X-Alps: Chrigel Maurer mit vorentscheidendem Schlag

Am härtesten und längsten Gleitschirmrennen der Welt von Salzburg nach Monaco konnte sich Christian «Chrigel» Maurer von seinem Verfolger absetzen.

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Bruno Petroni

Noch am Wendepunkt in Davos zur Mittagszeit konnte der Franzose Maxime Pinot fast zu Maurer aufschliessen, erreichte diesen Kontrollposten mit gerade mal einem Kilometer Rückstand. In den folgenden Stunden flog der fünffache X-Alps-Champion aus Frutigen seinen Konkurrenten aber geradezu schwindlig und setzte sich bis zu 40 Kilometer von diesem ab.

Am frühen Abend gelang Chrigel Maurer dann, was eigentlich gar nicht möglich ist: Eine Landung auf dem 3060 Meter hohen Titlis, wo sich unmittelbar neben der Bergstation der Wendepunkt Nummer 7 (von 13) befindet. «Der Westwind blies ziemlich stark, und ich war bis zum letzten Moment nicht sicher, ob es mir gelingt», so ein entspannter Chrigel Maurer während seiner gewitterbedingten Pause auf dem Titlis.

Der 36-Jährige genoss die Ruhe auf 3000 Meter über Meer sichtlich. Nach dem Rummel bei den vorher gehenden Wendepunkten hatten sich nebst des Vertreters dieser Zeitung nur eine Hand voll Gleitschirmpiloten und Fans auf dem Gletscherplateau des Titlis eingefunden.

Vorentscheidung ist gefallen

Es ist kaum damit zu rechnen, dass Maurers Verfolger in der Lage sind, auf dem Titlis rein zu landen; sie werden wohl fast alle vom Osten her über den Surenenpass per pedes zum Gipfel aufsteigen müssen. Das kostet Zeit und Energie.

Kenner der Szene gehen davon aus, dass das 9. X-Alps durch den neusten Geniestreich von Chrigel Maurer möglicherweise vorentschieden ist; zu lähmend ist seine Überlegenheit, zu gross seine bisher unangetasteten Reserven.

Der ungefährdet Führende kann sich höchstens noch durch einen groben Fehler selber aus dem Rennen nehmen; sei dies durch einen Unfall oder durch die Verletzung eines Luftraumes.

Via Eiger zum Mont Blanc

Nach dem Vorbeizug des Gewitters packte Maurer am Mittwochabend auf dem Titlis übrigens seinen Gleitschirm, legte ihn auf einem nach Süden ausgerichteten, ausgesetzten Schneefeld aus und hechtete über die Fluh ins Gadmertal hinaus - ins Berner Oberland.

Maurer befindet sich jetzt bereits in der zweiten Hälfte des 1'138 Kilometer langen Rennens. Er wird im Verlaufe des Donnerstagmorgens den nächsten Wendepunkt erreichen: Den Eiger.

Nein, nicht dass auf dessen 3'970 Meter hohem Gipfel etwa eine zu unterschreibende Kontrolltafel stehen würde. Um den Eiger wurde vom X-Alps-Veranstalter eine imaginäre Boje von einem Kilometer Radius definiert, welche die Athleten passieren müssen. Es reicht also, wenn Maurer den unter der Eigernordwand hindurch führenden Eigertrail begeht.

Der Kampf um die Plätze

Auf Grund der durchzogenen Wetterprognosen dürften lange Flüge wie in den letzten Tagen in den kommenden drei Tagen nicht möglich sein. Dennoch sprach Chrigel Maurer bereits auf dem Titlis davon, am Donnerstag vielleicht in der Mutthornhütte zu übernachten, um am Freitag ab dem Petersgrat in Richtung Wallis und dem nächsten Wendepunkt Mont Blanc zu fliegen.

Derweil warten zweifellos harte Tage auf Maurers Verfolger, die sich allesamt noch östlich des höchsten Wendepunkts des diesjährigen X-Alps befinden, dem Titlis. Maxime Pinot ist am Donnerstag der erste, der ab Altdorf zu Fuss da hin aufsteigen wird.

Hinter ihm streiten sich Aaron Durogati (Italien), Paul Guschlbauer (Österreich) und Gaspard Petiot (Frankreich) um die Plätze. Der Frutiger Patrick von Känel figuriert momentan auf dem sechsten Platz; er hat am frühen Donnerstagmorgen den Wendepunkt Davos erreicht und zieht nun ebenfalls in Richtung Titlis.

Von den 32 Athleten aus 20 Nationen ist bisher nur der Libanese Rodolphe Akl ausgeschieden.

Auf der Live-Tracking-Karte sehen Sie, wo sich Chrigel Maurer und seine Konkurrenten aktuell befinden.

Berner Oberländer

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