X-Alps: Maurer praktisch auf der Zielgeraden

Nunmehr 80 Kilometer beträgt der Vorsprung von Serienmeister «Chrigel» Maurer am Gleitschirmrennen X-Alps.

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Bruno Petroni

Am 8. Tag des X-Alps sind die Stellungen an der Front bezogen: Der fünffache X-Alps-Champion Christian «Chrigel» Maurer aus Frutigen konnte am Sonntag mit 80 Kilometer Vorsprung auf den an zweiter Stelle kämpfenden Franzosen Maxime Pinot via Alpe d'Huez dem letzten hohen Wendepunkt zufliegen, dem Monte Viso (3841 m). Beim prognostizierten Schönwetter kann davon ausgegangen werden, dass Maurer im Verlaufe des Montags den letzten Wendpunkt Cheval Blanc passieren und später am Ziel in Monaco eintreffen wird; das wird sein sechster X-Alps-Sieg in Folge.

Maxime Pinot hat seinerseits einen soliden Vorsprung auf den an dritter Stelle liegenden Österreicher und dreimalige Podestplatz-Gewinner am X-Alps, Paul Guschlbauer. Dahinter hat sich Benoît Outters von Patrick von Känel distanzieren können; Letzterer wird nach wie vor von Aaron Durogati (Italien) und Gaspard Petiot (Frankreich) arg bedrängt. Der fünfte Platz ist für den 24-jährigen X-Alps-Neuling aus Frutigen also noch nicht im Trockenen – ganz im Gegenteil, figurieren knapp 400 Kilometer vor dem Ziel nicht weniger als acht Athleten innerhalb von nur 25 Kilometern; hier kann also noch alles passieren.

Konstanter Patrick von Känel

Immerhin konnten die Protagonisten am Sonntag wieder längere Strecken fliegend zurücklegen, nachdem die drei Tage zuvor von langen Fussmärschen geprägt waren. Auch Patrick von Känel lernte die X-Alps-Tortur mit dem Aufstieg zum Titlis am Freitag kennen. Ein hartes Stück Arbeit, der Aufstieg zum 3040 Meter hohen Grenzberg zwischen den Kantonen Obwalden und Bern.

Umso erstaunlicher, dass Patrick von Känel, mit 24 Jahren der Jüngste des 32-köpfigen X-Alps-Starterfeldes, am Samstag bei der Durchquerung des Berner Oberlandes trotzdem vor Energie nur so strotzte: Im Reichenbachtal überholte von Känel den vor ihm liegenden Italiener Aaron Durogati, den Aufstieg zum Wendepunkt unter der Eigernordwand schaffte er mit viel Effizienz und sein Heimatdorf Frutigen überflog er vorübergehend an vierter Stelle liegend 800 Meter über Grund. Bereits am frühen Samstagmorgen bewies der Frutiger dann auch Augenmass, indem er ohne jegliche Thermik vom Eigergletscher direkt zur Grütschalp flog. Beim Zusammenpacken spasste er: «I ga de öppe rasch hei ga dusche.»

Für von Känel ist das 1138 Kilometer lange X-Alps mit Start in Salzburg und Ziel in Monaco am Mittelmeer ein Vorstoss in unbekannte Dimensionen. Bereits vor dem Rennen zeigte er Respekt vor der grossen Distanz: «Ich will nicht zu schnell starten und schauen, dass ich meinen Energiehaushalt im Griff habe. Denn Rennen von mehr als vier Tagen Dauer sind für mich eine Unbekannte.» Dass er seine Batterien im Griff hat, beweist von Känel mit seiner Konstanz im laufenden X-Alps. Wenn nichts mehr Unvorhergesehenes passiert, dürfte er das Rennen in den Top-Sechs beenden.

Auch der Marathonmann im Oberland vorbei

Inzwischen haben zwölf Athleten das Oberland passiert, also gut die Hälfte der noch 29 im Rennen befindlichen Teilnehmer. Einer von ihnen ist der Rumäne Toma Coconea. Er gilt als Rockstar unter den Gleitschirm-Marathonspezialisten, bestreitet bereits sein neuntes X-Alps, war also von Beginn weg mit dabei. Der 44-jährige Karpater ist fraglos der beliebteste aller Protagonisten mit einem mehrfachen an Followern auf den ditigalen Medienportalen als die Konkurrenten. Von den bisher 700 Kilometern hat Coconea bisher mehr als ein Drittel zu Fuss zurückgelegt. Im Vergleich dazu marschiert der führende Chrigel Maurer nur etwa ein Fünftel der Gesamtstrecke. Bereits zwei Mal wurde Coconea am X-Alps Zweiter und gilt als laufendes Wunder.

Mit Schirm aus Hightech-Oberländer Entwicklung

Toma Coconea gehört dem Advance-Team an und zeigt sich ausgesprochen glücklich über seine Materialwahl: «Ich hatte noch nie eine so tolle Ausrüstung. Alles ist leicht sitzt perfekt, die Leistung des Gleitschirms ist phänomenal», sagte er am frühen Sonntagmorgen im Aufstieg zum Niesen. Nur das Einsteigen in das enge Liegegurtzeug vor dem Start mit dem Gleitschirm entpuppt sich im meist steilen und unwegsamen Gelände immer wieder als Balanceakt.

Nebst Coconea fliegen am diesjährigen X-Alps auch Aaron Durogati, Patrick von Känel und Chrigel Maurer mit dem Omega X-Alps 3 des Thuner Gleitschirmherstellers Advance. Die Advance-Verantwortlichen dürften mit grosser Genugtuung feststellen, dass alle vier «Werkspiloten» in den Topten-Rängen figurieren.

Berner Oberländer

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