«Seedau» oder «Schafeld»: Alles beim Alten?

Gymnasium Thun

Bald ist ein Jahr vergangen, seit die Thuner Gymnasien Schadau und Seefeld zu einer Schule an zwei Standorten fusioniert wurden. Zwei Mitglieder des Pfeffer-Teams zeichnen in ihren – freilich nicht ganz ernst gemeinten – Texten indes immer noch die Bilder zweier Häuser, die zwei unterschiedliche Schülergruppen beherbergen. Finden Sie heraus, wer welchen Standort besucht?

Regt zum träumen an: Der Schadaupark in Thun

Regt zum träumen an: Der Schadaupark in Thun

(Bild: Patric Spahni)

«Ein Tag wie jeder andere. Die Sonne scheint, trotzdem steht alles immer noch am selben Ort, und nichts hat sich in der Zwischenzeit verändert. Das Einzige, was auffällt, ist der nicht mehr vorhandene Baum, der uns im Sommer immer vor der brütenden Hitze schützte und uns genügend Schatten gab. Der muss im Laufe der letzten Woche gefällt worden sein. Aber was solls: Mit dem Holz dieses Baumes können locker fünf bis sechs grosse Sitzbänke hergestellt werden, welche im Schadaupark sicherlich einen Platz finden würden. Für etwas gibt es ja die Erfindung ­namens Sonnencreme, welche unsere Haut vor den gefährlichen UV-Strahlen schützt.

Plötzlich ertönt das Tuten eines Schiffes. Ich schaue auf den See hinaus und sehe die Blümlisalp, das altbekannte, im Jahr 1906 erbaute Dampfschiff. Für mich immer noch ein Phä­nomen, dass das über 100 Jahre alte Schiff noch immer auf dem Thunersee fährt. Die Technologie des Dampfantriebes ist doch längst veraltet und ineffizient dazu.Für mich unerklärlich, dass die Blümlisalp noch nicht durch ein modernes und effizienteres Passagierschiff ersetzt wurde. Da kommt mir in den Sinn: Ich habe meine Hausaufgaben in der ­Wirtschaftslehre noch nicht gemacht. Und bereits in drei Wochen haben wir die Semesterprobe dazu. Ich weiss jedenfalls, dass ich früher oder später einmal mein eigenes, selbstständiges und globales Unternehmen führen werde.Darum darf ich diese Probe nicht verhauen. Spätestens in 10 Jahren wird meine Belohnung schon folgen für die Arbeit, die ich hier in der Schule geleistet habe. Eine tolle, alleinstehende Villa am Lago Maggiore mit einem feuerroten Ferrari in der Garage, einem grossen Garten mit meinem eigenen kleinen Bootssteg.

Mit meinen Lacoste-Schuhen, meinen Hollister-Jeans und ­meinem Polohemd spaziere ich weiter in Richtung der grossen Wiese. Was mich überhaupt nicht verwundert: wie jeden Mittwochnachmittag sitzt eine Gruppe von jungen Hipstern in einem asymmetrischen Kreis am Boden und macht es sich gemütlich. So offen, wie die grün­liberalen Schüler höchstwahrscheinlich sind, fragen sie mich, ob ich ihnen Gesellschaft leisten möchte. Ich lehne dankend ab. Lieber lerne ich für meine Semesterprobe und für eine erfolgreiche Zukunft.

Zurück bei meiner Lieblingssitzbank, erwarten mich zwei Kolleginnen und ein guter Kumpel von mir. Wie immer sind die Frauen top geschminkt, und bei ihm stimmt jedes einzelne Haar seiner Frisur auf den Zentimeter genau. Gott sei Dank haben sie kühles Bier dabei, was zum Richtigen Zeitpunkt kommt und mir ein breites Schmunzeln auf mein Gesicht zaubert. Da klingelt plötzlich mein iPhone 6s. Es ist mein Tennistrainer, und er fragt mich, ob ich heute eventuell eine Stunde früher ins Training kommen möchte.Ohne lang zu zögern, stehe ich auf, gebe den beiden Mädels wie es sich gehört einen Kuss auf die Wange, ­meinem Kumpel einen lockeren, aber dynamischen Handschlag, schwinge mich auf meine Ducati und cruise davon...»

«Was für ein schöner Tag es doch ist! Ein Tag wie im Bilderbuch. «What a day for a daydream!», singt die Hippieband The Lovin’ Spoonful in meinem Kopf. «Was für ein Tag für einen Tagtraum.» Bei diesen Verhältnissen hier ist es jedoch nicht bloss ein Traum – es ist Wirklichkeit! Ich hole tief Luft, fühle, wie sie meine Lungen füllt und mein Herz höherschlagen lässt. Voller Freude beginne ich meinen Spaziergang durch den Schadaupark.

Ich höre Vögel zwitschern, sie singen eine zauberhafte Melodie, die mich in ferne Welten trägt. Die Sonne scheint, und die Sonnenstrahlen kitzeln mein ­Gesicht, wenn ich die Augen schliesse. Ein sanfter Wind weht und durchwuschelt mir die Haare. Ich fühle mich gut, sehr gut ­sogar.

Der Frühling scheint zu kommen. Die Blumen, die sich über die Rasenfläche verteilen, verstreuen einen himmlisch riechenden Duft, der mich ein wenig benebelt; und sie strahlen in den schönsten Farben. Die Farbschattierungen reichen vom saftigen Grün des Baumes über das zarte Rosa der Blüten bis hin zum schillernden Blau des Sees.

Vielleicht fange ich deswegen an, vor mich hin zu trällern. Das Lied des Tagtraumes liegt mir ­immer noch auf der Zunge, ich singe vor mich hin und trete aus dem Wäldchen.

Da stockt mir der Atem – vor mir liegt ein imposantes Gebäude. Es ist das berühmt-berüchtigte Schloss Schadau, das da vor sich hin thront und jedes Lebewesen in seinen Bann zu ziehen scheint. Herrisch und majestätisch scheint es, jedoch auch sehr märchenhaft und romantisch.

Ob da drin wohl jemals Adlige residiert haben? Sofort schweifen meine Gedanken in Zeiten ­zurück, die ich bloss aus Erzählungen kenne. Elegante Damen in edlen Roben, die umgarnt werden von starken Männern mit schneeweissen Pferden.Ganz fassbar erscheinen mir ­meine Vorstellungen, und ich wünsche mir, für einmal in eines dieser samtweichen Kleider zu schlüpfen.

Plötzlich höre ich jemanden meinen Namen rufen, und ich werde so in die Gegenwart zurückgeholt. Einige meiner Freunde sitzen auf der Wiese in einem Kreis und entspannen sich ein wenig vom Schultag. Ich setze mich zu ihnen. Jemand spielt Gitarre, andere singen mit, und wiederum andere sind versunken in ihren eigenen Tagträumen. Was sie wohl denken? Ich bin neugierig, doch ich lasse sie in Frieden mit meinen Fragen. Friedlich zu sein, ist nämlich das A und O hier.

So langsam geht die wärmende Sonne unter, und ein kühler Wind zieht auf. Ich stehe auf, verabschiede mich von meinen Freunden und mache mich auf den Weg zu meinem Fahrrad. Was für ein schöner Abend es doch war in diesem wundervollen Park! Ich bin mir sicher: Das wird nicht der letzte Spaziergang im Park gewesen sein. Denn kaum durchschreite ich das Eingangstor, so ruft mein Herz wieder nach dem Glück, das ich hier ­finde. Doch die Tagträume, die werden mich auch anderswo begleiten?.?.?.»

Thuner Tagblatt

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