Vor fünfzig Jahren hatte die Bödelibahn ausgedampft

Bödeli

1872 wurde die Bödelibahn erbaut, um den Verkehr zwischen Thuner- und Brienzersee mit einer Bahn zu verbinden. Am 31. Mai 1969 musste sie den Betrieb wieder einstellen.

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Es war eine beschwerliche Fahrt für Reisende, die Mitte des 19. Jahrhunderts das Berner Oberland besuchten. In Thun mussten sie auf das Dampfschiff umsteigen und so den Thunersee bis Neuhaus oder Därligen überqueren. Der heutige Kanal bis nach Interlaken-West bestand damals noch nicht, also ging es auf der Strasse per Kutsche weiter. Man suchte einen Weg, die Anreise zu vereinfachen. Nach halbjähriger Bauzeit wurde 1872 die normalspurige Eisenbahnstrecke der Bödelibahn-Gesellschaft (BB) von Därligen bis zur Station Zollhaus, heute Interlaken-Ost, eröffnet.

Um eine Konkurrenz seitens der Schifffahrt zu verhindern, wählte man eine Streckenführung mit zweimaliger Aareüberquerung. Etwas später wurde das zweite Teilstück von Interlaken-Ost nach Bönigen in Betrieb genommen. Die Gesamtkosten betrugen 1,8 Millionen Franken.

Die Station Bönigengerät abseits

Drei zweiachsige Lokomotiven mit den Namen Bise, Föhn und Zephir befuhren die acht Kilometer lange Strecke mit beachtenswerten doppelstöckigen Wagen. Mit diesen wollte man besonders für die englischen Touristen attraktiv sein. Damit die Fahrgäste nicht zu stark dem Rauch ausgesetzt waren, verfügten die Loks über extra lange Kamine. Auch baute die BB neben dem Bahnhof die noch heute existierende Schiffstation Bönigen, man wollte der Schiffstation Interlaken-Ost zuvorkommen, aber die Brienzersee-Schiffe wählten weiterhin Interlaken-Ost als Anlegestelle.

Bönigen hätte das Tor zum engeren Oberland werden sollen, doch auch der Ausgangspunkt der 1890 eröffneten Berner-Oberland-Bahnen (BOB) wurde nicht wie von der BB erhofft Bönigen, sondern Interlaken-Ost, und die Schynige-Platte-Bahn wählte als Talstation das von den BOB bediente Wilderswil.

Die Streckewird unrentabel

So geriet die von der BB aus spekulativen Erwägungen erstellte Strecke Interlaken-Ost–Bönigen im Personen- und Güterverkehr ins Abseits und wurde defizitär. Da half auch nicht die Fusionierung mit der Thunerseebahn. Letztere übernahm 1912 auch den Dampfschiffbetrieb beider Seen und ging 1913 an die Berner Alpenbahn-Gesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (heute BLS) über.

Wohl zählte man in Bönigen immer mehr Übernachtungen, stellte aber auch fest, dass die Eisenbahn von den Kurgästen relativ wenig benutzt wurde. Durch den Umstand, dass sich die BLS-Werkstätte zwischen Interlaken-Ost und Bönigen angesiedelt hatte, konnte sich die schwer defizitäre Linie noch relativ lange halten. Als aber grosse Investitionen anstanden, empfahl die Eidgenössische Kommission zur Prüfung der Umstellung von Eisenbahnen der BB-Direktion die Einführung eines Autobusbetriebes.

Die letzte Fahrtam 31. Mai 1969

Aber die Vorstellung, mit dem internationalen Schienennetz fortan nicht mehr direkt verbunden zu sein, liess viele Böniger Gemüter heftig aufwallen. In einer im März 1966 von 255 Stimmbürgern besuchten Gemeindeversammlung wurde der Gemeinderat von Bönigen beauftragt, sich energisch für die Beibehaltung des Bahnbetriebes einzusetzen – erfolglos. Vor fünfzig Jahren, am 31. Mai 1969, erfolgte die Betriebseinstellung, und die Anlagen der Teilstrecke von der BLS-Werkstätte bis Bönigen wurden schrittweise abgebrochen. Auch das Stationsgebäude fiel dem Bagger zum Opfer. Heute ist davon nichts mehr sichtbar.

Bahnfreunde retteten Dampflokomotive

Ein letzter Zeuge dieser erfolglosen Bahnstrecke ist der Zephir, eine der drei BB-Dampflokomotiven. Dank den Modelleisenbahnfreunden Eiger in Zweilütschinen kam dieser 1980 ins Berner Oberland zurück und wurde 1994 einer Revision unterzogen. Mittlerweile gehört er dem Schweizerischen Verkehrshaus in Luzern und wird gelegentlich von der Historischen Eisenbahn-Gesellschaft und SBB Historic in Delémont für Dampfbahnfahrten eingesetzt.

Berner Oberländer

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