Walter Matter ist der Mann, der die Pilze kennt

Unterseen

In der Schweiz sind 7000 Pilzarten bekannt, 300 davon sind essbar. Einer der Begutachter ist Walter Matter, der seit 31 Jahren als Pilzkontrolleur amtet.

Kontrolleur Walter Matter (links) erklärt dem Pilzler, welche geniessbar sind und welche nicht in den Kochtopf gehören.

Kontrolleur Walter Matter (links) erklärt dem Pilzler, welche geniessbar sind und welche nicht in den Kochtopf gehören.

(Bild: Ueli Flück)

«Öberall heds Pilzli draa», liedet Peach Weber. Wer aber nicht ein ausgewiesener Pilzkenner ist, sollte nicht ein Pilzgericht auf den Tisch bringen, es sei denn, er (oder sie) habe die «Schwümm» kontrollieren lassen. Dafür gibt es amtliche Pilzkontrollen. Im Berner Oberland gemäss einer Liste der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane deren drei: an der Allmendstrasse 8 in Thun, in Schwanden bei Brienz (Ulrich Kehrli) und im Werkhof der Gemeinde Unterseen.

Die Pilzkontrolle in Unterseen wird für die Gemeinden Beatenberg, Bönigen, Därligen, Habkern, Interlaken, Matten, Ringgenberg, Unterseen (federführende Gemeinde) und Wilderswil durch Walter Matter, Hans Wysser und Helene Schneider geführt. Pilzsammler aus diesen Gemeinden zahlen pro Kontrolle 2 Franken, solche aus andern Gemeinden 4 Franken.

Matters grosse Erfahrung

Der 78-jährige Unterseener Walter Matter – «Matterhöri» – ist ein ausgewiesener Pilzkenner mit grosser Erfahrung und in verschiedenen Kursen für seine Kontrolltätigkeit geschult und geprüft. Er gehört seit vielen Jahren der Technischen Kommission des 1939 gegründeten Vereins für Pilzkunde Interlaken und Umgebung an. Selber geht der in Habkern aufgewachsene und seit 1956 im Stedtli wohnende gelernte Bäcker seit Schulzeiten «i d Schwümm».

Seit 1987 ist er amtlicher Pilzkontrolleur. In den ersten Jahren amtierte er in der Unterseener Kontrollstelle allein, nun zusammen mit Hans Wysser und Helene Schneider. Die drei wechseln sich wöchentlich ab. Matter weiss natürlich einige Müsterli zu erzählen. Zunehmend komme es vor, dass ihm Handyfotos gezeigt werden und die Leute wissen wollen, ob der abgelichtete Pilz geniessbar ist. «Das geht natürlich nicht», sagt Matter, «ich muss die Pilze in natura sehen, um festzustellen, ob sie als Speisepilze taugen.» Denn viele Pilze seien sich ähnlich, und auch Insektenbefall, Schimmel und Alter entschieden darüber, ob sie für den Kochtopf geeignet sind.

Gesetzliche Bestimmungen

Auf den 1. Juli 2012 wurde die revidierte Naturschutzverordnung in Kraft gesetzt. Seither können Pilze wieder ohne zeitliche Einschränkung gesammelt werden. Die Mengenbeschränkung – zwei Kilo pro Person und Tag – blieb aber bestehen.

«Ob die Mengenbeschränkung befolgt wird, kontrollieren Polizei, Wildhüter und vermehrt auch Ranger», erklärt Matter. Wer mit mehr Pilzen als erlaubt erwischt werde, zahle eine Busse, und die Pilze würden beschlagnahmt. Wer Pilze zu Erwerbszwecken sammelt, bedarf einer Ausnahmebewilligung (kostet 150 Franken pro Jahr).

Das Merkblatt «Pilzesammeln» (herausgegeben von der Gewerbepolizei Bern) hält einige Verhaltensregeln fest. Zum Beispiel: «Pflücken Sie nicht mehr Pilze, als Sie mit Ihrer Familie in einer Mahlzeit verzehren können.»

10 Prozent ungeniessbar

Die Pilzkontrolle Unterseen führt eine genaue Statistik über die kontrollierten Pilze. Die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. «Die Pilzsaison begann schlecht, wurde dann aber immer besser», weiss Walter Matter, «wir werden bis Ende Oktober mehr Pilze als im Vorjahr kontrolliert haben.» 2017 wurden an 116 Kontrollen 127,1 Kilo Pilze begutachtet, davon waren 10 Kilo für den Verkauf bestimmt.

Von den 117,1 Kilo für den privaten Verzehr erwiesen sich 12 Kilo als verdorben, ungeniessbar oder giftig. «Das entspricht dem Durchschnitt», stellt Matter fest, «etwa 10 Prozent der kontrollierten Pilze sind nicht essbar.» Ende Oktober geht die Pilzsaison zu Ende, und die amtliche Kontrollstelle in Unterseen macht bis Mitte Juli 2019 Pause. Sicher ist: Walter Matter wird dann wieder dabei sein.

Berner Oberländer

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