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Weltcüpli: Müller, Mair & die Flaschen

Das Weltcüpli erscheint täglich während der Berner Oberländer Weltcupwoche. Die Skiglosse beleuchtet Ungeahntes, Unbekanntes oder auch Unerhörtes.

Michael Gurtner

Peter Müller legt sich flink in die Kurve, rast mit einer Topzeit am blauen Tor vorbei. Später folgt Con­radin Cathomen, mindestens so elegant, nochmals fünf Hundertstel schneller. Die Konkurrenz erwischt es in derselben Kurve übel. Franz Klammer (A) landet auf einem Ski unsanft im Schnee. Michael Mair (I) stürzt ebenfalls, verliert dabei Stöcke und Skibrille.

Es sind Momentaufnahmen aus dem Skizirkus. Oder besser: aus der Fantasie des Schreibenden, festgehalten als Zweit- oder Drittklässler im Schulzeichnungsheft, wiedergefunden in einer Kiste im Keller. Ja, da werden Erinnerungen wach. An Samstage in den 80ern, als der Heimweg von der Schule sprintenderweise zurückgelegt wurde, um ja keine Lauberhornminute zu verpassen.

An solchen Tagen kam es sogar vor, dass die ganze Familie vor dem Fernseher sass – inklusive der legendär TV-abstinenten Eltern. Auf der Piste wurden die kühnen Kurven der Athleten nachgezogen, wurde live mitkommentiert (natürlich nur in Gedanken) und sogar mal absichtlich ein Innenskifehler eingebaut, wenn grad kein Schweizer, sondern ein Klammer oder ein Mair unterwegs war. So viel Sportpatriotismus musste sein.

Mein älterer Bruder und ich wussten uns aber auch zu helfen, wenn kein Ausflug auf die Piste geplant war. Dann flaggten wir kurzerhand im Wohnzimmer einen Kurs aus, den wir rennenderweise absolvierten. Als Torstangen dienten leere Glasflaschen (PET war Zukunfts­musik). Fiel eine um, galt das als Einfädler. Einen ersten Sprung bauten wir vom Ess- in den rund einen Meter tiefer gelegenen Wohnraum ein.

Die eigentliche Pièce de Résistance war aber der Zielsprung (alias Kellertreppe). In der Mitte einmal aufsetzen war die Norm, ganz kühne Piloten wagten den Flug direkt ins (behelfsmässig gepolsterte) Ziel. In unserer Fantasie sahen wir dabei flink wie Müller aus, elegant wie Cathomen. In Wahrheit glichen wir wohl eher den gezeichneten Sturzpiloten Klammer und Mair. Aber immerhin schafften wir es meistens ins Ziel. Und blieben zum Glück immer ohne Hals- und Beinbruch.

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