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Psychiatrie war viel Versuch und sehr viel Irrtum

münchenbuchseeDie psychiatrische Privatklinik Wyss gibt ein Buch über ihre 165-jährige Geschichte heraus. Zum Glück ist heute fast alles anders als früher.

Die Entwicklung der Psychiatrie liest sich bis in die jüngere Vergangenheit als Geschichte des Grauens. Jahrhundertelang kerkern die Menschen Geisteskranke ein. Sie drehen sie im «Trülirad» bis zur Bewusstlosigkeit. Sie versenken sie in warmes Wasser, bis sie schlappmachen. Auch manche Methoden in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts muten unmenschlich an: Elektroschocks ohne Betäubung bereiten Höllenpein. Bei der in den 1930er-Jahren verbreiteten Cardiazoltherapie lösen Ärzte künstlich epileptische Anfälle aus. Leidensweg Über den Leidensweg der Psychiatrie und ihrer Patienten berichtet ein Ende des letzten Jahres herausgekommenes Buch. Die beiden Historikerinnen Anna Bähler und Katharina Moser fassen in ihrer «Geschichte der Privatklinik Wyss» mehrere Jahrhunderte medizinischer Entwicklung zusammen. Der 96-seitige reich und gut illustrierte Band ist erschienen, weil die psychiatrische Klinik in Münchenbuchsee seit 165 Jahren besteht. Das Werk zum seltsamen Jubiläum lässt einen erschauern – und aufatmen. Psychisch erkranken können wir alle. Man ist dankbar, dass die Ärzte ihre Patienten heute mit Würde und mehr Erfolg behandeln. Psychiatrie war lange Zeit viel Versuch und sehr viel Irrtum. Auch in der Klinik Wyss. 1845 gründet Johann Caspar Straub in Münchenbuchsee eine «Heil-, Irren- und Pflegeanstalt». In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wandeln sich die Besitzverhältnisse durch Heirat und Erbschaft. Ab 1884 tritt die Familie Wyss auf. Sie besitzt und verwaltet die Klinik, ist aber nie medizinisch tätig. Die Ärzte behandelten die Patienten in Münchenbuchsee mit Methoden, die dem jeweiligen Wissensstand entsprachen. Die Leitung betonte jedoch stets, dass man die Kranken hier besonders individuell betreue und dass die ruhige ländliche Situation viel zur Genesung beitrage. 1984 knapp vor dem Ruin Die Privatklinik Wyss hat das Buch herausgegeben und finanziert. Trotzdem hat auch Kritisches Platz. Die beiden Verfasserinnen erwähnen, dass die Klinik 1984 knapp vor dem Aus stand. Sinkende Patientenzahlen, veraltete Einrichtungen und Personalprobleme trieben die Institution beinahe in den Ruin. In den 1990er-Jahren fasste die Klinik wieder Tritt. Nach 165 Jahren Geschichte präsentiert sie sich heute als zeitgemässe psychiatrische Institution, die seit 2006 zum Verband «Swiss Leading Hospitals» gehört. Peter Steiger Lesung: Mittwoch, 26.Januar, 20 Uhr, Buchhandlung Stauffacher, Bern. Buch: «Die Geschichte der Privatklinik Wyss», Fr.29.50. Nur erhältlich in der Buchhandlung Stauffacher. >

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