X Alps: Maurer schon in Frankreich

Chrigel Maurer konnte seinen Vorsprung beim X-Alps halten. Der Adelbodner hat bereits den Mont Blanc erreicht.

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Bruno Petroni

Es war kein Flugtag, der Freitag am 9. X-Alps, dem härtesten und längsten Gleitschirmrennen der Welt von Salzburg nach Monaco über 1'128 Kilometer.

Ein Wahnsinnsstart von Patrick von Känel auf dem Titlis am Freitag. (Quelle: Urs von Känel).

Wenigstens weitgehend trocken, aber doch sorgten bedeckter Himmel und stellenweise Gewitter dafür, dass die 30 verbleibenden Athleten aus 20 Nationen weitgehend zu Fuss unterwegs waren und den Gleitschirm höchstens für einen Abgleiter von einer Bergspitze oder einem Grat hinab ins Tal auspacken konnten.

Maurers geniale Routenwahl

Es hat sich für den führenden Christian «Chrigel» Maurer gelohnt, statt der ursprünglich vorgesehenen Routenwahl über den Petersgrat nördlich der hohen Berge zu verbleiben und vom Eiger via Soustal, Adelboden und Col du Pillon westwärts weiter zu ziehen.

So konnte der 36-jährige Frutiger seine Kräfte schonen, seinen soliden Vorsprung von mehr als 50 Kilometer beibehalten und bis zum Freitagabend die Region des Mont Blanc erreichen, des viertletzten Wendepunktes des diesjährigen X-Alps; jetzt nimmt er Kurs Richtung Wendpunkt St. Hilaire im Grossraum Grenoble. Bis zum Ziel in Monaco fehlen dem Oberländer weniger als 400 Kilometer. Zwei Drittel der gesamten Renndistanz sind also geschafft.

Gezeichneter Pinot

Maurers Vorsprung hat sich also stabilisiert. Dies, obwohl der an zweiter Stelle laufende Maxime Pinot Donnerstagnacht einen so genannten Night Pass löste und so die ganze Nacht durchlaufen durfte. Allerdings machte sich beim Franzosen bei Ankunft im Lauterbrunnental am Donnerstagabend sichtliche Erschöpfung breit, was nach einem Tag mit 5'000 Höhenmetern Steigung und 60 Kilometer zu Fuss mit einem sieben Kilo schweren Rucksack (sämtliches Flugequipement) verständlich ist.

Mit der Entscheidung, die Route weiter nördlich entlang des Thunersees und via Niesen zu wählen, hat sich Pinot gegenüber Maurer einen weiteren Nachteil eingehandelt. In der Folge konnte Pinot während der Nacht lediglich 15 Kilometer bis nach Leissigen zurücklegen, musste dazwischen immer wieder kurz schlafen.

Am Freitagmorgen stieg Pinot nach diesem Umweg drei Stunden lang auf den 2'362 Meter hohen Niesen auf, wo er vom Personal der Niesenbahn grosszügig umsorgt wurde und entlang der Niesenkette fliegend weiter Richtung Mont Blanc ziehen konnte. Am Freitagabend befindet er sich in der Region des Col du Pillon, hat faktisch also fast einen Tag Rückstand auf Chrigel Maurer, der am Donnerstagabend fast an selber Stelle übernachtet hat.

Von Känel stösst vor

Hinter diesen beiden klar Führenden hat der Österreicher Paul Guschlbauer auf dem dritten Zwischenrang den Wendepunkt Eiger passiert. Anschliessend gelang ihm selbst in der schwächsten Thermik ein langer Flug vom Eigergletscher bis weit ins Soustal hinein; er konnte so den Rückstand auf den zweitklassierten Maxime Petiot auf 35 Kilometer reduzieren. Pinot muss sich also nun möglicherweise eher nach hinten orientieren als nach der Spitze.

Hinter Guschlbauer kam es zu einem Zusammenschluss von drei Athleten: Aaron Durogati (Italien), Benoît Outters (Frankreich) und der Berner Oberländer Patrick von Känel haben in dieser Reihenfolge ebenfalls den Titlis hinter sich gelassen und sind in Sichtweite zueinander via Rosenlaui (Reichenbachtal) am Fusse des Eigers angekommen, von Känel als Führender dieses Trios mit nur 20 Kilometer Rückstand auf den drittplatzierten Guschlbauer.

Keller in den hinteren Rängen

Der dritte Schweizer im Feld, Adrian Keller aus dem Emmental befindet sich mit 300 Kilometern Rückstand auf Chrigel Maurer auf dem 22. Zwischenrang in der Region von Landeck, rund 60 Kilometer vor dem Wendepunkt Davos.

Nasser Renntag steht bevor

Am Samstag ist mit viel Regen zu rechnen. Entsprechend dürften wieder lange Märsche bevorstehen. Vor allem für die Piloten, die noch nicht am Titlis vorbei sind, stehen harte Zeiten bevor, denn ein Auf- und Abstieg zu Fuss von diesem höchstgelegenen Wendepunkt des Rennens wird sich als extrem zeit- und kräfteraubend erweisen.

Immerhin dürfte ab Sonntag wieder die Sonne für Thermik und entsprechend wieder längere Flüge sorgen. Und wenn Chrigel Maurer, der «Adler von Adelboden» dann in den maritimen Alpen seine Flügel wieder ausbreiten kann, dürfte ihm sein sechster X-Alps-Triumph in Serie kaum mehr zu nehmen sein. Spätestens Mitte nächster Woche dürfte der Sieger am Ziel in Peille oberhalb von Monaco eintreffen.

Berner Oberländer

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