeugin wurde die heutige Ex-Freundin des Sohnes, eine Tochter der ehemaligen Partnerin des Vaters, einvernommen. Beide Zeuginnen bestätigten, soweit sie sich zu erinnern vermochten, weitgehend die Aussagen des jungen Mannes, der als Privatkläger auftrat. Sowohl dieser wie auch der Beschuldigte ­waren mit ihren Privatanwälten vertreten.

Der Anwalt der Privatklägerschaft erachtete die im Strafbefehl erhobenen Vorwürfe als gerechtfertigt. «Die Aussagen meines Klienten sind glaubwürdiger, als jene des Vaters», argumentierte er unter anderem. Er plädierte für Schuldsprüche in allen drei Anklagepunkten und beantragte eine Genugtuungssumme.

Demgegenüber betrachtete der Verteidiger seinen Mandanten als unschuldig. Um dies zu erhärten, sei ein vertiefter Einblick in die Familienverhältnisse erforderlich, meinte er. «Dort herrscht eine Atmosphäre von Wut, Hass und Kälte», sagte er unter Nennung von zahlreichen Streitigkeiten. Zudem laufe ein hartnäckiges Scheidungsverfahren. Ein Teil der dem Vater angelasteten Verletzungen könnten auch beim Sprung aus dem Fenster entstanden sein, ergänzte er.

Nun kostet es mehr

Der Einzelrichter bestätigte den Strafbefehl weitgehend. Er verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagesssätzen zu je 130 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und zu einer Verbindungsbusse von 2600 Franken. Die Verfahrenskosten und die Parteientschädigungen machen 17'560 Franken aus. Zudem hat er dem Privatkläger eine Genugtuung von 5000 Franken auszurichten. (Berner Oberländer)

Erstellt: 15.05.2018, 20:45 Uhr

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