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Wenig Interesse für Züglete

Die Post informierte über die Schliessung ihrer Filiale in Matten per November – und (fast) niemand hörte zu: Der Anlass lockte nur gerade zwei Dutzend Einwohner ins Kirchgemeindehaus.

Von der Hauptstrasse an die Metzgerstrasse: Die Post schliesst ihre Filiale Matten und...
Von der Hauptstrasse an die Metzgerstrasse: Die Post schliesst ihre Filiale Matten und...
Alex Karlen
... eröffnet im Coop eine sogenannte Theke.
... eröffnet im Coop eine sogenannte Theke.
Alex Karlen
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Auf dem Bödeli sterben um Interlaken herum die Poststellen aus: Vor vier Monaten schloss die Filiale Unterseen, im kommenden Mai geht die Filiale Wilderswil zu, und im November folgt die Filiale Matten. An allen drei Standorten wurden und werden in anderen Geschäften sogenannte Post­theken eingerichtet, an denen ­weiterhin fast alle Postserviceleistungen angeboten werden. An allen drei Standorten gabs Widerstand von Behörden und Bevölkerung (in Matten wurde eine Petition mit 1825 Unterschriften eingereicht). Und an allen drei Standorten führte die Post je einen Informationsabend durch, um das neue Angebot schmackhaft zu machen. Die Anlässe waren durchwegs schlecht besucht.

Das gilt auch für den gestrigen Dienstagabend im Kirchgemeindehaus. Lediglich zwei Dutzend Mattnerinnen und Mattner (plus ein paar Vertreter von Behörden) wollten sich von der Post nochmals erklären lassen, warum die Filiale geschlossen wird. Mitte Januar war die Bevölkerung mit einem Flugblatt über die bevorstehenden Veränderungen informiert worden.

Viel längere Öffnungszeiten

Das geringe Interesse war für Gesprächsführer Andreas Neugebauer, Leiter Postnetz Region Thunersee, kein Grund zur Trauer. Im Gegenteil: Humorvoll suchte und fand er den Kontakt zum Publikum. Zunächst warb er fakten- und wortreich für Verständnis: «Es geht um Veränderung, um den Wandel bei der Post zum digitalen Alltag.» Innerhalb der letzten siebzehn Jahre sei die Anzahl Briefe um 68 Prozent gesunken, Pakete und Einzahlungen verzeichneten ein Minus von je 44 Prozent – «wobei dank Zalando nun wieder etwas mehr Päckli verschickt werden».

Marcel Bollhalder, bei der Post als Spezialist für die Netzentwicklung tätig, konkretisierte die Entwicklung für die Filiale Matten. Bereits im Herbst 2013 seien angesichts rückläufiger Zahlen Gespräche mit der Gemeinde aufgenommen worden, um eine Alternative zu finden. Mit der nun vorliegenden Lösung könne man sogar sehr viel längere Öffnungszeiten anbieten: Die Post zügelt bekanntlich von der Hauptstrasse 53 in den Coop an der Metzgerstrasse 15 – der täglich, also auch samstags und sonntags, von 8 bis 20 Uhr offen hat.

Eine Einschränkung betrifft hingegen den Bargeldverkehr: Einzahlungen können nur noch mit Kreditkarten getätigt werden. (Wers aber trotzdem lieber cash hat, der kann nach Anmeldung sein Geld fortan dem Briefträger mitgeben.) Nicht mehr möglich sind auch Sperrgutsendungen und Express-Sendungen ins Ausland.

Skepsis und Verständnis

Er war und sei immer noch «sehr skeptisch», sagte Mattens ebenfalls anwesender Gemeindepräsident Peter Aeschimann. Doch die Lösung mit dem Coop als Partnerfiliale bedeute wohl «ein Optimum», zumal der Gemeinderat den Entscheid «nach sachlich harten, aber fairen Diskussionen» eh nicht beeinflussen konnte. Wichtig sei ihm ein weiterhin intaktes Dorfleben.

Für Coop-Verkaufsleiter Marcel Maurer handelt es sich sogar um eine «Win-win-Situation», wie er erklärte. «Die Nähe zu den Leuten» sei auch in digitalem Zeitalter von grosser Bedeutung. Man werde sich dem zusätzlichen Personalaufwand anpassen, wobei die genaue Anzahl Stellenprozente noch nicht definiert sei.

Umgekehrt versicherte Andreas Neugebauer auf eine der wenigen, von Skepsis, aber auch Verständnis geprägten Fragen aus dem Publikum, die Post sei «bestrebt, Entlassungen zu vermeiden, und es zeichnet sich eine Lösung ab». Bei der Postfiliale Matten handelt es sich um 200 Stellenprozente.

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