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Wenn der Sportschuh drückt

Ernst «Aschi» Gertsch ist Fachmann für individuelle Anpassungen von Sportschuhen im Nachwuchsleistungs- und Spitzensport. Er hat zwei Ateliers: eines in seiner Wohnung an der Marktgasse 21, das andere in einem VW-Transporter.

Ernst Gertsch in der Werkstatt, die er in einem VW-Transporter eingerichtet hat.
Ernst Gertsch in der Werkstatt, die er in einem VW-Transporter eingerichtet hat.
Ueli Flück

«Ich bin Ernst Gertsch der Dritte», stellt sich Aschi schmunzelnd vor. Sein Grossätti war Ernst Gertsch, der Lauberhornvater, und auch sein Vater heisst Ernst. In Wengen wird zwischen Geisser-Gertsch, Gruber-Gertsch, Hansli-Gertsch und Hub­la-Gertsch unterschieden. Die Geisser-Gertschs seien die Initiativsten der vier Sippen, ist zu hören. Der 52-jährige Aschi ist einer von ihnen.

Nach seiner Ausbildung zum Haustechniker arbeitete Ernst Gertsch im Sommer auf seinem Beruf und bereiste die Welt. Im Winter war er in der Skischule Wengen tätig und bei seinem Onkel Viktor Gertsch im Central Sport, ab den Neunzigerjahren dann zu 100 Prozent im Sportgeschäft.

Seit vier Jahren ist er nun als Inhaber der Ernst Gertsch GmbH sein eigener Chef. «Custom Fitting Expert» steht auf ­seinem Visitenkärtli. Und: «Ihr Experte für sportspezifische Massfussbettungen und Sportschuhanpassungen im Breiten-, Nachwuchsleistungs- und Spitzensport.»

Wenn der Skischuh drückt

Sowohl als Ski- und Wanderschuhverkäufer wie auch bei der Vermietung von Ski und Skischuhen lernte Aschi Gertsch die Sorgen der Kunden mit dem Schuhwerk kennen. «Leute hören mit Skifahren auf, weil sie sich in den Schuhen nicht wohl fühlen», weiss er.

Er selber habe nach Sportverletzungen Probleme gehabt und sollte Einlagen tragen, aber das habe nicht funktioniert. «Und so wie die Gertschlige halt sind, tüftelte ich an Verbesserungen herum, suchte nach Lösungen», erzählt Aschi. Er nahm sich Zeit bei der Beratung der Kunden und der Optimierung des Schuhwerks.

Und er lobt Onkel Vik: «Er unterstützte mich und hat den langfristigen Nutzen erkannt, denn Kunden blieben dank gut passenden Schuhen dem Skifahren und Central Sport treu.» Für Aschi Gertsch zählte während der vergangenen rund zwanzig Jahre Learning by Doing.

Sportartspezifische Einlagen

Was ist denn nun speziell an Aschis Fussbettungen? Seine orthopädische Sporteinlagenversorgung ist ein dynamisch-aktives System. Er erklärt anhand eines Modells die Belastung eines Fusses, die auf drei Punkten basieren soll: der Ferse, dem grossen und dem kleinen Zehenballen, die durch ein inneres und ein äusseres Längsgewölbe sowie ein Quergewölbe verbunden sind.

Ist die Spannung in den drei Gewölbebögen aus der Balance, muss diese wiederhergestellt werden. «Mit einer sportspezifischen, dynamischen Einlage ermöglichen wir dem Fuss, wieder natürlich zu funktionieren», erklärt Gertsch, «anders ausgedrückt: Der Fuss kann reaktive Kraft aufbauen und einwirkende Kraft absor­bieren.»

Vom Fussabdruck zur Sohle

Nachdem sich Aschi Gertsch ausführlich mit dem Kunden unterhalten hat (über Beschwerden, Sportart, Belastung), erstellt er einen Fussabdruck. Dieser dient als Ausgangslage für die Herstellung der Sohle. Eine solche wird aus verschiedenen Teilen unter Wärme hergestellt.

Das Funktionselement besteht aus der Sohlebasis (Längsflexibilität) und dem Unterstützungselement für das Längs- und Quergewölbe (Torsionsfestigkeit). Das Komfortelement wird durch den Schaumstoffkern und das Überzugsmaterial gebildet. Das thermoplastische Sohlenmaterial ermöglicht es, Veränderungen und Entwicklungen zu folgen und ­jederzeit Anpassungen vorzunehmen.

Bekannte Spitzensportler

Aschi Gertsch verzichtet auf Werbung. Mundpropaganda reicht. Sein Kundenkreis erstreckt sich zu 80 bis 85 Prozent auf Nachwuchsleistungs- und Spitzensportler und 15 bis 20 Prozent auf Breitensportler. Expandieren, Mitarbeiter anstellen will der Sohlenkünstler nicht. Er will Individualität und Qualität hochhalten.

Das heisst auch, dass er sich für jeden Kunden Zeit (viel Zeit) nimmt. Zu denen zählen auch im In- und Ausland bekannte Spitzensportler. Deren Namen hält er geheim, da die Spitzen­leute vertraglich an ihre Schuhausrüster gebunden sind.

Mit einer Exklusivität wartet Aschi Gertsch auch punkto Arbeitsstätte auf. Nebst seinem stationären Atelier (079 221 18 09) hat er in einem VW-Transporter eine zweite komplette Werkstatt eingerichtet. «So kann ich, wenn nötig, vor Ort mit den Athleten zusammenarbeiten und Tests unternehmen.» Das nennt man Service.

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