Was Minenräumer Mohamed Egal in Spiez lernte

Spiez

Die Schweiz engagiert sich weltweit in der humanitären Minenräumung. Dazu gehören auch Weiterbildungskurse in Spiez für Spezialisten wie Mohamed Egal aus Somalia.

In Somalia haben Experten der Schweizer Armee lokale Fachleute in der Kampfmittelbeseitigung und der Minenräumung geschult.

In Somalia haben Experten der Schweizer Armee lokale Fachleute in der Kampfmittelbeseitigung und der Minenräumung geschult.

(Bild: zvg)

Um in der Minenräumung zu arbeiten, ist Mohamed Egal 2011 nach Somalia zurückgekehrt. Zusammen mit einer seiner Töchter lebt er heute in der Hauptstadt Mogadiscio. In der Stadt könne er ein relativ normales Leben führen, sagt Egal. Seine Frau und seine anderen fünf Kinder sind dennoch in den USA geblieben.

Noch bevor er die gute Versorgungslage in Mogadiscio erwähnt, betont er, dass das Internet jederzeit problemlos funktioniere. Auch die Sicherheitslage habe sich verbessert. Der Friedenstruppe der Afrikanischen Union sei es zusammen mit der somalischen Armee gelungen, die Islamistenmiliz al-Shabaab zu schwächen. Allerdings sei auch die Regierung schwach. Insbesondere südlich Mogadiscios müsse weiterhin mit Angriffen gerechnet werden.

Was hat Egal dazu bewogen, in ein Land zurückzukehren, das oft als Inbegriff eines gescheiterten Staates gilt? Er sei in Somalia geboren und aufgewachsen, sagt der 58-Jährige, der dort Politikwissenschaft und internationale Beziehungen studierte. Die gesamte Ausbildung sei kostenlos gewesen.

«Ich wollte meinem Heimatland etwas zurückgeben», sagt er. Das tut er nun als stellvertretender Direktor der Somali Explosive Management Authority (Sema). Diese Behörde ist im Süden den Landes mit der Beseitigung von Minen und explosiven Kriegsmunitionsrückständen – dazu zählen Blindgänger und zurückgelassene Munitionsbestände – beauftragt.

Schweizer Engagement

Die Schweiz engagiert sich seit Jahren in mehreren Ländern in der humanitären Minenräumung. In Somalia haben Experten der Schweizer Armee im Auftrag der UNO in den Regionen Somaliland und Puntland Fachleute ausgebildet. Das Projekt wurde 2015 nach über fünfzehn Jahren abgeschlossen.

Ziel war der Aufbau von je einem Minenräumzentrum. Diese sogenannten ­Mine Action Centers verfügen heute über das für die Kampfmittelbeseitigung nötige Know-how. Dazu gehören auch Teams, die in beschränktem Umfang Minen entschärfen können. Für grössere Flächen sind sie aber weiterhin auf Nichtregierungsorganisationen (NGO) angewiesen.

Zuerst Überblick verschaffen

So weit ist man in Südzentralsomalia noch nicht. Die prekäre Sicherheitslage verhinderte lange Zeit den Aufbau einer Behörde. Die Sema wurde erst im August 2013 ins Leben gerufen. Mohamed Egal erklärt, dass das Sammeln von Informationen zu Minen und Kriegsmunitionsrückständen Priorität habe. Es gehe darum, sich erstmals überhaupt einen Überblick über das Problem zu verschaffen. Erst danach könne ein Programm zur Entminung ausgearbeitet werden.

Im Hinblick darauf hat Mohamed Egal kürzlich mit Spezialisten aus anderen Staaten in Spiez einen fünftägigen Intensivkurs zur Anwendung der «International Mine Action Standards» besucht. Das ist eine Sammlung von standardisierten Abläufen und Vorgehensweisen für sämtliche Aspekte rund um die humanitäre Minenräumung. Nationale Behörden wie die Sema können basierend auf diesen Standards eigene Entminungsprogramme ausarbeiten. Mohamed Egal räumt allerdings ein, dass es zunächst darum gehe, das Funktionieren und die Finanzierung von Sema sicherzustellen. Minen ­seien eben nur eines von vielen riesigen Problemen in Somalia.

Langjähriger Bürgerkrieg

Minenfelder gibt es in Somalia vor allem entlang der Grenze zu Äthiopien. Noch stärker betroffen ist das Land am Horn von Afrika aber von explosiven Kriegsmunitionsrückständen. Schuld daran trägt der über zwanzigjährige Bürgerkrieg nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991.

Dar­unter leiden alle drei grossen Regionen: Südzentralsomalia mit Mogadiscio, Puntland im Norden und Somaliland im Nordwesten. Somaliland hatte sich 1991 für unabhängig erklärt, wird inter­national aber von keinem Land anerkannt. Die im Süden aktive Islamistenmiliz al-Shabaab lässt Jugendliche gezielt nach Blindgängern suchen, um daraus Sprengfallen zu bauen.

2014 sind laut dem «Landmine Monitor» der «Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen» mindestens 84 Menschen in Somalia durch Minen oder Blindgänger verletzt oder getötet worden. Die Opferzahl dürfte deutlich höher liegen, da längst nicht alle Unfälle erfasst werden. Im gleichen Jahr wurden weltweit mindestens 1243 Menschen getötet und 2386 weitere verletzt.

Ein Grossteil der Minenräumung wird von privaten Firmen oder NGO wie der Danish Demining Group und dem britischen Halo Trust durchgeführt. 2014 wurden so frühere Kriegs­gebiete mit einer Fläche von rund 5,25 Quadratkilometer von Minen, anderen Sprengkörpern und Munitionsrückständen gereinigt. Das ist etwas weniger als im Vorjahr.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt