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Von der Angst bei psychischen Krisen

Lebhafter Austausch an der Podiumsdiskussion bei der Preisverleihung des Sozialsterns am vergangenen Freitag im KKThun. Besonders beeindruckend erzählte Tamara Rolli als Betroffene von ihrem Weg aus der Krise.

Angeregte Diskussion: (v. l.) Roger Schmied (Vertreter IV), Pascale Bruderer (Ständerätin), Lukas Pirkheim (Preisträger 2015), Tamara Rolli (Betroffene) und Daniel Fohrler (Moderator).
Angeregte Diskussion: (v. l.) Roger Schmied (Vertreter IV), Pascale Bruderer (Ständerätin), Lukas Pirkheim (Preisträger 2015), Tamara Rolli (Betroffene) und Daniel Fohrler (Moderator).
Patric Spahni

Aufstehen, Dusche, Frühstück, Mails checken, Whatsapp-Nachrichten erledigen, Facebook lesen, zur Arbeit fahren, Dienst antreten, Chef Rede und Antwort stehen, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, sich über Kollegen ärgern, private Probleme verdrängen, Feierabend, Fernseher an, Computer an, Smartphone an, Ausgang . . . die Liste lässt sich beliebig erweitern, und die meisten Menschen nennen das den normalen Alltagswahnsinn und lachen drüber. Doch Menschen sind keine Maschinen, sondern fragile Geschöpfe, wie Moderator Daniel Fohrler an der Preisver­leihung betonte. Unser Alltag ist schon lange keine Kutschenfahrt mehr, sondern gleicht einem Formel-1-Rennen mit all seinen Gefahren.

Ein dunkles Kapitel im Leben

In diesem hektischen Leben habe sie immer wieder Zusammenbrüche erlitten und sich zunehmend eingeigelt, erinnerte sich Tamara Rolli, die in der Pflege arbeitete. Sie hat eine psychische Krise überwunden und traf bei der Podiumsdiskussion auf den Sozialstern-Preisträger 2015, Lukas Pirkheim von der Eicher Holz­waren AG. Hinzu gesellten sich die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer und der Vertreter der Invalidenversicherung, Roger Schmied.

Offensichtlich kann die junge Frau inzwischen gelassen über ein dunkles Kapitel in ihrem Leben sprechen. Dass der Arbeitgeber der IV eine Meldung über ihren Zustand machte, wusste sie nicht. Als sie dann Post von der IV erhielt, habe sie sich gefragt, ob sie jetzt invalid sei. Zudem beherrschte sie die Angst, man könne ihr ansehen, dass sie psychische Probleme habe. «Es war ein schwerer Schritt, für zehn Wochen in die Psychiatrie zu gehen. Ich fühlte mich abgestempelt und hatte grosse Angst.» Nach und nach fühlte sie sich dort jedoch aufgehoben, denn sowohl vom Fachpersonal als auch von den Mitpatienten schlug ihr grosses Verständnis für ihre Situation entgegen.

«Es war ein schwerer Schritt, für zehn Wochen in die Psychiatrie zu gehen. Ich fühlte mich abgestempelt und hatte grosse Angst.»

Tamara Rolli

Roger Schmied von der IV sprach sich dafür aus, dass Betroffene ohne Hemmungen mit den Mitarbeitern des Versicherungsträgers reden sollten. Aber genau das sei für viele schwierig, denn in weiten Teilen der Gesellschaft werde eine psychische Beeinträchtigung immer noch kritisch beäugt. Die Berufliche Förderung und Klärung Thun (BFK), die im Auftrag der IV arbeite, sei sehr wichtig dafür, zu ergründen, welcher beruflichen Belastung ein Patient gewachsen sei.

Für den Inhaber der Eicher Holzwaren AG, der seit vielen Jahren Menschen beschäftigt, die psychisch zu kämpfen haben, ist sein Engagement selbstverständlich. Lukas Pirkheim schaut das familiär an: «Wenn es Probleme gibt, habe ich immer ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter. Ich profitiere sogar von meinen Schützlingen. Wenn unsere Angestellten sehen, wie ihre beeinträchtigten Kollegen ihre Arbeit durchziehen, relativieren sich deren Probleme, und sie ziehen mit.»

«Eins nach dem anderen!»

«Es braucht Betreuung und Coaching!» sprach sich die Ständerätin Pascale Bruderer (SP) für die Arbeit der BFK aus. Die Investitionen in diesem Bereich würden sich langfristig auszahlen. «Wir dürfen nicht schauen, was nicht mehr möglich ist, sondern ­müssen die Stärken stärken, um die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten.»

Wie es ihr heute denn gehe, wurde Tamara Rolli von Moderator Fohrler gefragt. Sie sei momentan an der Berufsfachschule Feusi und mache eine Umschulung, um später im Büro zu arbeiten. «Ich möchte einen guten Abschluss machen und dann eine ­feste Stelle finden. Eins nach dem anderen!», schloss die junge Frau zuversichtlich die Diskussion.

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