Von der Graspiste zum modernen Stützpunkt

Meiringen

Seit 75 Jahren hat der Militärflugplatz Meiringen mit der rasanten technischen Entwicklung im Flugwesen Schritt gehalten. Am Wochenende vom 16. bis 18. Juni feiert er zusammen mit rund 50'000 Gästen ­Geburtstag.

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Rund um die Schweiz tobte der Zweite Weltkrieg. Die Achsenmächte machten im Westen und Osten von Europa mächtig Druck. Die Schweiz als kleines, neutrales Land mittendrin. Beschützt von einer Armee, die kaum über die Mittel verfügte, auf Dauer erfolgreich die Grenzen zu sichern. Im Sommer 1940 hat General Guisan den Truppenkommandanten auf dem Rütli seine Reduitstrategie dargelegt: Rückzug in die Alpen. Innert kurzer Zeit galt es ganze Truppengattungen aufzurüsten und neu zu organisieren.

Keine einfache Aufgabe, besonders für die Luftwaffe. Fehlte doch in den Alpentälern die nötige Infrastruktur. Strategisch günstige Plätze waren rar. Und doch, innert einem Jahr entstanden 1940 und 1941 zwanzig neue Militärflugplätze. Das Haslital, die Talebene bei Unterbach, schien wie geschaffen für eine sichere geschützte Anlage. Bereits Ende der Zwanzigerjahre landeten hier erste Militärflugzeuge, und schon kurz nach Ausbruch des Krieges 1939 waren hier erste Fliegerstaffeln stationiert.

Es fehlte an allem

Im Sommer 1941 wurde ein Hangar aufgerichtet, eine Flugzeughalle samt Werkstätte gebaut und am 1. Dezember in Betrieb genommen. «Es fehlte so ungefähr an allem, ja sogar an Flugzeugen», erinnerte sich ein Flugzeugmechaniker an die ersten Monate im kalten Haslital. Abkommandiert von Interlaken, hatte er mit vier Kollegen und einem Chef die Aufgabe, den Flugplatz samt Werkstätte einzurichten.

Im Frühjahr 1942 erwachte der Flugplatz langsam. Erste Flugzeuge vom Typ Fokker CV und C-35 landeten auf der Graspiste. Zur Verstärkung traf ein Detachement von Aktivdienstsoldaten ein. Diese unterstützten die ständige Belegschaft bei der Wartung der Flugzeuge und beim Ausbau der Anlage.

Bald begannen auch die Arbeiten am Fliegerschiessplatz Axalp. Vom Herbst 1942 an wurde jede Fliegerstaffel für eine Woche nach Meiringen zum Schiesstraining kommandiert. Für die Piloten der notdürftig mit Bordfunk ausgerüsteten Fokker, Morane und Messerschmitts waren die Schiessübungen eine echte Herausforderung. Wohl niemand ahnte damals, welche Bedeutung diese Anlage im Hochgebirge erlangen würde.

Der Flugplatz Meiringen entwickelte sich in all den Jahrzehnten zu einem innovativen Stützpunkt der Schweizer Luftwaffe. Was mit einer Graspiste – und 1943 einer ersten Hartbelagspiste von 900 Meter Länge – begann, wurde stets den Bedürfnissen der Flugzeugtypen angepasst. Vom Doppeldecker über den ersten Düsenjet vom Typ Venom bis hin zum F/A-18, der Militärflugplatz ist zusammen mit seinen Aufgaben gewachsen. Nebst Payerne und Emmen ist Meiringen der wichtigste Luftwaffenstützpunkt mitten in den Alpen. Zudem ist er der einzige Platz mit einer ausgedehnten Flugzeugkavernenanlage im Bergesinnern, die im laufenden Betrieb genutzt wird.

Über 200 Arbeitsplätze

Für Meiringen und das Haslital stellt der Flugplatz einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar. Über 200 qualifizierte Mitarbeitende finden hier einen anspruchsvollen, sicheren Arbeitsplatz. 25 junge Menschen erhalten zudem die Möglichkeit, in den Berufsalltag einzusteigen.

Nebst den positiven Seiten hat der Flugplatz auch seine negativen Effekte. Wie bei jedem zivilen oder militärischen Flughafen ist der Flugbetrieb mit Lärmemissionen verbunden, welche in einer Tourismusregion noch ausgeprägter wahrgenommen werden. Gemeinsam sind die Verantwortlichen der Gemeinde und des Flugplatzes bestrebt, für Bewohner und Gäste möglichst vernünftige Lösungen zu erreichen. Zeitfenster mit wenigen Flugbewegungen während der Tourismussaison bilden eine der Massnahmen.

Hingegen lassen sich Gäste auch von der Faszination der Militärjets begeistern. So wird das traditionelle Fliegerschiessen auf der Axalp jedes Jahr für rund 10'000 Gäste zum einmaligen Erlebnis.

Dazu kommen Events wie das 75-Jahr-Jubiläumsfest vom kommenden Wochenende 16. bis 18. Juni – es werden 50'000 Gäste erwartet. Und wenn ein Militärflugplatz feiert, dann weiss jeder, was auf ihn zukommt: Es wird viel geflogen, aber auch die Armee präsentiert sich mit Panzer und verschiedenen Bodendemons­trationen.

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