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Osteuropa-Festival: Positives Echo, aber wenig Publikum

literaturWährend der Veranstaltungsreihe «Absolut zentral» wurde das Verhältnis von Ost- und Westeuropa erörtert. Die Lesungen in Bern, Biel, Burgdorf und Thun

Die Skepsis war beim Initiator Hans Ruprecht schon von Anfang an da: Wird das Publikum kommen? Am 15.September startete sein neues Projekt «Absolut zentral», das in Bern, Biel, Burgdorf und Thun mit Lesungen und Diskussionen den osteuropäischen Kulturraum näherbringen und die neue europäische Identität erörtern wollte. Gestern ist diese gross angedachte Veranstaltungsreihe mit 33 eingeladenen Autorinnen und Autoren aus 12 Ländern zu Ende gegangen. Das Festival vermochte zwar einige Wissenslücken zu schliessen und bot ebenfalls erfrischende Einblicke in die osteuropäische Literatur. Allerdings bewegten sich die Diskussionen («Gibt es eine europäische Identität?») im Vergleich zu den Publikumsfragen («Weshalb sprechen Sie alle so gut deutsch?») oft auf einem allzu abstrakten, ja akademischen Niveau. Was die Publikumszahlen betrifft, fällt die Bilanz nüchtern aus. Der Eröffnungsabend im Berner Kornhausforum mit dem ungarischen Erfolgsautor Péter Esterházy lockte gerade mal 50 Leute an, bei den restlichen Veranstaltungen sassen zwischen 10 und 70 Interessierte im Publikum. Warum so wenige? Am Angebot, sprich an den Autorinnen und Autoren, kann es kaum gelegen haben. Unter den Lesenden waren Bestsellerautoren wie die Ukrainer Andrej Kurkow oder Oksana Sabuschko, Kultautoren wie Juri Andruchowytsch oder Serhij Zhadan, die in ihrer Heimat Säle locker mit Hunderten von Leuten füllen. Neben grossen Namen lockten auch einige interessante Entdeckungen, etwa der österreichische Journalist und Autor Martin Pollack, der sich mit seinem Vater auseinandersetzte. Dieser war Gestapo-Chef von Linz und 1945 an der Exekution von Juden in der Slowakei beteiligt. Nachdenklich stimmten auch die Betrachtungen der Ungarin Zsuzsa Breier, die über den schwindenden Exotikbonus der Ostländer in den westlichen Köpfen berichtete. Über die Bücher gehen Weshalb also kam das Festival beim Publikum nur mässig an? Nun, einerseits fallen die kulturinteressierten Berner nicht gerade durch ihre Offenheit gegenüber Unbekanntem (Osteuropa) auf. Andererseits haben es neue Veranstaltungsreihen (erste Ausgabe) grundsätzlich schwerer als etablierte Anlässe. Initiator Hans Ruprecht lässt sich jedoch nicht entmutigen: «Die Publikumsauslastung war nicht optimal. Aber von den Anwesenden habe ich ein sehr positives Feedback bekommen. Sogar Komplimente aus Zürich und Berlin sind bei mir eingetroffen, dass wir dieses europäische Projekt auf die Beine gestellt haben.» Deshalb schaut der Berner Literaturveranstalter nach vorne: «Ich möchte die Reihe weiterführen, weil Literatur andere Blickwinkel auf das junge, erst zusammenwachsende Europa ermöglicht. Wir werden aber über die Bücher gehen, um eine publikumswirksamere Form zu finden.» Die nächste Ausgabe von «Absolut zentral» soll 2013 stattfinden. Lucie Machac>

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