Was darf der neue Anstrich des Bads kosten?

Oberhofen

Das Strandbad wird saniert. Aber nicht für 730'000 Franken, wie es der Gemeinderat gerne gewollt hätte. Das ist den Oberhofnern zu viel.

Das Strandbad Oberhofen wird sanft saniert: Die Bürger haben einem Kredit von 450'000 Franken zugestimmt. Damit soll unter anderem die Küche ausgebaut, der Zugang zum Nichtschwimmerbecken verbessert und die Ufermauer instand gestellt werden.

Das Strandbad Oberhofen wird sanft saniert: Die Bürger haben einem Kredit von 450'000 Franken zugestimmt. Damit soll unter anderem die Küche ausgebaut, der Zugang zum Nichtschwimmerbecken verbessert und die Ufermauer instand gestellt werden.

(Bild: Patric Spahni)

Die Oberhofner lieben ihr Bad. Ohne Frage. Sie nennen es Bijou, schwärmen vom Charme, den es versprüht. Doch was es ihnen wert ist, darin sind sie sich nicht einig. Das wurde an der Gemeindeversammlung vom Montagabend deutlich. Die Oberhofner stritten leidenschaftlich darüber, mehr als zwei Stunden lang.

Der Gemeinderat war mit einem Sanierungsprojekt an den Start gegangen. Er plante, für 730'000 Franken dem Strandbad einen neuen Anstrich zu verpassen. Eine ausgebaute Küche, ein verbesserter Zugang fürs Nichtschwimmerbecken mit einer Treppe, eine neuer Sandkasten mit einem Sonnensegel, ein behindertengerechtes WC sowie eine sanierte Ufermauer: Das sollten die Oberhofner für ihr Geld bekommen.

Sollten. Denn so weit kam es nicht. Die Mehrheit der 113 Stimmberechtigten – insgesamt 82 – stellten sich schliesslich hinter einen Antrag der drei Ortsparteien BDP, FDP und SVP, ein Projekt mit einem Kostendach von 450'000 Franken auszuarbeiten. Für die Va­riante des Gemeinderates konnten sich nur 30 Oberhofner erwärmen.

«Der Betrag reicht, um die Sicherheitsmängel zu beheben, die Ufermauer zu sanieren und die Küche auszubauen», gab sich SVP-Präsident Hans ­Ulrich Bieri, stellvertretend für die drei bürgerlichen Parteien, überzeugt.

Ein Bad mit Restaurant – oder doch andersrum?

Die Gretchenfrage der vorangegangenen Diskussion war schnell formuliert: Soll das Strandbad Oberhofen ein Bad mit Restaurant bleiben oder ein Restaurant mit Bad werden? «Es ist ein Luxusprojekt», sagte Lokalhistoriker Wolfgang Hauzenberger, «völlig überteuert.»

«Es ist ein Luxusprojekt.»Wolfgang Hauzenberger

Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ihm und einigen ­anderen Stimmbürgern stiessen unter anderem die hohen Ausgaben für den Ausbau der Küche sauer auf. «Uns hat früher ein Kiosk gereicht, wo wir einen Teller Pommes frites und einen Nussgipfel bekamen», erinnerte er sich. Architekt Adrian Bühler, aber auch Gemeindepräsidentin Sonja Reichen-Geiger verteidigten den Ausbau der Küche.

«Wir müssen ihn machen, um den Vorgaben des Lebensmittelinspek­torats zu entsprechen», sagte Reichen. Man habe sich zudem vor ein paar Jahren entschieden, das Strandbad zu verpachten. Dann stehe man als Gemeinde in der Pflicht, eine anständige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Aus ihrer Sicht habe sich die Strategie bewährt.

«Das Strandbad ist beliebt bei Jung und Alt, auch ausserhalb von Oberhofen.» Dies bezweifelten einige Anwesende. «Ich sehe kaum Leute im Bad», sagte ein Bürger. Dem widersprach Pächterin Anita Marmet. «An schönen Tagen sind zwischen 250 und 300 Gäste da.» Ihr als Köchin sei zudem wichtig, dass sie nicht nur Sandwichs anbieten könne. Eine junge Mutter brach gleich darauf eine Lanze für Marmet. «Das Angebot stimmt. Ich fühle mich sehr wohl in unserem Strandbad.»

Mehrere Stimmbürger verwiesen in ihren Voten auf das benachbarte Hallenbad. Dort habe man viel Geld in eine Komfort­lösung investiert. «Lassen wir doch das Strandbad so einfach, wie es ist», brachte es ein Mann auf den Punkt.

Wer haftet bei einem Unfall im Strandbad?

Kontrovers diskutierten die Oberhofner auch die Haftungsfrage. Für Wolfgang Hauzenberger war klar: «Wer baden geht, tut dies auf eigene Gefahr.» Gemeindepräsidentin Sonja Reichen sah es anders.

«Wenn etwas passiert, dann muss sich die Gemeinde unangenehme Fragen gefallen lassen.»Sonja Reichen-GeigerGemeindepräsidentin

«Wenn etwas passiert, dann muss sich die Gemeinde unangenehme Fragen gefallen lassen.» Mit neuen Geländern, aber auch einem Treppeneinstieg ins Nichtschwimmerbecken könne man die grössten Gefahren eliminieren, strich Architekt Adrian Bühler Punkte des Vorhabens heraus.

War die Diskussion zwar ausufernd, aber noch einigermassen übersichtlich, wurde es bei der Abstimmung chaotisch. Mehrere unterschiedliche Anträge, unter anderem der Ortsparteien BDP, SVP und FDP, hielten sich die Waage. Auf der anderen Seite stand der Vorschlag des Gemeinderates.

Nach einigem Hin und Her wollte Gemeindepräsidentin Reichen im Ausschlussverfahren die verschiedenen Anträge ein­ander gegenüberstellen. Ebenfalls im Raum stand ein Rückweisungsantrag. Der ehemalige Grossrat Thomas Heuberger machte dann den Vorschlag, dass sich die Parteien doch über einen gemeinsamen Antrag einigen ­sollten.

«Die Vorschläge liegen ja nicht weit auseinander.» In der Tat kamen die Parteivertreter in einer Pause auf einen gemein­samen Nenner. Sie forderten wie erwähnt ein Kostendach von 450'000 Franken – und kamen mit ihrem Anliegen durch. Der Rückweisungsantrag hatte hingegen keine Chance. Traktandum 1 und damit die Sanierung des Bades war damit in trockenen Tüchern – und die Uhr zeigte 22.21 Uhr.

rop

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