X-Alps: Mit Vollgas durch das Berner Oberland

Der Donnerstag stand beim X-Alps ganz im Zeichen von endlos langen Fussmärschen durchs Berner Oberland. Doch auch dies konnte Chrigel Maurer nicht bremsen.

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Bruno Petroni

Nach vier Wettkampftagen mit viel Thermik und entsprechend langen Flügen bis zu fast 200 Kilometer länge wurden die verbleibenden 30 Teilnehmer des X-Alps, des härtesten und längsten Gleitschirmrennens von Salzburg nach Monaco von Gewittern arg gebremst.

Nachdem Spitzenreiter Christian «Chrigel» Maurer am Mittwochabend gerade noch mit dem allerletzten Thermikschlauch das Unmögliche geschafft hat, auf dem 3060 Meter hohen Gletscherplateau des Titlis zu landen, stand der Donnerstag ganz im Zeichen von endlos langen Fussmärschen, allenfalls zwischendurch gewürzt durch einen kurzen Gleitflug von irgend einer Anhöhe oder einem Berg.

Der hartnäckigste Verfolger von Chrigel Maurer, der 25-jährige Maxime Pinot stieg am Donnerstagmorgen von Erstfeld über 2000 Höhenmeter zum Wendepunkt Titlis auf, wovon fast 1000 Meter durch teilweise knietiefen Restschnee. Entsprechend gezeichnet unterschrieb der Franzose denn dort die Kontrolltafel. Nach zwei Stunden der Warterei gelang ihm dann im Schneetreiben und durch eine kleine Nebellücke der Start vom Titlis, um später in Innertkirchen zu landen.

Auf Grund des offenen Luftraumes des Militärflugplatzes Meiringen durfte er nicht weiter westlich fliegen. Also ging es für den Savoier zu Fuss weiter durch das Reichenbachtal und weiter nach Grindelwald. Einzige Hoffnung für Pinot ist, dass bald französischer Boden betreten wird und er dann im Schlussteil einen Heimvorteil haben wird. Allerdings kennt sich auch Chrigel Maurer nach fünf X-Alps-Siegen in den Savoier und maritimen Alpen bestens aus.

Nur 35 Kilometer - aber fast ein Tag

Fast 24 Stunden zuvor legte der führende Frutiger Chrigel Maurer exakt die selbe Strecke zurück, und am Donnerstagmorgen passierte er bereits den Wendepunkt Eiger, von wo aus er via Grütschalp, Soustal und Frutigen weiter nach Westen vorstiess. Bis zum Donnerstagabend erreicht der 36-jährige fünffache X-Alps-Champion nun via Adelboden und Lenk die Region Saanenland.

Er beabsichtigt über den Col du Pillon ins Waadtland zu gelangen und von dort weiter zum Wendepunkt Mont Blanc. Sein Vorsprung auf Maxime Pinot beträgt rund 35 Kilometer. Das ist auf den ersten Blick zwar nicht viel - gerade mal eine Flugstunde mit dem Gleitschirm. Zu Fuss und mit dem ausgesprochen schweren Gelände der Alpen macht dieser Vorsprung jedoch fast einen Tag aus.

Um diesen Rückstand auf Maurer zu verkleinern, hat Maxime Pinot für die kommende Nacht einen Nachtpass gelöst. Dieser berechtigt ihn, die ganze Nacht hindurch zu laufen, während alle anderen sich zwischen 22.30 Uhr und 5.30 Uhr in der Früh nicht mehr fortbewegen dürfen. Man darf also gespannt sein, was der Freitag bringen wird.

Von Känel vor dem Berner Oberland

Der zweite Berner Oberländer im Starterfeld, Patrick von Känel kämpfte sich auf dem fünften Zwischenrang am Donnerstag durch das endlos lange Bündner Oberland Richtung Oberalppass vor. Auch auf ihn wartet am Freitag der Aufstieg zum Titlis. Vor ihm erwartet diese Herausforderung auch den Italiener Aaron Durogati (4.) und den Österreicher Paul Guschlbauer (3.).

Der an sechster Stelle liegende Franzose Benoît Outters, bei der letzten X-Alps-Austragung knapper Zweiter hinter Chrigel Maurer, scheint mit der Favoritenrolle nicht klar zu kommen; er liegt 120 Kilometer hinter Maurer. Alle hinter Outters laufenden Athleten haben mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun - zu gross ist ihr Rückstand auf die Podestplätze.

Der dritte Schweizer am X-Alps, der Emmentaler Adrian Keller befindet sich zur Zeit vor dem Wendepunkt Lermoos bei Garmisch-Partenkirchen auf dem 25. Zwischenrang - Rückstand auf die Spitze 300 Kilometer.

Berner Oberländer

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