«Wir fangen in der Sommerau wieder bei null an»

Boltigen

Pattsituation bei der Suche nach einem neuen Pächter des Bauernguts Sommerau in Boltigen: Der eine zieht die Pacht zurück – und der andere soll chancenlos sein, diese zu «erben».

Das Bauerngut Sommerau wird zur Knacknuss in der Gemeinde Boltigen.

Das Bauerngut Sommerau wird zur Knacknuss in der Gemeinde Boltigen.

(Bild: Fritz Leuzinger)

Bruno Petroni

Pattsituation im Seilziehen um den neuen Pächter des Bauernguts Sommerau: Wie am Mittwochabend publik wurde, hat das vor zwei Jahren durch den Gemeinderat gewählte neue Pächterpaar Andreas und Anna Gobeli den Pacht- und Baurechtsvertrag zurückgezogen.

Andreas Gobeli hat genug: «Die rechtlichen Auseinandersetzungen seit unserer Wahl nehmen offensichtlich kein Ende. Die ganze Situation ist für uns einfach nicht mehr tragbar.»

Gobeli bedauert die Entwicklung in dieser Sache, denn man hätte ein Projekt für einen Neubau bereit gehabt. «Doch solange die Rechtsanwälte des unterlegenen Mitbewerbers Geld ziehen können, hören sie nicht auf zu kämpfen.»

Die Leidtragenden im unerfreulichen Konflikt seien er und seine Familie, sagt Gobeli. Aber der 37-jährige gebürtige Boltiger lässt sich trotz allem nicht unterkriegen und bestätigt, dass er bereits eine alternative Lösung für die Zukunft seiner Familie habe.

Wie geht es nun weiter?

Beim erwähnten unterlegenen Mitbewerber handelt es sich um Daniel Eschler. Auf Anfrage verzichtet er auf eine Stellungnahme und verweist auf seinen Berner Rechtsanwalt Philipp Studer; dieser war am Donnerstag nicht erreichbar.

Wie geht es denn nun weiter mit der Sommerau, dem 41 Hektaren Agrarland umfassenden Bauerngut auf halbem Weg zum Jaunpass, welches seit 74 Jahren der Gemeinde Boltigen gehört? Gemeinderatspräsident Fred Stocker dazu: «Zunächst fangen wir nun mal wieder bei null an. Aber vorerst ist gar nichts klar, die ganze Angelegenheit wird durch die unerwartete Sistierung des Pacht- und Baurechtsvertrags jetzt mal stillgelegt. Höchstwahrscheinlich gibt es dann wieder eine Ausschreibung.»

Ganz sicher kommt laut Stocker nicht infrage, dass der bei der Wahl vom 17. April 2017 unterlegene Pachtanwärter Daniel Eschler jetzt automatisch nachgezogen und als Pächter verpflichtet werde. «Die Pacht wurde damals nach einem Punktesystem vergeben, und der Vertrag bestand ja bereits. Durch Gobelis Vertragskündigung muss es jetzt zu einem neuen Auswahlverfahren kommen.» Bis zur nächsten Gemeindeversammlung im Mai habe man in Boltigen jetzt Zeit, sich Gedanken zu machen über das «Wie weiter».

Zwei Jahre Knatsch

Der Ganzjahresbetrieb auf einer Meereshöhe von 1280 Metern unter dem Jaunpass spaltet die Gemeinde Boltigen bekanntlich schon eine ganze Weile. So reichte der bei der Wahl unterlegene Daniel Eschler bereits fünf Wochen später beim Regierungsstatthalter Obersimmental-Saanen Beschwerde ein. Dieser wies sie zehn Monate später ab. Am 3. Mai des letzten Jahres zog die Familie Eschler den Entscheid ans Berner Verwaltungsgericht weiter.

Dieses stellte vor zweieinhalb Monaten fest, dass dem Gemeinderat bei der Pachtvergabe ein Verfahrensfehler unterlaufen sei und diese durch die Gemeindeversammlung abgesegnet werden müsse. In der Folge nahm die Gemeinde dieses Geschäft für die Gemeindeversammlung vom nächsten Mittwoch auf die Traktandenliste. Das Traktandum kann jetzt wieder von der Liste gestrichen werden. Doch die Geschichte um das Bauerngut Sommerau ist damit noch lange nicht zu Ende geschrieben.

Berner Oberländer

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